House of Gucci Kanada, Grossbritannien, USA 2021 – 158min.

Filmkritik

Paradiso. Wenn aus Liebe Hass wird.

Filmkritik: Nicole Janssen

Patrizia Reggiani (Lady Gaga) ist Büroangestellte in der Transportfirma ihres Vaters. Auf einer Maskenparty lernt sie Maurizio Gucci (Adam Driver) kennen, in den sie sich sofort verliebt. Als sie ein Kaffee trinken geht, sieht sie ihn von Weitem wieder und läuft auf ihn zu. Die beiden verabreden sich auf ein Date und gehen eine Beziehung gegen den Willen des Vaters Rudolfo (Jeremy Irons) ein: Das führt Maurizio und Patrizia nur enger zueinander – Maurizio entfernt sich von der Familie und der Marke und zieht bei Patrizia ein. Nach der Heirat versucht Patrizia Maurizio wieder an die Familie zu führen. Erfolgreich – Gemeinsam werden sie immer bedeutsamer als Teil des Unternehmens, hinsichtlich der Konzeption neuer Produkte und im Streit mit Cousin Paolo (Jared Leto).Nachdem Patrizia und Maurizio mit zutun von Onkel Aldo (Al Pacino) Paolo aus der Firma schmeissen konnten, beginnt eine Reihe an Eskapaden, Intrigen und Manipulation.



Das zunächst sehr steife Verhältnis zwischen Patrizia und Maurizio wird immer harmonischer. Was ihm zu Beginn zu viel war an Patrizia, fordert ihn jetzt und er geht in diesem Machtkampf auf. Sie bilden eine Einheit und sind sich gegenseitig die nächste Person. An Elementen wie dem Wegnehmen der Brille sieht man, dass Patrizia eine höhere Priorität für Maurizio hat als die eigene Familie. Als Paolo versucht, sich die Brille zu nehmen, zieht Maurizio den Kopf weg. Doch seine Entwicklung gefällt Patrizia auf Dauer nicht. Der einst formbare, schüchterne, junge Mann hat sie zu einem verantwortungsbewussten und für sich selbst einstehenden Herrn entwickelt. Dies wird ihr jetzt zum Verhängnis, da ihm ihre Art des Einmischens in das Familienunternehmen, seines Familienunternehmens missfällt. Im Streit macht er ihr deutlich, sie solle sich zurückziehen. Dies stört die einstige Harmonie und sorgt dafür, dass Maurizio sich immer weiter von Patrizia entfernt, bis es zur Trennung kommt.

Auch wenn Maurizios Entwicklung beeindruckend und spannend zu verfolgen ist, ist er weiterhin streitunfähig und versteht nicht den Stellenwert, den sein persönliches Auftreten Patrizia gegenüber hätte. So schickt er Angestellte, um ihr mitzuteilen, dass er die Scheidung möchte. Maurizio unterschätzt Patricia so nicht zum ersten Mal und muss nun mit ihrer Wut und dessen Konsequenzen leben. Authentische Emotionen verkörpern alle Darsteller: Die Spannung und die Last, die Maurizio durch seinen Vater entfährt, die Enttäuschung des Onkels Aldo gegenüber seinen Sohn Paolo und allen voran die tickende, stilsichere Bombe Patrizia, Inbegriff von Übermut und Aufdringlichkeit und Manipulation und eine Faszination für sich. Auch wenn der Charakter Paolo gut gespielt und durchweg nervenaufreibend ist, ist die Geschichte zwischen ihm und seinem Vater mehr als berührend, denn die beiden erkennen durch all den Verlust, was sie aneinander haben, auf ihre ganz eigene Art und Weise. Und auch das Auftauen von Maurizios Vater fügt eine schöne Nebenstory zum Hauptstrang hinzu.

Die gesamte Gefühlsdynamik spitzt sich zunehmend mit der Dauer des Films zu. Auch wenn die Gesamtlänge des Films mit 158 Minuten eher lang ist, lohnt sich der Fokus auf die Geschichte. Themen über das Business oder die Mode lässt Ridley Scott trotz der stolzen Laufzeit weitgehend ausser acht. Die Bildfärbung mit einem gelblichen Unterton versetzt einen in die 1970er-Jahre. Elemente wie das Rauchen während einer Schwangerschaft verstärken den authentischen Eindruck dieser Zeitreise. Geschmeidig eingesetzte Färbung der Szenen in schwarz-weiss wie beim Schiessen eines Pressefotos harmonieren sehr schön mit der Bildsprache und bilden eine Einheit.



30.11.2021

4

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Kommentare

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Patrick

vor einem Monat

Hervorragende Darsteller~Leistung und ein Schwungvoller Soundtrack.Bei den Darsteller wird’s sicher ein paar Oscar Nominierungen geben so wie auch bei der Kamera&Kostümen.Aber die Story gibt zu wenig her um fast 3 Stunden zu überzeugen,daher wirkts sehr langatmig 2 Stunden hätten voll kommen gereicht.Dafür gibts von Mir dennoch 3.1/2 Sterne von 5.Mehr anzeigen


thomasmarkus

vor einem Monat

Die Geschichte filmisch inszeniert, keine Doku. Von daher wehrt sich die Familie – erfolglos.
Glänzend bunte Bilder, passend zur Modewelt. Starke SchauspielerInnen.
Gefällt das Überkandidelte "Die Lady war Gaga" bei der einen, wird es zur Groteske beim andern (Cousin).
Obige Kritik: Glaub' nicht, dass die Hochzeit die Familien zusammengeführt hat.
Eindrücklich – aber zu übersehen? – das Bild der zur Hälfte gefüllten Kirche;
die Bräutigamseite gähnend leer.
Die im realen Leben dann eingebuchtete – und bis am Endt in Abrede stellende – Auftragmörderin:
Im Film gezeigt, als ob sie sich in The House of Gucci verliebt hätte; was der Schwiegervarer von Angang an durchschauen sollte. Sei dem so gewesen, gält (wie immer?) Cherchez la femme!
Stil, Design, Reichtum, Eleganz: Dazu muss mann – nicht im übertragenen Sinn – schon geboren sein.
Auf blattgoldenen Schuheinlagen...Mehr anzeigen

thomasmarkus

vor 25 Tagen

Plautus: QUI HABEAT AURO SOCCIS SUPPACTUM SOLUM


navj

vor einem Monat

„House of Gucci“ überzeugt mit seiner übertriebenen Darstellung des Lebens der Guccis. Der Film wird nicht nur durch die schauspielerischen Künste, sondern auch durch die Kleidung und Musik, ein Erlebnis im Kino. Natürlich manchmal etwas „too much/campy“ - aber dies lässt ihn von anderen biografischen Filmen abheben und hervorstechen.Mehr anzeigen


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