News9. Mai 2018

Cannes 2018: Gewinner «Shoplifters» überzeugt mit zu Herzen gehender Familiengeschichte

Cannes 2018: Gewinner «Shoplifters» überzeugt mit zu Herzen gehender Familiengeschichte
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Ab dem 8. Mai herrscht an der Croisette wieder reges Treiben, wenn die Stars und Filmemacher in der französischen Stadt am Mittelmeer ihre neusten Werke dem Weltpublikum vorstellen. Bei uns gibt's während den Internationalen Filmfestspielen von Cannes laufend die neuesten News & Kritiken zu den Filmen im Wettbewerb und ausser Konkurrenz.

Filmkritiken von Patrick Heidmann aus Cannes

Shoplifters

Viermal war der Japaner Hirokazu Koreeda bereits in Cannes im Wettbewerb vertreten, 2013 gewann er dabei immerhin einmal den Preis der Jury. Doch im fünften Anlauf hat es nun geklappt: Sein Film «Shoplifters» wurde an der Croisette sehr verdient mit der Goldenen Palme ausgezeichnet.

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The Man Who Killed Don Quixote

Über 25 Jahre lang hat Terry Gilliam versucht, einen von Cervantes’ legendärer Geschichte über Don Quixote de la Mancha inspirierten Film Wirklichkeit werden zu lassen. 2000 scheiterte das Projekt noch während der Dreharbeiten mit Johnny Depp und Jean Rochefort (worüber es den sehenswerten Dokumentarfilm «Lost in La Mancha» gibt), und selbst als nun der Film im Kasten war, hätte die Klage eines erzürnten Ex-Produzenten fast verhindert, dass Gilliam seinen «The Man Who Killed Don Quixote» in Cannes als Abschlussfilm zeigen konnte. Doch am Ende wurde alles gut, zumindest in einer Hinsicht.

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Solo: A Star Wars Story

In Cannes lief «Solo: A Star Wars Story» natürlich nicht im Wettbewerb, sondern ausser Konkurrenz, und das noch nicht einmal als Weltpremiere, denn die hatte ein paar Tage zuvor in Los Angeles stattgefunden. Trotzdem gehörte der Film an der Croisette zu den mit am meisten Spannung erwarteten. Nicht nur, weil er endlich einmal ein paar Hollywood-Stars auf den roten Teppich brachte und mit einer opulenten Party am Strand gefeiert wurde. Sondern auch, weil natürlich viele neugierig waren, ob der neue Ableger des Blockbuster-Franchise tatsächlich misslungen sei, wie in der Branche wochenlang gemunkelt worden war.

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The House That Jack Built

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In dem lange angekündigten Projekt lässt Lars von Trier einen Serienkiller (Matt Dillon) seine Taten anhand von fünf Beispiel selbst präsentieren; wer der Zuhörer und Fragensteller (Bruno Ganz) ist, dem er sich dazu im Off offenbart, beginnt man erst spät zu ahnen. Daran, dass der Regisseur nur allzu gerne provoziert und schockiert, hat sich noch immer nichts geändert, doch die Gewaltausbrüche – vor allem gegen Frauen und Kinder – in «The House That Jack Built» haben selbst für ihn eine neue, schwer erträgliche und durchaus fragwürdige Dimension.

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BlacKkKlansman

27 Jahre ist es her, dass Spike Lee mit «Jungle Fever» das letzte Mal in Cannes um die Goldene Palme konkurrierte. In diesen Jahren hat seine Karriere manche Höhe («Malcolm X») und noch mehr Tiefpunkte («Miracle at Santa Anna», «Oldboy») erlebt, und nicht wenige waren überzeugt, dass der einst revolutionäre Regisseur seine besten Zeiten lange hinter sich hat. Doch das widerlegt er mit «BlacKkKlansman» nun eindrücklich.

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Happy as Lazzaro

Weil wieder einmal nur drei Filme im Wettbewerb von Frauen inszeniert wurden, gilt denen in Cannes in diesem Jahr eine besondere Aufmerksamkeit. Und das durchaus nicht zu Unrecht, wie Alice Rohrwachers «Happy as Lazzaro» bewies, der von einer kleinen, in sich sehr geschlossenen Gemeinde von Landarbeitern handelt, in der alles verändert wird, als die Realität der Aussenwelt in diese abgeschottete Gemeinschaft hereinbricht.

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Cold War – Zimna wojna

Ein kleiner Trend ließ sich in den ersten Cannes-Tagen 2018 im Wettbewerb beobachten: Osteuropäische Filme mit musikalischem Schwerpunkt und schwarzweißen Bildern haben Konjunktur. Während «Leto» des Russen Kirill Serebrennikow dabei überzeugte, schwang sich «Cold War» von Pawel Pawlikowski sogar zum ersten Palmen-Anwärter auf. Darin wird die tragische Liebesgeschichte der Sängerin Zula (Agata Kulesza) und des Musikers Wiktor (Tomasz Kot) erzählt, die sich nicht lange nach dem Zweiten Weltkrieg in Polen kennen und lieben lernen.

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Plaire, aimer et courir vite

Lange Jahre spielten queere Filme eine eher untergeordnete Rolle, doch seit geraumer Zeit scheint man sich dafür mehr zu öffnen. In diesem Jahr sind sogar gleich zwei Filme mit explizit schwulen Geschichten im Wettbewerb vertreten – und als erster davon feierte Christophe Honorés «Plaire, aimer et courir vite» Premiere, der die Geschichte zweier sehr unterschiedlicher schwuler Männer im Jahr 1993 erzählt.

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Everybody Knows

Spanisches Familiendrama von Asghar Farhadi | Kinostart: 27.09.2018

Zum ersten Mal hat Asghar Farhadi, zweifacher Oscar-Gewinner aus dem Iran, einen Film auf Spanisch gedreht und eröffnete damit nun erstmals das Filmfestival in Cannes, wo auch schon seine letzten beiden Filme «Le passé» und «The Salesman» ihre Weltpremiere feierten. Eines vorweg: Was Eröffnungsfilme in Cannes angeht, übertrifft «Everybody Knows» den Vorjahres-Film «Les fantômes d’Ismaël» um Längen.

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