The Tale of the Princess Kaguya Japan 2013 – 137min.

The Tale of the Princess Kaguya

Filmkritik

Prinzessin auf Erden

Filmkritik: Andrea Wildt

Mit 78 Jahren realisiert Isao Takahata, Mitbegründer des legendären Animationsstudios Ghibli, nochmals ein Meisterwerk des Animationsfilms. Darin erzählt er die Geschichte der Prinzessin Kaguya, die zeitweilig vom Mond auf die Erde verbannt wird. Für dieses in Japan sehr bekannte Märchen fährt Takahata eine ganze Palette an handgefertigten Zeichentechniken auf, vernachlässigt indes die Dramaturgie seines Films.

Es war einmal ein Bambus-Fäller. Er und seine Frau wünschten sich nichts sehnlicher als ein Kind. Eines Tages fand der Bambus-Fäller im Wald ein winzig kleines Mädchen. Er nahm es mit nach Hause und zog es zusammen mit seiner Frau gross. In der Natur wuchs die Kleine frei und wild heran. Doch eines Tages befand der Bambus-Fäller, dass es Zeit war, aus seiner Tochter eine Prinzessin zu machen. Im Palast muss Kaguya nun still sitzen und Kalligrafie lernen anstatt mit der Jungenbande durch die Wälder ziehen zu können. Schon bald stehen heiratswillige Männer Schlange und fordern die schöne Prinzessin als ihren alleinigen Besitz.

The Tale of Princess Kaguya gehört zu den bekanntesten Märchen in Japan. Man sagt, dass jedes Kind dieses mindestens einmal in seinem Leben zum Einschlafen erzählt bekommen hat. Für Isao Takahata gehört die Verfilmung zu einem lang ersehnten Projekt. In acht Jahren detaillierter Handarbeit verhalf er nun der Geschichte zu einem würdigen Auftritt auf der Kinoleinwand. In mal minimalistischen, mal vor Detailreichtum nur so strotzenden Handzeichnungen zeichnet dieser in über zwei Stunden die Geschichte der Prinzessin nach, die sich standhaft gegen die japanische Männerwelt zur Wehr setzt. Für seinen Zeichentrickfilm verzichtete Takahata auf jegliche Hilfe des Computers: Alle Zeichnungen sind handgefertigt und wurden mit verschiedenen Maltechniken wie Tuschzeichnung, Aquarell, Radierung oder Collage hergestellt. Eine wahre Perle für die ganze Familie, wo doch im Kino vor allem komplett am Computer animierte Filme das Angebot dominieren.

Trotz der vielseitigen und ausdrucksstarken visuellen und akustischen Umsetzung leidet The Tale of Princess Kaguya mit Verlauf nachhaltig an seiner Dramaturgie: Die langsame und liebevolle Erzählweise wirkt zu Beginn sehr erfrischend, da anders, zieht sich aber im Verlauf des Films mehr und mehr hin. Dort hätte dem Film etwas Moderne gut getan. Das Ende verwirrt dann ansehnlich, wenn die Prinzessin nach gut zwei Stunden Leidensweg ihrer Jugendliebe in die Arme fällt, um aber gleich darauf von einem Buddha-Elijah und seinen musizierenden Gefährten auf einer fliegenden Wolke abgeholt wird. Spätestens da gerät der ambitionierte Mix aus Coming-of-Age-Story, feministischen Königsmärchen und Melodrama etwas verfahren und arg kitschig. Doch sollte das niemanden davon abhalten, dieses Meisterwerk auf grosser Leinwand zu entdecken.

12.11.2014

4

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Kommentare

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holiday88

vor 3 Jahren

Ein schöner, ruhiger Film mit viel Liebe zum Detail und wunderschön gezeichnet. Die Geschichte, die soviel ich weiss, auf einem japanischen Märchen beruht, hat mir sehr gut gefallen. Ich persönlich hätte mir allerdings einen anderen Schluss gewünscht.


thomasmarkus

vor 3 Jahren

Märchenhaft schön gezeichnet!
Warum der Buddha mit leicht andrem Strich daherkommt:
Es ist wohl eine Hommage an den MangaKünstler Tezuka...


Patrick

vor 3 Jahren

Nachtrag: Nach dem Film wird man zum Mond hoch sehen und Princess Kaguya zu winken.


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