Black Widow USA 2020 – 133min.

Filmkritik

Black Widow

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Coronabedingt pausierte das Marvel Cinematic Universe auf der grossen Leinwand so lange wie nie zuvor. Fast exakt zwei Jahre nach «Spider-Man: Far From Home», dem letzten Film des fortlaufenden Kinogrossprojektes, erscheint mit «Black Widow» der 24. Reihenbeitrag. Erstmals nach «Captain Marvel» steht darin wieder eine Frau im Zentrum der Handlung.

Wer die bisherigen Marvel-Abenteuer noch präsent hat, weiss, dass die von Scarlett Johansson gespielte Natasha Romanoff alias Black Widow in «Avengers: Endgame» für die gute Sache gestorben ist. Ihr Soloauftritt springt demnach in der Zeit zurück, genauer an den Punkt, an dem sie nach den Ereignissen von «Captain America: Civil War» abtauchen muss, da sie Steve Rogers alias Captain America unterstützt und damit gegen das sogenannte Sokovia-Abkommen verstossen hat, das die Arbeit der Superhelden kontrollieren und rechtlich begrenzen soll.

In «Black Widow» dreht sich vieles um die traumatische Vergangenheit der Titelheldin, weshalb der Film uns in den ersten Minuten in ihre Jugendzeit entführt: Im Jahr 1995 lebt Natasha (Ever Anderson) mit der kleinen Yelena Belova (Violet McGraw) und den einst in die Vereinigten Staaten entsendeten russischen Spionen Melina Vostokoff (Rachel Weisz) und Alexei Shostakov alias Red Guardian (David Harbour) als Scheinfamilie in Ohio. Eines Tages muss das Quartett Hals über Kopf fliehen und schafft es mit letzter Kraft nach Kuba. Dort kommen Natasha und ihre Tarnschwester in die Obhut des skrupellosen Strippenziehers Dreykov (Ray Winstone), der sie dazu zwingt, sein auf Gedankenkontrolle basierendes Black-Widow-Programm zu durchlaufen. Wie viele andere Mädchen auch werden sie zu willenlosen Killermaschinen ausgebildet und wie Werkzeuge benutzt. Im Gegensatz zu Yelena gelingt Natasha irgendwann jedoch die Flucht.

Viele Jahre später begegnen sich die beiden im Erwachsenenalter in Budapest wieder. Dank einer geheimnisvollen roten Substanz, die die Gehirnwäsche durchbricht, konnte sich inzwischen auch Yelena (nun: Florence Pugh) aus Dreykovs Gewalt befreien. Gemeinsam wollen sie ihren Peiniger nun zur Strecke bringen und wenden sich dabei hilfesuchend an ihre Zieheltern Melina und Alexei.

Natasha Romanoff ist schon deshalb eine der interessantesten Figuren im Marvel-Kosmos, weil sie, anders als die meisten Avengers Mitglieder, keine übernatürlichen Fähigkeiten hat und eine hochtragische Backstory besitzt. Drehbuchautor Eric Pearson («Godzilla vs. Kong») und Regisseurin Cate Shortland («Berlin Syndrom») geben sich sichtlich Mühe, den menschlichen Faktor ins Blickfeld zu rücken. Die Qualen und der Schmerz der Protagonistin, blitzen mehrfach auf, werden aber nie so eindringlich herausgearbeitet, dass es wirklich an die Nieren geht. Begründet liegt dies auch darin, wie der Film das Zusammentreffen der dysfunktionalen, von Natasha, Yelena, Melina und Alexei, gebildeten Familie beschreibt. Immer wieder schwankt «Black Widow» dabei zwischen Ernsthaftigkeit und in Albernheit abdriftende Komik. In manchen Momenten erscheint der von David Harbour raumgreifend gespielte Alexei wie eine Witzfigur, die aus einer Superheldensatire stammt. Das mag beabsichtigt sein, verwässert allerdings ein wenig die persönliche Leidensgeschichte Natashas.

Spürbar abheben kann sich auch der Plot nicht von den üblichen Superheldenmechanismen. Wirklich gewagte, unkonventionelle Entscheidungen, wie sie die im Januar 2021 gestartete Marvel-Serie «Wanda Vision» präsentiert, sucht man hier jedenfalls vergeblich. Daran ändern selbst die vorgebrachte Kritik an weiblicher Ausbeutung und der lobenswerte, die Geschichte antreibende Empowerment-Gedanke wenig. Bösewicht Dreykov verkörpert toxische Männlichkeit in Reinform, bleibt aber zu sehr Klischee, um einen nachhaltig verstörenden Eindruck zu hinterlassen.

Dass «Black Widow» phasenweise dennoch zu packen weiss, ist erstens der tollen Chemie zwischen Scarlett Johansson und Florence Pugh zu verdanken. Besonders Letztere weiss mit einer erfrischend rauen, rotzigen Art zu gefallen und befeuert die Vorfreude auf weitere Auftritte im Marvel-Universum. Zweitens serviert Shortland dem Publikum einige knackige Actionszenen. Während das explosive Finale mit seinem arg offensichtlichen Einsatz von Computereffekten nicht mehr als den üblichen Krawall bietet, sind es die kleineren Konfrontationen und Jagdpassagen, die Schwung und Intensität entfalten. Das Wiedersehen zwischen Natasha und Yelena hat es beispielsweise ebenso in sich wie die anschliessende Verfolgung quer durch Budapest.

26.07.2021

3

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Kommentare

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Taz

vor 2 Tagen

Statt grosses Brimborium geht man in BW auf die Actionschiene und liefert einen fast Bond-mässigen Film ab, der aber nicht so richtig ins MCU passen mag. Da ist man sich eigentlich mehr gewohnt, zumal man selbst den grossen Bösewicht völlig demontiert. Der Taskmaster hat viel mehr verdient...Mehr anzeigen


dulik

vor 6 Tagen

Im Vergleich zu anderen Marvel Filmen ist "Black Widow" eher enttäuschend. Handlung, Darsteller, Action und auch der Humor bewegen sich leider nur im Bereich vom Mittelmass. Der Film unterhält zwar durch und durch, vermag es aber nicht, der Figur "Natasha Romanoff" weiteren Tiefgang zu verleihen.
6.5/10Mehr anzeigen


Barbarum

vor 21 Tagen

Das Zusammenspiel von Johansson mit ihrer Black Widow-Familie (Pugh, Weisz und Harbour) sorgt für das gewisse Etwas. Doch obschon der Film mehrheitlich gelungen ist, mindern Schlussaktprobleme, ein Hang zur Oberflächlichkeit sowie lächerliche Actionsequenzen das Vergnügen.


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