Maria Stuart, Königin von Schottland Grossbritannien 2018 – 124min.

Maria Stuart, Königin von Schottland

Filmkritik

Duell der Königinnen

Gaby Tscharner
Filmkritik: Gaby Tscharner

Einen gekonnten Sparring-Match zwischen den Schauspielerinnen Saoirse Ronan und Margot Robbie als rivalisierende Königinnen bekommt manin dieser etwas zu kreativ geratenen feministischen Sicht auf die politischen Ereignisse des 16. Jahrhunderts zu sehen.

Als 18-Jährige wird Mary Stuart (Saoirse Ronan), verheiratet mit dem französischen König Franz II, Witwe und reist zurück in ihre Heimat Schottland, um ihr Recht auf den Thron zurückzufordern. Dort spaltet aber die Reformation das Land, und ihr protestantischer Halbbruder James (James McArdle) verteidigt Schottland gegen die englische Königin Elizabeth I (Margot Robbie). In einer von Männern dominierten Welt spüren sich die beiden Königinnen und Cousinen zwar emotional verbunden, sie sind aber Rivalinnen, wenn es um Macht und Liebe geht.

Maria Stuart, Königin von Schottland ist eine feministische Sicht auf einen von starken Frauen geprägten Teil europäischer Geschichte. Im Erstlingsfilm der Regisseurin Jodie Rourke setzen die beiden königlichen Cousinen die Sicherung der Thronfolge vor die Liebe. "Ich bin mehr Mann als Frau, der Thron hat mich dazu gemacht", beklagt sich Elizabeth, die sich ständig gegen die Intrigen ihrer Berater Sir William Cecil (Guy Pearce) und John Knox (David Tennant) behaupten muss. Um Marys Avancen auf den Thron abzuweisen, offeriert ihr Elizabeth sogar ihren eigenen Liebhaber, Robert Dudley (Joe Alwyn). Doch Mary erkennt die Intrige und findet selber ihren zweiten Ehemann Lord Darnley (Jack Lowden), der sich ihr zunächst als äusserst selbstloser Liebhaber präsentiert, sich aber im Laufe der Ehe als homosexuell herausstellt.

In diesem feministischen Königinnenfilm leben die Matriarchen in kulturell diversen Königshäusern, mit Mitgliedern und engsten Freunden aus aller Welt und mit einer Vielfalt sexueller Orientierungen. Während eine ethnische Vielfalt in der Besetzung generell eine gute Idee ist, ergibt sie in einem historischen Drama wie diesem keinen Sinn. Überliefert ist, dass Elizabeths Botschafter Lord Randolph, gespielt vom schwarzen Schauspieler Adrian Lester, und ihre Hofdame Bess of Hardwick, gespielt von der Asiatin Gemma Chan, weisse Haut hatten. Und Lord Darnley hatte keine Affäre mit Marys schwulem oder transsexuellem Freund Rizzio, er war ein Frauenheld, der von der Königin in ihren eigenen Worten als Lüstling bezeichnet wurde. Und die beste Szene des Films, in der sich die Rivalinnen endlich begegnen, hat in Tat und Wahrheit gar nie stattgefunden.

Die Frage ist nun, wie viel dramaturgische Freiheit das Kinopublikum in einem Historienfilm toleriert. Eine ganze Menge, scheint es. Mel Gibsons Braveheart ist voll von historischen Ungenauigkeiten, wie zum Beispiel seinem Kilt, der erst 300 Jahre später erfunden wurde, und der römische Kaiser Markus Aurelius starb an Windpocken und wurde nicht von seinem Sohn ermordet, wie uns im Film Gladiator weisgemacht wird. Trotzdem haben diese beiden Streifen einen Oscar für den besten Film gewonnen. Maria Stuart, Königin von Schottland steht also nichts im Weg, denn die Lust auf starke Frauen, die Geschichte geschrieben haben, ist gross – und wer weiss, ob Lord Darnley nicht doch eine schwule Ader gehabt hat, hätten mehr Historikerinnen anstelle von Historikern die Fakten überliefert.

14.01.2019

4

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Kommentare

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Karen

vor 9 Monaten

Ich habe irgendwann nur noch gelacht und mir auf die Schenkel geklopft. Ich wollte eigentlich einen Historienfilm sehen. Es fehlte nur noch der Vietnam-Veteran, dann wären fast alle bedient gewesen. Schade, aufgrund der unfreiwilligen Komik konnte ich die schönen Landschaftsaufnahmen und Kostümideen nicht gnießen.
Bin gespannt, wie man in Genderzeiten zukünftig mit Historienfilmen umgeht. Eine leichte Ahnung habe ich jetzt.Mehr anzeigen


elelcoolr

vor 9 Monaten

Der Film und die Schauspieler sind gut. Allerdings ist er nicht wahrheitsgetreu, was einen faden Nachgeschmack hinterlässt. Diese Ära wäre ja gut dokumentiert. Ich finde die zwanghafte Diversität sehr anstrengend. Ich bezweifle, dass es damals in Grossbritannien schwarze Lords und asiatische Zofen gegeben hatte.Mehr anzeigen


navj

vor 9 Monaten

„Maria Stuart, Königin von Schottland“ ist der grossartig gespielte Machtkampf zwischen Maria Stuart (Saorise Ronan) und Königin Elisabeth I (Margot Robbie), der besonders spannend ist, wenn Regisseurin Josie Rourke nebst dem politischen Drumherum, die Persönlichkeiten der Hauptfiguren in den Fokus rückt. Der Film ist mitreissend und bis zur kleinsten Rolle hervorragend besetzt.Mehr anzeigen

Zuletzt geändert vor 9 Monaten


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