Isle of Dogs USA 2018 – 101min.

Isle of Dogs

Filmkritik

Von Hunden und Menschen

Cornelis Hähnel
Filmkritik: Cornelis Hähnel

Es ist wieder so weit, in Berlin haben die 68. Internationalen Filmfestspiele begonnen und in der deutschen Hauptstadt dreht sich in den nächsten Tagen alles rund um das Thema Kino. Der diesjährige Wettbewerb, in dem 19 Filme aus der ganzen Welt um den Goldenen Bären für den Besten Film konkurrieren, beginnt tierisch gut, denn mit dem Eröffnungsfilm Isle of Dogs – Ataris Reise schickt Regisseur Wes Anderson seine Hunde auf die Bärenjagd.

Ein fiktives Japan, in naher Zukunft. Nach dem Ausbruch der Hundegrippe werden alle Hunde vom korrupten Bürgermeister Kobayashi nach Trash Island, einer riesigen Mülldeponie mitten im Meer, verbannt. Doch Atari, der 12-jährige Pflegesohn von Kobayashi, ist entschlossen, seinen Hund Spots zurückzuholen. Auf eigene Faust macht er sich auf die Suche nach seinem vierbeinigen Freund und erhält dabei Unterstützung von einem Rudel Alphatiere. Doch während die Truppe Spots auf der Fährte ist, arbeitet Kobayashi an der endgültigen Vernichtung aller Hunde. Und so beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit...

Erst vor vier Jahren eröffnete Wes Anderson mit Grand Budapest Hotel die Berlinale, nun wird ihm mit dem Animationsfilm Isle of Dogs – Ataris Reise erneut diese Ehre zuteil. Bereits mit Der fantastische Mr. Fox hatte Anderson eine fantasievolle Stop-Motion-Welt präsentiert und auch sein neuer Wurf folgt diesem Ansatz, auch wenn sie diesmal deutlich mehr von einer japanischen Ästhetik geprägt ist. Und diese Welt ist bis ins kleinste Detail liebevoll animiert, egal ob Wolken aus Watte oder Wasser aus Cellophanfolie, hier werden vertraute Materialien mit anachronistischem Charme zu cineastischen Kulissen.

Doch bei all der schönen Oberfläche stellt sich natürlich die Frage, ob ein Animationsfilm die richtige Wahl als Eröffnungsfilm für die Berlinale ist – schließlich präsentiert sich das Festival stets als wichtiges Forum für das politische Kino. Aber Isle of Dogs – Ataris Reise ist kein belangloser Unterhaltungsfilm, vielmehr lässt er sich als Fabel auf den aktuellen politischen Status Quo lesen. Denn Andersons Tierfilm erzählt im Subtext von menschlicher Machterhaltung und Diskriminierung, von Populismus und Vorurteilen. Hier spiegelt sich der Siegeszug der neuen Rechten wider, die mit dem Generalisieren und Pauschalisieren ganzer Volksgruppen strategische Hetze betreibt und mit dem vorsätzlichen Verbreiten von falschen Informationen Angst schürt, nur um eigene Interessen durchzusetzen. Manchmal braucht es eben nur ein Rudel herrenloser Hunde, um zu schauen, wie es momentan um die Welt gestellt ist. Und insofern ist dieser Animationsfilm definitiv die richtige Wahl, ein so politisches Festival wie die Berlinale unterhaltsam und zugleich klug zu eröffnen.

09.05.2018

4

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Kommentare

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Patrick

vor 2 Monaten

Ein abgedroschenerer und Skurriler Filmspass verfeinert mit einem noch abgedroschenem Soundtrack.Dafür gibts von mir 3.1/2 Hunde~Pfoten von 5.


freigut

vor 4 Monaten

Echt innovativ, rotzfrech, schnell, lustig, spannend – und manchmal etwas unappetitlich. Endlich wieder einmal etwas Neuartiges in der Welt des Kinos! Allerdings: Für das, dass der Film in Japan spielt, ist das Verhalten der Akteure dann doch etwas gar unjapanisch bzw. zu amerikanisch. Aber das tut der Qualität des Films keinen Abbruch.Mehr anzeigen


Daylight

vor 5 Monaten

Toll gemacht, toll erzählt. Unbedingt hingehen.


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