The Wife Schweden, USA 2017 – 100min.

The Wife

Filmkritik

Lebenslügen

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Die Verfilmung von Meg Wollitzers Roman «Die Ehefrau» ist ein stilles, aber intensives Drama mit komischen Momenten geworden, weil das Leben aller Ernsthaftigkeit zum Trotz eben auch immer einen Grund zum Lachen liefert. Hier, das merkt man schnell, bleibt das Lachen schon bald im Halse stecken, denn die Geschichte, die sich entfaltet, ist im Kern eine Anklage des Patriarchats.

Der Schriftsteller Joe Castleman (Jonathan Price) erhält den Nobelpreis für Literatur. Zusammen mit seiner Frau Joan (Glenn Close) und seinem Sohn David (Max Irons) reist er nach Stockholm, wo die Preisverleihung stattfinden wird. Ihre Ehe scheint perfekt, doch Risse zeigen sich. Und das nicht nur, weil er seine Frau immer wieder hintergangen hat, sondern weil er ihr auch den Respekt schuldig bleibt, den sie verdient. Zudem kommt es zu Konflikten mit seinem Sohn, der angehender Schriftsteller ist und sich die Anerkennung des Vaters wünscht, sie aber nicht bekommt. Für weiteren Aufruhr sorgt ein Biograph, der in Joes Leben herumgeschnüffelt hat und einem dunklen Geheimnis auf der Spur ist.

The Wife ist ein wichtiger Film, weil er verschiedene grosse Themen aufgreift, vor allem aber den Kontrast darstellt, wie weit ein Mann und wie weit eine Frau in derselben Profession kommen können. Heute mag das besser sein, in den 1950er- und 1960er-Jahren war dies, wie Rückblicke zeigen, anders.

Der Film ist dabei ausgesprochen sublim. Er erzählt auf der einen Seite eine geradlinige Geschichte, bietet aber auf der anderen kurze, fast schon irritierende Momente, die man nicht zuordnen kann, bis sich das wahre Ausmass dieser Geschichte enthüllt. Das fängt schon früh an, als das alte Ehepaar im Bett herumspringt und den Gewinn des Nobelpreises feiert. Bis es nicht mehr kann. In diesem Moment ist einem noch nicht klar, wieso, aber es folgen noch viele solche Momente, die kumuliert eine Erkenntnis mit sich bringen.

Es geht um Lebenslügen, die man sich aber auch anderen gegenüber aufrechterhält. Um Wahrheiten, an denen man zerbricht, die Fassade aber zu wahren versucht. Um ein Leben der Enttäuschungen, aus dem man mit dem Austreten aus der Ehe entschwinden könnte, wäre da nur nicht der Fakt, dass Joe und Joan sich wirklich lieben. Das verleiht der feministischen Geschichte Gravitas.

Jonathan Pryce ist toll, aber Glenn Close glänzt wirklich. Sie spielt ausgesprochen subtil, aber ein scheuer Blick nach unten, eine leichte Bewegung des Kopfes, ein Augenaufschlag sagen so viel mehr, als es jeder Text könnte. Der ist wiederum aber auch Gold: pointiert und geschliffen wie ein Diamant, einfach eine Freude anzuhören. The Wife ist grosses Kino für ein anspruchsvolles Publikum.

04.02.2019

4

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Kommentare

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julianne

vor 2 Monaten

Gerade gesehen Glenn closes Performance ist breathtaking sie bekommt den oscar auf jeden Fall diese Performance ist unerreichbar für die Konkurrenz!! Film ist Mega und Soundtrack auch grosse Klasse !!


Patrick

vor 2 Monaten

Man klebt förmlich an dem grandiosen Dialogen Spiel von Clenn Close,Jonathan Pryce und Max Irons.Und so ein Mimik Spiel der Darstellern,ist nur selten im Kino zu sehen.Glenn Close spielt die Rollen ihres Lebens daher ist Sie zurecht für den Oscar 2019 Nominiert,aber die anderen zwei hätten auch eine Nominierung verdient.Mehr anzeigen

Zuletzt geändert vor 2 Monaten


as1960

vor 2 Monaten

Hinter jedem starken Mann steht noch eine stärkere Frau... aber nicht nicht jede starke Frau steht auch hinter einem starken man. Dies zeigt zumindest "The Wife". Die Geschichte der Schriftstellers welche seinen Nobelpreis grösstenteils (oder nur) seiner Frau verdient ist brisant, wird aber schon etwas schleppend erzählt. Zurecht oscarnominiert Glenn Close. Aber fast die Umkehrung zum Film: Vom ebenfalls grossartigen Harry Lyod wird im Vorfeld fast gar nicht gesprochenMehr anzeigen


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