Der Grinch USA 2018 – 90min.

Der Grinch

Filmkritik

Grüne Weihnacht

Gaby Tscharner
Filmkritik: Gaby Tscharner

In Zuckerwatte getauchte Farben und schenkelklopfender Kinderhumor ziehen dem Grinch seine für gewöhnlich Maden-infestierten Reisszähne und machen die berühmte Geschichte von Dr. Seuss zu einem etwas faden Weihnachtsmärchen, das nirgends anecken will.

Hoch über den Dächern von Whoville, auf einer Bergspitze in einer dunklen Höhle, wohnt der Grinch (Englische Fassung: Benedict Cumberbatch, Deutsche Version: Otto Waalkes), der Griesgram der Stadt. Nichts geht ihm mehr gegen den Strich als Weihnachten und all die besinnlichen und herzerwärmenden Feierlichkeiten, die das Fest der Liebe begleiten. Eines Tages reicht’s ihm und er plant, mit seinem Hund Max Weihnachten zu stehlen. Aber das clevere Mädchen Cindy-Lou Who (Cameron Seely, Xara Eich), das am Heiligen Abend eigens länger aufbleibt, um den Weihnachtsmann zu erwischen, macht dem Grinch da einen gehörigen Strich durch die Rechnung.

Der amerikanische Buchautor Dr. Seuss wurde als Theodor Geisel, Sohn deutscher Einwanderer, geboren, der viel Zeit in der Schweiz verbrachte. Aber hierzulande sind seine Bücher wie «Green Eggs and Ham» (Grünes Ei mit Speck) oder «The Cat in the Hat» (Der Kater mit Hut), die in den USA zu den beliebtesten Kinderbüchern gehören, kaum bekannt, was im Fall der neusten Verfilmung von Der Grinch ein Segen ist. Schweizer Kinogänger haben nur selten geschätzte Kindheitserinnerungen, die an das Buch oder frühere Filme geknüpft sind und können den Film damit unbelastet sehen. Das erhöht das Sehvergnügen.

Diese Version des grünen Griesgrams ist viel zahmer als seine Vorgänger. Während der Grinch im Buch und früheren Filmen als der total asoziale Aussenseiter dargestellt wurde, ist dieser Grinch eher wie ein mürrischer Nachbar, dessen Spaziergänge durch die Stadt zwar als lästig, aber als nichts Aussergewöhnliches gesehen werden. Seine "Schandtaten" sind zahm, beschränken sich auf das Spucken in Gurkengläser im Supermarkt oder Schummeln beim Schach. Und sein treuer Begleiter, ein süsses Hündchen namens Max, ist ein gut genährtes Haustier, das sogar im Bett schlafen darf. Dieser Grinch ist in seiner Schaurigkeit etwa mit Gru aus Ich, einfach unverbesserlich zu vergleichen – beide Filme kommen ja auch aus demselben Stall.

Der Brite Benedict Cumberbatch ist die amerikanische Stimme vom Grinch, was einen wundern lässt, ob US-Komiker wie Steve Carell, Jack Black oder Kevin Hart alle nicht zu haben waren. Die Stimme des Engländers trägt zur Qualität oder Komik des Films nichts bei, was diesen Film zu einer Sonderheit macht. Er ist nämlich einer der wenigen Filme, in denen die deutsche Synchronisation mit Otto Waalkes als Grinch wahrscheinlich der englischen vorzuziehen wäre. Wer den Film jedoch mit kleinen Kindern sehen will, wird nicht enttäuscht werden. Die zahlreichen Szenen mit Max und seinem Freund, dem kurvigen Rentier Fred, sorgen bei den kleinsten Zuschauern für viel Freude.

28.11.2018

2.5

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Kommentare

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maennele

vor 4 Tagen

Wunderbarer Familien-Weihnachts-Animationsfilm! Auch sehr geeignet für kleinere Kinder! Es ist halt wichtig (als Tipp für andere Kritiker!), dass man u.a. auch auf das Freigabe-Alter schaut. Dann ist man auch nicht enttäuscht, wenn der Film für sie zu ‚harmlos‘ daherkommt! Ist halt kein Erwachsenen-Cartoon...Mehr anzeigen


muri

vor 15 Tagen

zu brav, zu kindgerecht und mit viel zu wenig Pepp und Frechheit durchgezogen. Tut halt in dieser Form niemandem weh.


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