Once Upon a Time... in Hollywood Grossbritannien, USA 2019 – 159min.

Once Upon a Time... in Hollywood

Filmkritik

Der neunte Tarantino

Patrick Heidmann
Filmkritik: Patrick Heidmann

Lange wurde kein ohne Superhelden auskommender Film mehr so heiss erwartet wie der neue von Quentin Tarantino. Doch dem auch selbst geschürten Hype standzuhalten, ist kein Kinderspiel, wie Once Upon a Time... in Hollywood zeigt.

Würde er es schaffen, den Film rechtzeitig fertig zu stellen, um damit im Wettbewerb der Filmfestspiele von Cannes Premiere feiern zu können? Exakt 25 Jahre, nachdem ihm dort mit Pulp Fiction der ganz grosse Durchbruch gelungen war? Fragen wie diese sowie Rätselraten um den Plot sorgten dafür, dass Quentin Tarantinos Once Upon a Time... in Hollywood nicht nur an der Croisette einer der mit am meisten Spannung erwarteten Filme des aktuellen Jahres wurde.

Als Film über die Charles Manson-Morde wurde das 1969 angesiedelte Werk verschiedentlich angekündigt, doch das trifft die Sache nur sehr bedingt. Eigentlicher Protagonist ist Rick Dalton (Leonardo DiCaprio), ein fiktiver Schauspieler, dessen verblassender Ruhm ihm noch TV-Gastrollen und Angebote für italienische Western einbringt. Gemeinsam mit seinem Kumpel und Stuntdouble Cliff Booth (Brad Pitt) vertreibt er sich die Zeit zwischen den Engagements überwiegend mit der Einnahme jeder Menge Drinks – und träumt davon, vielleicht doch noch mal so angesagt zu sein wie seine neuen Nachbarn Roman Polanski und Sharon Tate (Margot Robbie).

Dass Letztere in der Realität am 9. August 1969 von Anhängern des Sektenführers Manson ermordet wurde, auf dessen Ranch es auch Cliff zufällig verschlägt, hat man als Zuschauer natürlich dauerhaft im Kopf, doch bis Tarantino in jener schicksalhaften Nacht ankommt, ist es ein weiter Weg. Bis es zum märchenhaft-revisionistischen, aber natürlich auch erwartungsgemäss brutalen Ende dieser Geschichte kommt, dauert es 161 Minuten, und siehe da: Für einen Tarantino-Film ist diese Langstrecke bisweilen ungewohnt zäh.

Nicht dass Once Upon a Time... in Hollywood ein schlechter Film wäre. Dafür sind die Schauspieler durch die Bank zu gut, auch Lena Dunham, Kurt Russell oder Bruce Dern in kurzen Gastauftritten. Und natürlich verstehen sich wenige Regisseure so atmosphärisch darauf, dem Los Angeles der Sechzigerjahre mitsamt der Filmindustrie und Popkultur jener Zeit Tribut zu zollen wie Tarantino. Verglichen nicht zuletzt mit seinen eigenen Filmen allerdings wirkt dieses neue Werk, auch in den Dialogen, ein bisschen schlichter, weniger raffiniert und erwartbarer als üblich.

22.05.2019

3.5

Dein Film-Rating

Kommentare

Sie müssen sich zuerst einloggen um Kommentare zu verfassen.

Login & Registrierung

Mehr Filmkritiken

Der König der Löwen

Spider-Man: Far from Home

Yesterday

Pets 2