Elvis Australien, USA 2021 – 159min.

Filmkritik

Elvis ist tot

Filmkritik: Teresa Vena

Elvis lebt – oder doch nicht? Der australische Regisseur Baz Luhrmann versucht sich in einer Hommage an den King of Rock 'n' Roll und lässt ihn kurzzeitig in seinem Musical-Thriller-Drama wieder aufleben. Der Film fühlt sich wie eine Achterbahnfahrt der Gefühle zwischen grossen Erfolgen und noch grösseren Abstürzen an.

Während seiner letzten Stunden, mit Infusion im Arm und in die übliche Krankenhausschürze gekleidet, erinnert sich Colonel Tom Parker (Tom Hanks), der Impresario von Elvis Presley (Austin Butler), an die Anfänge der Legende des King of Rock 'n' Roll. Er blickt von seinem grauen Krankenzimmer aus auf die glitzernden Lichter der Casino-Hotels von Las Vegas herunter, in denen er einst verkehrte, das nötige Kleingeld in der Hand. Er will den Vorwurf entkräften, der besagt, dass er für den Zerfall und schliesslich den Tod von Elvis verantwortlich gewesen sei. So richtig wird es ihm Laufe des Films allerdings nicht gelingen. Als der Colonel Elvis bei einem seiner ersten öffentlichen Auftritte entdeckt, wird ihm dessen Potential klar, und er nimmt ihn unter seine Fittiche.

Es folgen Konzerte vor immer grösserem Publikum, sogar welche im Fernsehen. Die Mischung aus Rock 'n' Roll-Musik und hemmungslosem Hüftschwung lässt zwar die Frauen dahinschmelzen, ist aber den Autoritäten und «Wächtern von Moral und Sittlichkeit» der konservativen USA der frühen 1950er Jahre ein Dorn im Auge. Es folgt Elvis' Militärdienst in Deutschland, eine beachtliche Karriere als Schauspieler in Liebesschnulzen und ein musikalisches Comeback Ende der 1960er Jahre, das gleichzeitig seinen körperlichen Niedergang, geprägt von massiver Drogensucht und psychischer Belastung, einläutet.

Das alles erzählt der australische Regisseur Baz Luhrmann, bekannt für seine ausladend epischen Filme («Romeo+Juliet», «Moulin Rouge» oder «Australia»), in denen Musik immer eine mehr oder weniger dominante Rolle spielt, in einem schwindelerregenden Tempo: Schnelle Schnitte, poppige pastellfarbene Schriften, eine lückenlose musikalische Begleitung und dazu eine manierierte Bildfindung produzieren eine Überfülle an Hochglanz-Bildern. Letztere bedient sich dynamischer Kamerafahrten, comicartiger Animationen und der wiederholten Anwendung der Splitscreen-Technik, bei der die Leinwand in verschiedene Fragmente aufgeteilt wird, die jeweils verschiedene Szenen gleichzeitig zeigen. Es glitzert und funkelt von allen Seiten. Das ist eine gelungene Ablenkung von der Tatsache, dass es dem Film inhaltlich an Substanz fehlt.

Als vollwertige Filmbiographie kann «Elvis» leider aufgrund verschiedener biografischer, aber auch historischer Ungenauigkeiten und tendenziöser Interpretationen nicht gelten. Das lässt sich besonders auf die Tatsache anwenden, dass Luhrmann Elvis auf penetrante Art als Erben der afroamerikanischen Musik inszeniert. Auch die Darstellung der Beziehung zwischen Elvis und seiner Frau Priscilla irritiert ob ihrer Oberflächlichkeit. Der Film zelebriert aber auch nicht etwa die Musik des Sängers, denn diese kommt eindeutig zu kurz: Nur knapp eine Handvoll Stücke werden angespielt, und wenn, dann nicht länger als über ein paar markante Zeilen hinaus.

Bei «Elvis» handelt es sich stattdessen vielmehr um ein tragisches Drama, das aus einer Verschwörungsgeschichte konstruiert ist. Dabei wird der Colonel, was mehr oder weniger konsequent eingehalten wird, aber an sich durchaus originell ausgedacht ist, der eigentliche Protagonist und nicht Elvis selbst. Das ist insofern schade, als Austin Butler als Elvis zumindest teilweise durchaus eine gute Figur gibt, wenn er Elvis' Hüftschwung oder seinen typischen Südstaatensprachduktus imitiert. In den emotionaleren Szenen allerdings wirkt er eher hölzern.

Was Luhrmann hier präsentiert, ist gewissermassen ein Kuriosum, denn für «alte» Elvis-Fans ist der Film nicht geeignet, und ob er neue hervorbringen wird, bleibt eher unsicher. Die Mischung aus Hommage, die der Regisseur mit dem Einfügen einiger Originalaufnahmen des echten Elvis am Ende legitimieren möchte, fantastischer Parabel über Ruhm und Melodrama unterhält zweifelsohne, selbst über die stolze Dauer von 159 Minuten hinweg, hinterlässt aber keinen nachhaltigen Eindruck.

14.06.2022

3

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Kommentare

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as1960

vor einem Tag

Spektakuläre Kamerafahrten und toller Sound machen aus den Musik-Einlagen die Höhepunkte von "Elvis". Daneben glänzt Tom Hanks als manipulativer Manager. Die Story ist fast naturgemäss nicht sehr speziell, und über die Faktentreue kann ich mir kein Urteil erlauben. Aber man spürt immerhin, dass Elvis ein getriebener, schlussendlich einsamer Mensch war.. So habe ich mich gut unterhalten gefühlt.Mehr anzeigen

Zuletzt geändert vor einem Tag


Patrick

vor 2 Tagen

Schnelle und hektische Schnitte sowie wird’s pompös und auf Hochglanz verfilmt.Der Darsteller~Cast spielt famos da könnte es ein paar Oscars Nominierungen durchaus geben.Diese Elvis Version kommt als Filmmix von den Filmen:Die Roy Black Story und Rocketman daher.Fazit.Diese Version ist sehr packend aber manchmal zu hektisch verfilmt,tüpisch Baz Luhmann eben.Noch zu erwähnen finde ich das die Morde von: Martin Luther King und J.F.K. in die Story Orginell eingebettet werden.Mehr anzeigen

Zuletzt geändert vor 2 Tagen


Filmenthusiast

vor 5 Tagen

Die erste Hälfte ist sehr schön mit all den tollen Liedern und dem Elan des jungen Elvis. Die zweite Hälfte ist düster, zunehmen erdrückend, ein Tod auf Raten: Manager, Arzt und Vater sind für die Tonne. Der Film wird hauptsächlich aus der Perspektive des Managers erzählt, was Schwere hinzufügt, weil man diesen Manager schon bald nicht mehr leiden kann, da er sprichwörtlich das Leben aus Elivs quetscht und seine Träume sabotiert.

Den symphatischen Austin Butler, welcher Elvis spielt, kennt man auch aus der Verfilmung von 'The Shannara Chronicles'.Mehr anzeigen

Zuletzt geändert vor 3 Tagen


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