Ready Player One USA 2018 – 140min.

Ready Player One

Filmkritik

Im virtuellen Rausch

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Dass Steven Spielberg die Adaption des stark nostalgisch gefärbten, zitatreichen Romans „Ready Player One“ übernahm, passt wie die Faust aufs Auge. Immerhin prägte der Regisseur von Indiana Jones – Jäger des verlorenen Schatzes und E.T. – Der Außerirdische das Hollywood-Kino der achtziger Jahre auf entscheidende Weise. Eine Zeit, vor der sich Schriftsteller Ernest Cline in seinem 2011 veröffentlichten Science-Fiction-Bestseller mit großer Freude verbeugt.

Im Jahr 2045 ist die Erde zu einem vermüllten, wenig einladenden Ort verkommen. Viele Menschen leben in Armut, hausen in hoch aufschießenden Wohnwagengebilden und flüchten, so oft es geht, aus ihrem tristen Dasein in die virtuelle Welt OASIS, wo ihren Avataren alle Möglichkeiten offen stehen. Auch der Teenager Wade (Tye Sheridan) taucht in Gestalt seiner Zweitidentität Parzival regelmäßig in das künstliche Paralleluniversum ein und setzt alles daran, das Easter Egg zu finden, das der verstorbene OASIS-Entwickler Halliday (etwas klischiert als exzentrischer Tüftler: Mark Rylance) in seiner Schöpfung versteckt hat. Da der Sieger des Wettstreits die vollständige Kontrolle über den OASIS-Kosmos erhält, interessiert sich nicht zuletzt der skrupellose Konzernchef Sorrento (überzeugend: Ben Mendelsohn) für die fieberhafte Suche. Wade will dessen Erfolg verhindern und schließt sich mit der rebellischen Samantha alias Art3mis (Olivia Cooke) und einigen anderen Playern zusammen.

Für Freunde popkultureller Spielereien ist die Romanverfilmung eine wahre Goldgrube. Wie es die Buchvorlage vorgibt, entrollt Spielberg einen nicht enden wollenden Teppich an Zitaten, dem unter anderem die Themen „Film“, „Musik“ und „Videogames“ eingeschrieben sind. Um die Flut an nostalgischen Verweisen auch nur ansatzweise erfassen zu können, braucht es mehr als eine Sichtung. Und doch stechen manche Reverenzen prominent hervor. Beispielhaft ist eine Verbeugung vor Stanley Kubricks Horrormeisterwerk The Shining, in dessen ikonisches Setting die Protagonisten im OASIS-Bereich vordringen. Spannend ist diese Passage nicht nur, weil man sich als Zuschauer mitten in den genreprägenden Schocker hineingeworfen fühlt. Zugleich verknüpft das Drehbuch die Sequenz auch mit einer wichtigen Handlungsfrage und gibt der Anleihe so eine größere Bedeutung.

Obwohl sich Ready Player One besonders an Achtziger-Jahre-Enthusiasten richtet, verkommt der technisch bestechende, immer wieder spektakuläre Science-Fiction-Blockbuster nicht zu einem faden Zitatfeuerwerk. Die zwischen der Realität und der Computerwelt hin- und herspringende Geschichte ist flott und wendungsreich erzählt und wird getragen von sympathischen Figuren. Eine allzu komplexe Charakterzeichnung sollte man nicht erwarten. Ebenso wenig tiefgründige Überlegungen zu den Gefahren des virtuellen Raumes. Als temporeiche, visuell beeindruckende Abenteuersause macht Spielbergs Adaption aber durchgehend Spaß und dürfte auch all jene unterhalten, die sich nicht so sehr für die zahlreichen Verweise begeistern können.



29.03.2018

4

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Kommentare

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Mumie

vor 2 Monaten

Ein OK Actionfilm mit tollen Effekten und einer Liebesszene.
Leider wurden im Vergleich zum Buch praktisch alle Sciene Fiction Elemente rausgestrichen. Der Film ist so weder gesellschaftskritisch, noch hinterfragt er Online Identitäten (mit ihrem möglichen Überraschungen) usw. Es wurde die ganze Story Disneymässig weichgezeichnet. So ist der Bösewichtig nicht wirklich böse, die starken Frauencharaktere im Buch wurden zu einer Prinzessin die gerettet werden muss.
=> Wer auf SciFi steht liest das Buch, wer Action und tolle gerenderte Bilder mag, schaut den Film.Mehr anzeigen


Legend72

vor 2 Monaten

Visuell der beste Film seit langem.


as1960

vor 2 Monaten

Spielberg's "Ready Player One" erzählt von einer Zukunft, in welche die Menschen möglichst viel Zeit in einer virtuellen Welt verbringen, um dort Schnitzeljagd-mässig 3 Schlüssel zu finden. Das Ganze ist optisch/teschnich sehr gelungen, sonst aber doch etwas brav. Ganz nette Jungs und Mädels treteten gegen ganz, ganz böse Menschen an. Sehr kindgerecht, erinnert mich etwas an Disney, aber zu banal um wirklich zu fesseln.


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