Hotel Artemis Grossbritannien, USA 2017 – 97min.

Filmkritik

Krankenhaus für Kriminelle

Gaby Tscharner
Filmkritik: Gaby Tscharner

Auch eine Starbesetzung bestehend aus Jodie Foster, Jeff Goldblum und Sterling K. Brown kann diesen oberflächlichen und verwirrenden Action-Thriller nicht retten.

Los Angeles im Jahre 2028. Wasser ist privatisiert und wird dadurch zur teuren Mangelware. Das lässt die Bevölkerung revoltieren, und einige Schlitzohren profitieren. Mitten in diesem Chaos führt die Krankenschwester Jean (Jodie Foster) mit dem Krankenpfleger Everest (Dave Bautista) ein top-secret Krankenhaus für Kriminelle, als Hotel Artemis getarnt. Wer eine Mitgliedsgebühr bezahlt, wird dort kuriert. Im „Hotel“ herrschen eiserne Regeln, die auf die Probe gestellt werden, als die Auftragskillerin Nice (Sofia Boutella) und der Gründer des Etablissements The Wolf King (Jeff Goldblum) einchecken.

Natürlich ist diese Prämisse nicht neu. Vom Continental Hotel, wo sich Keanu Reeves in seiner Action-Serie John Wick zusammenflicken lässt, bis zum Eagles-Song „Hotel California“ erinnert Hotel Artemis häufig an die Kreativität anderer Leute. Zum Glück hatte der Drehbuchautor (Iron Man 3, Mission Impossible: Rogue Nation) und Erstlingsregisseur Drew Pearce auch ein paar eigene Ideen, die sich in erster Linie im Look des Films widerspiegeln. Der ist eine coole Kombination aus einem vintage Los Angeles im Art-Deco Stil, futuristischem Flair und heruntergekommener 70er-Jahre Ästhetik.

“Wir leben in Amerika, 85% meiner Arbeit ist es, Schusswunden zu verarzten“, proklamiert die Krankenschwester. Und so kommt es, dass die Brüder Sherman (Sterling K. Brown) und Lev (Brian Tyree Henry), Letzterer wurde bei einem fehlgeschlagenen Bankraub verwundet, in die Hotelzimmer Waikiki und Honolulu einchecken, die fortan gleich auch als ihre Codenamen dienen. Brown, ein mehrfacher Emmy- und Golden-Globe Gewinner für TV-Serien wie This is Us, macht das Bestmögliche aus einer Rolle mit wenig Fleisch am Knochen. Die Oscar-Gewinnerin Jodie Foster hingegen scheint unter der schwerfälligen Maske, die sie älter scheinen lassen soll, zu ersticken, und das macht uns den emotionalen Zugang zu ihrer Figur nicht einfach.

Hotel Artemis nimmt sich auch etwas zu ernst. Dieser verwirrenden Geschichte über Bösewichte und aufgeblasene Egos fehlt es an Humor und Charme. „It’s harder to get out, than to get in“ ist eine Art Mantra, das im Film mehrfach wiederholt wird, aber trotzdem keinen Sinn ergibt. Hat die Krankenschwester zu viele Patienten, die sterben? Sind die Türen von Innen schwerer zu öffnen als von Aussen? Wer weiss. Glücklicherweise können die Zuschauer nach 90 Minuten aus diesem „Hotel“ wieder auschecken.

21.08.2018

2

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Kommentare

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navj

vor 3 Jahren

Meiner Meinung nach fällt „Hotel Artemis“ in die Sparte der „Zwar-jedoch“-Filme. Zwar wurde der Film mit einem mickrigen Budget (15 Millionen) sehr gut inszeniert, jedoch fehlen Inhalt und Tiefgang. Der Film punktet mit einem ansehbaren Schauspielensemble (Judi Forster, Sofia Boutella, David Bautista, Zachary Quinto), welches jedoch nicht die Möglichkeit hat, sonderlich Eindruck zu schinden. Zwar hat „Hotel Artemis“ teils humorvolle und actionreiche Momente, jedoch täuschen diese diverse Logikfehler nicht hinweg. So bleibt „Hotel Artemis“ ein unterhaltsamer Film, der nichts zu erzählen hat, es nur bedingt versucht und sich mit seiner Kürze (97 Minuten) als guter Snack für Zwischendurch versteht.Mehr anzeigen

Zuletzt geändert vor 3 Jahren


as1960

vor 3 Jahren

Immerhin liefert "Hotel Artemis" ein grosses Rätsel: Was hat nur Charakter-Mimin Jodie Foster dazu bewogen, bei diesem Mist mitzuspielen? Die Grundidee der Story mit dem geheimen Hotel, in dem sich verletzte Gangster pflegen lassen können ist ja nicht schlecht, aber die Umsetzung ist belanglos, spannungsfrei und schlicht dämlich. Dem Kinogänger ist zu empfehlen in diesem Hotel nicht einzuchecken....Mehr anzeigen


elelcoolr

vor 3 Jahren

Tolle Idee mit viel Potenzial sehr schlecht umgesetzt. Da hätte man viel mehr draus machen können! Der Film verbreitet mit seiner Kulisse aber eine grossartige Atmosphäre. Ständig liegt ein Hauch der drohenden Eskalation in der Luft.


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