Peppermint USA 2018 – 102min.

Peppermint

Filmkritik

Ein Hoch auf die Selbstjustiz

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Mit seinem kompromisslosen Reisser 96 Hours prägte Pierre Morel ganz entscheidend Liam Neesons Wandel zum knallharten Actionstar. In seiner neuen Regiearbeit inszeniert der französische Filmemacher mit Jennifer Garner eine Frau als unerbittliche Kampfmaschine, die um jeden Preis die Ermordung ihrer Familie rächen will. Das Ergebnis ist – ähnlich wie im Fall von Eli Roths Klassiker-Remake Death Wish – stumpfsinnige Thriller-Kost mit fragwürdigen Botschaften.

Ausgerechnet am Geburtstag ihrer Tochter Carly (Cailey Fleming) widerfährt der Bankangestellten Riley North (Jennifer Garner) der schlimmste Schicksalsschlag, den man sich denken kann. Nachdem ihr Ehemann Chris (Jeff Hephner) über einen Freund eher unfreiwillig in die Vorbereitungen zu einem Überfall auf den Drogenboss Diego Garcia (Juan Pablo Raba) involviert wird, findet er sich plötzlich im Visier der Gangster wieder, die von den Plänen Wind bekommen haben.

Bei einem Ausflug zum Jahrmarkt werden Chris und Carly rücksichtslos getötet, während Riley mit schweren Schussverletzungen im Koma landet. Als sie erwacht, hofft sie auf Gerechtigkeit, erleidet jedoch eine bittere Schlappe. Frustriert taucht Riley daraufhin unter und kehrt erst fünf Jahre später, inzwischen versiert in Kampf- und Waffentechniken, nach Los Angeles zurück, wo die Polizisten Stan Carmichael (John Gallagher Jr.) und Moises Beltran (John Ortiz) gemeinsam mit der FBI-Agentin Lisa Inman (Annie Ilonzeh) ihren blutigen Spuren folgen.

Von der liebevollen Ehefrau und Mutter zur unbezwingbaren Killeramazone – so sehr man sich darüber freuen möchte, dass ein Actionthriller einmal keinen Mann ins Zentrum seiner Handlung stellt, so groß ist die Enttäuschung, dass Morel seine Rache-Mär auf denkbar platte Weise durchzieht. Rileys dramatische Wandlung wird über den Zeitsprung und ein paar läppische Hinweise abgehakt. Das Justizsystem erscheint als lächerlich unfähiger, vor Korruption strotzender Apparat, was den Griff zur Waffe – so legt es der Film nahe – uneingeschränkt legitimiert. Der Rundumschlag der Protagonistin trägt schon früh wahnsinnige Züge. Und doch versucht das von logischen Ungereimtheiten heimgesuchte Drehbuch allen Ernstes, sie als Schutzengel der Armen und Entrechteten zu etablieren.

Eine Diskussion über die von Riley ausgeübten Gewalttaten umgehen die Macher konsequent und manövrieren ihren Reisser damit in bedenkliche ideologische Gefilde. Jennifer Garner mag in ihrer körperlich anspruchsvollen Rolle überzeugen, und die Actionszenen lassen durchaus handwerkliche Kompetenz erkennen. Das unkritische Abfeiern des selbstgerechten Feldzuges ist dennoch unerträglich. Gerade in aufgeheizten Zeiten wie diesen braucht es Filme, die zumindest ein wenig differenzieren.

27.11.2018

1.5

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Kommentare

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3730151

vor 3 Monaten

Als gewöhnliche Hausfrau taucht man von heute auf morgen unter und bringt sich in 5 Jahren alles selber bei was man zum Kampf gegen die Mafia wissen muss...


navj

vor 3 Monaten

Mit "Peppermint " streift der nächste Racheengel über die Leinwände. Die von Jennifer Garner gespielte Protagonistin ist nicht nur eine Geistesverwandte John Wicks, sondern weist Ähnlichkeiten mit dem Film "Ein Mann sieht rot " aus dem Jahr 1974 auf, die den Mord an ihrer Familie rächt. Obwohl der Film dramaturgisch fade bleibt und zahlreiche Klischees bedient, sind die Action und das Geschehen ordentlich inszeniert.Mehr anzeigen

Zuletzt geändert vor 3 Monaten


elelcoolr

vor 3 Monaten

Ein typischer Rachefilm mit voraussehbarer Handlung. Mir hat der Film aber sehr gut gefallen und mich gut unterhalten. Garner als weiblicher Racheengel - das passt!


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