Maria Magdalena Grossbritannien 2018 – 120min.

Filmkritik

Ihrer Zeit voraus

Irina Blum
Filmkritik: Irina Blum

Sie wurde schon als Sünderin, Geliebte oder Hure dargestellt: Maria Magdalena ist wohl eine der schillerndsten Persönlichkeiten der biblischen Geschichte. Regisseur Garth Davis (Lion) versucht nun, die nebulöse Frau in ein neues Licht zu stellen.

Die Geschichte setzt 33 n. C. in Magdala an: Maria (Rooney Mara) scheint ein besonderes Talent im Umgang mit Menschen – zum Beispiel als Geburtshelferin – zu haben und mit ihrer Gabe nicht so Recht in die Gemeinschaft ihrer Grossfamilie zu passen. Sie sei von Dämonen besessen, beschliesst man – und will ihr diese mit Exorzismus austreiben. Eine Hochzeit soll die junge, nachdenkliche Frau in die richtigen Bahnen lenken – doch Maria sieht sich auf keinen Fall als Mutter und Hausfrau. Als der Wanderprediger Jesus (Joaquin Pheonix) in ihrer Region Halt macht und sich für eine gerechte Gesellschaft und bessere Zukunft stark macht, schliesst sie sich dem Heiler und seinen Jüngern auf ihrer Reise ans Passahfest in Jerusalem an: Ein handfester Skandal in einer patriarchalisch dominierten Gesellschaft.

Maria nähert sich Jesus mit der Zeit immer mehr an und wird zur Vermittlerin zwischen ihm und seinen Jüngern, die eine Revolution begrüssen – notfalls auch gewaltsam. Garth Davis lässt die Jünger eher im Hintergrund bleiben, wobei aber vor allem Judas (Tahar Rahim) eine interessante Position einnimmt: Er wird als zwiegespaltene Persönlichkeit dargestellt, die einseitige Sicht auf einen Verräter damit revidiert. Jesus hingegen ist ein idealistischer, introvertierter und sensibler junger Mann – leidenschaftlich und hingebungsvoll gespielt von Joaquin Phoenix. Seine Zuneigung zu Maria bleibt – anders als in sonstigen Werken – rein platonisch; sexuelle Anziehung zwischen den beiden ist während keiner Sekunde wahrzunehmen. Das passt auch zum Bild von Maria, das im Drama gezeichnet wird: Sie ist eine starke, wenn auch sehr zurückgezogene Frau, die ihrer Zeit voraus ist und in einem historisch akkurat wirkenden Film deshalb auch immer ein wenig deplatziert wirkt.

Rooney Mara macht ihre Sache zwar gut – mit ihrem leeren Blick und dem eher unscheinbaren Auftreten passt sie wunderbar in die gemäldeartigen, wunderschönen Kameraaufnahmen von Greig Fraser – unter anderem eingefangen in Sizilien. Eingefügt in die natürlichen Bilder von kargen Steinlandschaften, sandigen Dünen und kahlen Bergen wirkt sie zugleich stark und durchsetzungsfähig als auch verloren und nachdenklich. Das Problem von Maria Magdalena liegt dann auch eher darin, dass der feministische Ansatz einer willensstarken Maria irgendwo zwischen Magdala und Jerusalem flöten geht: Der Figur der Maria wird zu wenig Raum gegeben, sodass sie immer unscheinbarer wird und schlussendlich zur Nebenrolle in einem nach ihr benannten Film verkommt. Die Klarstellung zu Beginn des Abspanns, dass Maria fälschlicherweise über Jahrhunderte als Hure dargestellt wurde, mag einen schlussendlich kaum berühren – dafür ist der Stil des Films dann doch zu sachlich. Fazit: Der sich Zeit lassende Film kann sowohl für Gläubige als auch Nichtgläubige eine neue, erfrischende Sicht auf eine zuhauf erzählte Geschichte bieten – er kommt aber insgesamt zu zurückhaltend und leidenschaftslos daher, um wirklich eine Aussage zu machen.

15.03.2018

3

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Kommentare

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pitito

vor einem Jahr

Ich finde den Film wunderschön, tiefgründig umd ergreifend. Joaquín Phoenix ist als Jesus perfekt: voller Schmerz und Traurigkeit und nicht fassbar. Überhaupt nicht nötig, dass mehr explizite Handlungen oder gar ein Verhältnis zwischen ihm und Maria konstruiert wird. Die Geschichte und die Spiritualität in ihr wird so viel glaubwürdiger erzählt. Bravo für den Mut zur Absage an Effekthascherei und "action". Der Film lebt durch die gandiosen Schauspieler (fast alle zumindest: Jesus Mutter Maria fand ich nicht überzeugend)Mehr anzeigen


thomasmarkus

vor einem Jahr

Einer der besseren "Jesus-Filme" - und wirklich mit dem Fokus auf Maria Magdalena. So dass die Passion nur kurz eingeblendet werden muss. Sozusagen von Anfang an auf Maria Magdalena zugeschnitten, so dass ich gespannt bin, wann ich "ihn", von dem oft die Rede, erstmals seh - ein ungewohnt älterer, wenig schöner Heiland. mich gestört hat: die (anachronistisch) vielen Kerzen, das war doch sehr "katholisch" und unhistorisch. Und es wurde allzu viel getauft. Hier wurde Jesus mit dem Täufer verschmolzen, entgegen der (Evangelien-)Berichte. Ein Hingucker der Abspann - wenn auch in Lakonie dann doch zu viel ausgeblendet.Mehr anzeigen


Patrick

vor einem Jahr

Schöne Aufnahme und eine solide Darsteller Leistung von Rooney Mara als Maria Magdalena.Die Story kommt sehr gemächlich daher was auf einen Teil schön ist,da viele Filme heute hektisch geschnitten sind,aber auf der anderen seite ist der Film sehr langatmig.Joaquin Phoenix konnte als Johnny Cash(Walk the Line)voll und ganz überzeugen,aber als Jesus ist er nicht so überzeugend.Mehr anzeigen


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