The First Purge USA 2018 – 112min.

The First Purge

Filmkritik

Experiment auf Leben und Tod

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Im vierten Teil der verhältnismässig kostengünstig produzierten, aber erstaunlich einträglichen Purge-Reihe wagt Schöpfer James DeMonaco einen Blick zurück, um die Einführung des titelgebenden, vom Staat verordneten Gewaltrausches zu illustrieren. Obwohl das Prequel einige neue Ideen aus dem Hut zaubert, bleibt vieles beim Alten, was dem wild eskalierenden Geschehen zu oft den Schrecken nimmt.

Basierend auf den Theorien der Wissenschaftlerin Dr. Updale (in einer blassen Rolle gefangen: Marisa Tomei) stampft die regierende NFFA in einem Amerika der nahen Zukunft ein brisantes Experiment aus dem Boden: In einer Nacht sollen für zwölf Stunden alle Verbrechen erlaubt sein, damit die Bürger – so die offizielle Ansage – ihre aufgestauten Aggressionen loswerden können und die Kriminalitätsrate für den Rest des Jahres auf ein Minimum zusammenschrumpft. Getestet wird das von höchster Stelle abgesegnete Wüten im New Yorker Stadtteil Staten Island, dessen Einwohner grosszügig entlohnt werden, wenn sie an dem Probelauf teilnehmen. Geld, das der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Teenager Isaiah (Joivan Wade) gut gebrauchen kann, während seine grosse Schwester Nya (Lex Scott Davis) entschlossen gegen die Pläne der NFFA demonstriert. Auch der lokale Drogenboss Dmitri (Y’lan Noel) steht der Säuberungsnacht kritisch gegenüber, sieht sich irgendwann jedoch zum Eingreifen gezwungen.

Teil zwei und drei der von DeMonaco erdachten düsteren Zukunftsvision machten bereits deutlich, dass die sogenannte Purge nicht nur dazu dienen soll, die Wut der Menschen zu kanalisieren. Ziel des gesetzlosen Treibens ist es auch, die unteren Gesellschaftsschichten auszudünnen und den Staat auf diese Weise von grösseren Lasten zu befreien. Das Prequel, bei dem mit Gerard McMurray (Burning Sands) erstmals ein anderer Filmemacher auf dem Regiestuhl Platz nahm, führt die grob gestrickten politischen Gedankenspiele der Vorgängerfilme weiter aus, stellt fast durchweg afroamerikanische Figuren in den Mittelpunkt und gewährt dem Zuschauer mehrfach Einblick in die Schaltzentrale der NFFA, wo der Stabschef der Partei (Patch Darragh) und Dr. Updale den Verlauf des Experiments auf zahlreichen Monitoren überwachen. Ein nicht zuletzt optisch interessanter Einfall sind die an alle Purge-Teilnehmer ausgegebenen Kontaktlinsen mit eingebauten Kameras, die es den staatlichen Vertretern erlauben, jede Aktion nachzuvollziehen.

Konzeptionell vertraut das erneut nach einem Drehbuch von DeMonaco entstandene vierte Kapitel der Horror-Action-Reihe auf altbekannte Muster. Als Zuschauer begleitet man diverse Personen durch die unheilvolle Nacht. Ständig tauchen grotesk kostümierte Gestalten auf. Und immer wieder kommt es in den düsteren Strassen zu bleihaltigen Schiessereien. Auch wenn McMurray hier und da einen gelungenen Schockakzent setzen kann, hält sich das Verstörungspotenzial in Grenzen, zumal The First Purge im letzten Drittel endgültig zu einer selbstgefälligen, den amerikanischen Waffenfetischismus anpreisenden Ballerorgie mit lächerlichen Dialogen und dürftigen Spezialeffekten verkommt.

06.07.2018

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Kommentare

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Patrick

vor 4 Tagen

Wird man einmal von der Purge Film Reihe gepackt kan man sich schwer davon entziehen auch dieses mal ein Krankhafter und Cooler Filmspass untermalt mit einem fetzigem Soundtrack.Die Vorgeschichte kommt Blutiger als die Nachgänger/Vorgänger Filme daher.Und es hat sich noch lange nicht aus gepurget,den es kommt eine 10 Teilige TV-Serie ins Fernseh und es wird eine Fortsetzung zu Part.3 ins Kino kommen,also auf der Kinoleinwand und im TV.wird weiter gepurget.


muri

vor 13 Tagen

überflüssig und hoffentlich nun auch das Ende der Reihe.


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