Alpha USA 2018 – 96min.

Alpha

Filmkritik

Eine Freundschaft für die Ewigkeit

Noëlle Tschudi
Filmkritik: Noëlle Tschudi

Vor 20’000 Jahren, während der letzten Eiszeit, nimmt die allererste Bison-Jagd des Jungen Keda ein schreckliches Ende. Verletzt stürzt er eine Klippe hinunter und wird von seinen Männern als tot geglaubt zurückgelassen. Doch das Schicksal meint es gut mit ihm...

Als der Junge sein Bewusstsein wiedererlangt, muss er lernen, sich in der erbarmungslosen Wildnis durchzuschlagen, um überleben zu können: In einer scheinbar aussichtslosen Lage kreuzt sich sein Weg mit demjenigen eines verletzten Wolfes, der von seinem Rudel verlassen in einer ähnlich aussichtslosen Lage wie Keda selbst steckt. Langsam aber sicher nähern sich die beiden einander an, bis sie schliesslich gemeinsam den Herausforderungen der unbarmherzigen Natur trotzen. Mit dem tödlichen Wintereinbruch steht ihnen die grösste aller Gefahren aber noch bevor…

Der The Book of Eli-Regisseur Albert Hughes erzählt mit Alpha die Geschichte darüber, wie der Mensch seinen besten Freund gefunden haben könnte. Mit einem internationalen Cast, unter anderem bestehend aus dem Australier Kodi Smit-McPhee, dem Isländer Jóhannes Jóhannesson, der in der Rolle von Kedas Vater und als Stammesanführer zu sehen ist sowie der Chilenin Leonor Varela als Schamanin, entführt er die Zuschauer auf eine abenteuerliche Reise vor einer atemberaubenden Kulisse. Die Geschichte ist schnell erzählt, der Lauf der Dinge scheint vorgezeichnet zu sein – und doch zieht der Film einen mit stimmungsvollen Bildern, beeindruckenden Aufnahmen und letztendlich auch mit einigen Überraschungen ohne Abbruch in seinen Bann.

Dass der Film den Zuschauern ein überzeugendes Aufkeimen einer Freundschaft bietet, ist dem gekonnten Zusammenspiel von Wolf Alpha (gespielt vom Tschechoslowakischen Wolfshund Chuck) und Kodi Smit-McPhee zu verdanken, der grösstenteils ohne Dialoge auskommen muss, sich durch Mimik und Körpersprache zum Ausdruck bringt und dabei absolut glaubhaft wirkt. Die wenigen Sätze, die Kode mit seinem Stamm austauscht tragen dann auch zur ungebrochenen Immersion des Films bei: Denn bei ihnen handelt es sich um eine eigens von der Language Creation Society für Alpha entwickelte Sprache, die auf drei Protospachen basiert.

Allgemein lässt sich festhalten, dass Albert Hughes darum bemüht ist, die Cro-Magnon-Menschen, um die es in seinem neuesten Werk geht, so historisch akkurat wie möglich darzustellen. Wo archäologische Funde und Befunde fehlen, lässt er allerdings seine Fantasie walten. Entstanden ist dabei dennoch ein grossartiger Einblick in unsere Vergangenheit, der sicherlich auch bei vielen das Interesse an den Cro-Magnon-Menschen zu wecken vermag. Einziger Wermutstropfen: Einige wenige CGI-Effekte werden der ansonsten makellosen Gestaltung des Films nicht gerecht, und die Geschichte um Keda und Alpha ist zu grossen Teilen voraussehbar. Die filmische Umsetzung ihrer Reise lässt aber dennoch zu keiner Zeit Langeweile aufkommen: Die bildgewaltige Erzählung in der letzten Eiszeit ist bewegend, lehrreich und spannend – für Gross und Klein.

04.09.2018

4

Dein Film-Rating

Kommentare

Sie müssen sich zuerst einloggen um Kommentare zu verfassen.

Login & Registrierung

martinu

vor einem Monat

Obwohl es sich erwartungsgemäss nicht um echte Wölfe gehandelt hat, sondern um Huskies und dies auch noch teilweils computeranimiert: Die Story ist spannend und eindrucksvoll erzählt. Und als Hundeliebhaber ein absolutes MUSS, schöne Landschaftsaufnahmen, super Soundtrack, den es leider (hoffentlich noch) nicht zu kaufen gibt. Herzergreifendes GROSSES KINO!Mehr anzeigen


elelcoolr

vor einem Monat

Es ist eine prähistorische Coming-of-Age-Überlebensgeschichte. Der Film hat eine schöne Kameraführung und die visuellen Effekte sind nicht top aber in Ordnung. Die Interaktion zwischen Mensch und Wolf war gut gemacht, was gut ist... denn es ist schliesslich die Haupthandlung des Films. Der Film fühlte sich jedoch nie so an, als würde er vor 20'000 Jahren stattfinden. Die Ausstattung, Kleider und Gestik sind zu modern.Mehr anzeigen

Zuletzt geändert vor 25 Tagen


navj

vor einem Monat

"Alpha" ist ein stilisiertes, aber wunderschön anzuschauendes und gut umgesetztes Eiszeitabenteuer, das jedoch letzten Endes wenig Neues zu bieten hat, aber mit dem Beginn der Domestizierung des Wolfes zum Hund eine originell filmische Illustration ist.

Zuletzt geändert vor einem Monat


Mehr Filmkritiken

Venom

A Star Is Born

Smallfoot

The Incredibles 2