Marriage Story USA 2019 – 137min.

Filmkritik

Szenen einer Scheidung

Gaby Tscharner
Filmkritik: Gaby Tscharner

Schauspielerische Höchstleistungen von Adam Driver und Scarlett Johansson in dieser Charakterstudie über eine Beziehung, die nicht gerettet werden kann.

Charlie (Adam Driver) und Nicole Barber (Scarlett Johansson) sind ein verheiratetes Ehepaar, Eltern des 8-jährigen Henry (Azhy Robertson) sowie Regisseur und Schauspielerin, das jedoch nicht unbedingt in dieser Reihenfolge. Sie haben sich in New York mit ihrer eigenen Avantgarde-Theatertruppe ein gemeinsames Leben und eine Karriere aufgebaut, für die aber vor allem Charlie die Lorbeeren erntet. Nicole will zurück nach L.A., wo sie als junge Schauspielerin Erfolg hatte. Ein Umzug, den ihre Ehe nicht überlebt.

Im Zeitalter des conscious uncoupling, dem sich bewusst voneinander abkoppeln, wie Gwyneth Paltrow und Chris Martin ihre Trennung vor ein paar Jahren nannten, wirkt ein Film über eine junge Frau, die für ihren kontrollierenden Ehemann ihre Karriere aufgibt, eher antiquiert. Als Künstler sind Charlie und Nicole mutig, modern und progressiv, aber zu Hause leben sie wie in einer Sitcom aus den 50er-Jahren. Sie ist die liebevolle Mutter, die sich fürsorglich um ihren Sohn kümmert und ihrem Ehemann alle ihre guten Ideen zuspielt, ohne dafür Dank oder Ruhm einzustecken.

Obwohl Nicoles ganzes Leben, ihre Familie und ihre Karriere in Los Angeles sind, lebt das Paar in New York, weil Charlie dort Theater inszenieren will. Ohne Rücksicht auf die Bedürfnisse seiner Frau schlägt er Offerten aus, an der Westküste zu arbeiten, weil ihn das Leben in Hollywood nicht reizt. Wahrscheinlich fühlt er sich von Nicoles Erfolg auch etwas bedroht. Als sie eine Hauptrolle in einer TV-Serie angeboten bekommt, macht Charlie, vor laufender Bildröhre sitzend, die abfällige Bemerkung: „Ich schau nie fern.“

Ist die Beziehung in Marriage Story eine zeitgemässe Ehe, wie sie von Millennials heute gelebt wird? Wer weiss. Vielleicht verarbeitet Autor und Regisseur Noah Baumbach einmal mehr die Scheidung seiner Eltern wie in The Squid and the Whale oder gar seine eigene von der Schauspielerin Jennifer Jason Leigh vor ein paar Jahren. Gefühle sind jedoch zeitlos. Genauso wie Mütter, die sich in ihrer Rolle als Beschützerin von Kindern und Ehemännern verlieren und Männer, die nicht realisieren, dass der Partner an ihrer Seite leidet.

Der Film lebt von den superben schauspielerischen Leistungen seiner Darsteller. Alan Alda spielt einen gutmütigen Vaterersatz von einem Anwalt, der Charlie zweifelhaften Rat gibt und darauf prompt durch ein kaltblütiges Schlitzohr (Ray Liotta) ersetzt wird. Beide liefern sich einen unerbittlichen Kampf mit Nicoles Powerfrau von einer Verteidigerin (Laura Dern) und sorgen für grossartiges Kino. Adam Driver und Scarlett Johansson ziehen alle Register, sind einmal verletzlich und ein andermal verletzend, und das oft in ein- und derselben Szene. Vielleicht hat Marriage Story nur wenig mit einer modernen Partnerschaft zu tun, aber wenn Charlie am Ende des Films in einer Bar eine herzzerreissende Version von „Being Alive“ aus dem Musical «Company» singt, ist einem das egal.

06.01.2020

3.5

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Kommentare

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as1960

vor 8 Monaten

Eigentlich ist der Titel "Marriage Story" irreführend. Schliesslich steigt der Film erst ein, als die Scheidung schon läuft. Schonungslos, und gerade deshalb auch berührend zeigt der Film, dass Liebe nicht immer genügt für eine erfolgreiche Partnerschaft. Scarlett Johansson kann nach diversen Abenteuer-Filmen endlich wieder rmal zeigen was für eine feinfühlige Darstellerin sie ist, und Adam Driver steht ihr nichts nach. Vieles wird gesagt in dem es nicht gesagt wird. Natürlich drängt sich der Vergleich mit "Kramer gegen Kramer" auf, aber das ist nur ein weiteres Kompliment für diesen Streifen.Mehr anzeigen


El_Ramon

vor 9 Monaten

Überagende schauspielerische Leistungen in sämtlichen Haupt und Nebenrollen, machen den Film sehenswert.


nick74

vor 9 Monaten

gut gemacht, sehenswert


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