Crazy Rich Asians USA 2018 – 121min.

Crazy Rich

Filmkritik

Die spinnen, die Reichen

Gaby Tscharner
Filmkritik: Gaby Tscharner

Crazy Rich, seit 25 Jahren der erste Hollywood Streifen mit einer vorwiegend asiatischen Besetzung, ist eine gelungene romantische Komödie, die zeigt, dass egal ob reich oder arm, ob aus Singapur, Hollywood oder Zürich, die Probleme der Menschen überall die gleichen sind.

Rachel (Constance Wu) ist eine erfolgreiche Uni-Professorin in New York, die der Einladung ihres Boyfriends Nick (Henry Golding) folgt, ihn zur Hochzeit seines besten Freundes in Singapur zu begleiten. Auf dem Weg in die asiatische Metropole stellt Rachel fest, dass Nick nicht nur aus einer der reichsten Familien des Landes kommt, er ist auch einer seiner begehrtesten Junggesellen. Das macht Rachel zur Zielscheibe: Nicht nur für die heiratsfähigen Töchter Singapurs, sondern auch für seine Mutter (Michelle Yeoh), die die Frauenwahl ihres Sohnes gar nicht schätzt.

Während der Film Crazy Rich Asians in den USA als Leistung ethnischer Gleichstellung gefeiert wird, wird in der Schweiz das Wort «Asians» weggelassen. Über den Grund dafür kann nur spekuliert werden, Tatsache ist aber, dass dem Regisseur Jon M. Chu (Step Up 3, Justin Bieber: Never Say Never) eine gute romantische Komödie gelungen ist, die von allen Kulturen verstanden wird. Rachels Probleme mit ihrer potentiellen Schwiegermutter sind zwar in der chinesischen Kultur verwurzelt. „Ihr Amerikaner mit eurem Wunsch nach Selbstverwirklichung“, seufzt Nicks Mutter häufig, was natürlich nicht als Kompliment gemeint ist. In ihrer Kultur geht das Gemeinwohl dem des Individuums vor. Aber: Spannungen zwischen Frauen und ihren Schwiegermüttern sind ein universelles Phänomen.

In vielen romantischen Komödien ist die beste Freundin eine undankbare Rolle. In diesem Film wird sie jedoch durch die Rapperin Awkwafina zu einer Kunstform erhoben. Als Rachels frühere Freundin aus dem College namens Goh Peik Lin, mit blonder Perücke, Designer-Seidenpyjamas und den flottesten Sprüchen, stiehlt sie in jeder Szene, in der sie auftaucht, die Show. Im Gegensatz zu Nick, dessen Familie seit Generationen zu Singapurs High-Society gehört, sind die Gohs neureich. Auf der Tour durchs Haus prahlt die Mutter, dass ihr Wohnzimmer nach dem Vorbild des Spiegelsaals von Versailles gefertigt wurde. „Und nach der Toilette von Donald Trump“, fügt Peik Lin hinzu. Als eine Art moderne gute Fee sorgt sie für Rachels Wohl in Singapur.

Zwar hinterfragt Crazy Rich den obszönen Wohlstand der Chinesen in Singapur nie, und der schwule Cousin Kerry (Nico Santos) hätte in einem Land, wo Homosexualität noch ein Verbrechen ist, sicher wenig zu Lachen. Vielleicht sind das aber Themen für einen anderen Film. Crazy Rich ist eine zeitgenössische Cinderella-Story mit gutaussehenden Hauptdarstellern, exotischen Schauplätzen und universellen Themen, die das Publikum oft lachen, manchmal weinen und immer gut unterhalten lassen. Was will man mehr?

29.08.2018

4

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Kommentare

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as1960

vor einem Monat

Süss wie "Pretty Woman", dekadent wie "The Great Gatsby" und belanglos wie viele Hollywood-Romantik-Komödien. Knallig-bunt weiss "Crazy Rich Asians" zwar zu unterhalten, für mich aber dennoch etwas schleierhaft, weshalb der Streifen v.a. in den Staaten so erfolgreich ist.

Zuletzt geändert vor einem Monat


chewbaca

vor 2 Monaten

Super Film, das die Dekadenz der super Reichen zeigt. Erfrischend die Schauspieler, nicht das altgebackende Hollywood.


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