Aufbruch zum Mond USA 2018 – 141min.

Aufbruch zum Mond

Filmkritik

Weisser Mann auf dem Mond

Gaby Tscharner
Filmkritik: Gaby Tscharner

Damien Chazelle und Ryan Gosling spannen nach La La Land für ein Weltraumabenteuer über einen Meilenstein in der Geschichte zusammen, der so ganz ohne Pauken und Trompeten erzählt wird. Das erhitzt in Amerika die Gemüter, sorgt aber für gutes Kino.

Anfang der 60er-Jahre war Neil Armstrong (Ryan Gosling) ein hoffnungsvoller Testpilot, der vom amerikanischen Raumfahrtprogramm NASA als einer der Astronauten auserwählt wird, die das Rennen gegen die Sowjets gewinnen und als erste auf dem Mond landen sollten. Bevor er aber den berühmten ersten Fussabdruck auf der Mondoberfläche hinterlässt, war Neil Armstrong der Ehemann von Janet (Claire Foy) und ein Familienvater, der hilflos zusehen muss, wie seine zweijährige Tochter Karen (Lucy Stafford) an einem Hirntumor stirbt.

Damien Chazelle, dessen Film La La Land 2016 sechs Oscars gewann und für eine kurze Minute sogar den Academy Award als bester Film in Griffnähe hatte (der Gewinner war Moonlight, Faye Dunaway las die falsche Karte), spannt in First Man wieder mit seinem Star Ryan Gosling zusammen. Goslings dezente Schauspielweise macht uns mit dem Astronauten Neil Armstrong vertraut, der in lebensbedrohlichen Situationen im Weltall weder Nerv, noch Bewusstsein verliert. Egal, ob seine Blechbüchse von einem Raumschiff in Lichtgeschwindigkeit um seine Achse rotiert oder seine Tochter nach der Chemotherapie stundenlang erbricht, Armstrong verliert nie die Fassung. Das treibt seine Frau aber beinahe in den Wahnsinn und führt dazu, dass der Weltraumfahrer mit seinen Söhnen kaum eine Beziehung hat.

Das ist nicht die Geschichte der Mondlandung, die von Amerikanern gerne erzählt wird. First Man ist weder The Right Stuff noch Apollo 13. Da werden Astronauten nicht in Montagen glorifiziert, und das symbolträchtige Markieren des Territoriums, in diesem Fall mit der US-Fahne auf der Mondoberfläche, wird kaum gezeigt, worüber sich die Kritiker des Films schon vor seinem Start die Mäuler zerrissen und Präsident Trump echauffiert tweetete. Der Film ist nicht Hurrah-patriotisch, aber mal abgesehen von Gil Scott-Herons Song «Whitey on the Moon» mit Songtexten wie "Ich kann meine Rechnungen nicht bezahlen, aber der weisse Mann ist auf dem Mond" ist in Chazelles Film auch nichts sozialkritisch.

First Man ist sein ganz eigener Film. Einerseits gross angelegtes Erlebniskino mit Bildern, die uns erst fast kotzen und dann über die Schönheit der Mondlandschaft staunen lassen. Andererseits ist er eine intime Charakterstudie. Nicht die eines Mannes, der keine Gefühle hat, sondern die eines Mannes, der seinen Gefühlen nicht Ausdruck geben kann. Aber die emotionale Dürre ist über lange Strecken hinweg fad und derart langfädig, dass wir, wenn wir endlich bei der Mondladung angelangt sind, kaum mehr Energie haben, uns über das poetische Ende des Films so richtig zu freuen.

07.11.2018

3.5

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Kommentare

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uwiesner

vor einem Monat

wo kann man ihn sehrn?


julianne

vor 3 Monaten

Nochmals gesehen genau wie Star is Born ein masterpiece !! Freue mich auf die oscars !! Clare Foy Ryan gosling oscar performance! Soundtrack La La Land conposer no comment genius work!!


frozone

vor 3 Monaten

Ein sehr stiller und feiner Film, der für einmal ohne pompöse Armageddon-Aufmachung und brachialen Soundtrack auskommt und trotzdem nicht langweilt. Ein spannender Ansatz, der seinen Charakteren aber trotzdem etwas mehr Tiefgang hätte verleihen können .


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