CH.FILM

Lazzaro felice Frankreich, Deutschland, Italien, Schweiz 2018 – 130min.

Lazzaro felice

Filmkritik

Märchenhafte Umbrüche

Patrick Heidmann
Filmkritik: Patrick Heidmann

Weil wieder einmal nur drei Filme im Wettbewerb von Frauen inszeniert wurden, gilt denen in Cannes in diesem Jahr eine besondere Aufmerksamkeit. Und das durchaus nicht zu Unrecht, wie Alice Rohrwachers Happy as Lazzaro bewies.

Die Italienerin erzählt in ihrem dritten Spielfilm von einer kleinen, in sich sehr geschlossenen Gemeinde von Landarbeitern, die irgendwo in der italienischen Provinz auf der Tabakplantage der Marchesa de Luna schuften. So wie sie selbst von dieser Herrin ausgenutzt werden, nutzt diese eingeschworene Sippe ihrerseits den jungen Lazzaro (Adriano Tardiolo) aus, den alle in seiner Güte für ein wenig schlicht halten. Doch als die Realität der Aussenwelt in diese abgeschottete Gemeinschaft hereinbricht, verändert sich alles.

Man braucht in der ersten, langsam erzählten Hälfte von Happy as Lazzaro felice eine ganze Weile, um sich einen Reim darauf zu machen, was hier eigentlich vorgeht, und als bemerkenswerte Ereignisse die Geschichte plötzlich auf eine andere Zeitebene katapultieren, verhält es sich kaum anders. Rohrwacher verschmilzt auf kongeniale Weise magischen und sozialen Realismus, wobei sie sich mit ihrer märchenhaften Heiligengeschichte auf italienische Folklore-Fabeln genauso beruft wie auf filmische Traditionen von Pasolini und Fellini. Vor allem aber zeigt sie auf gleichermassen erschütternde wie poetische Weise, welchen verlustreichen gesellschaftlichen Umbrüchen ihre Heimat in den letzten Jahren unterworfen war.

15.05.2018

4

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