Can You Ever Forgive Me? USA 2018 – 107min.

Can You Ever Forgive Me?

Filmkritik

Ein glanzvoller Abstieg

Irina Blum
Filmkritik: Irina Blum

Es scheint ein wenig paradox, dass Melissa McCarthy, ihres Zeichens beinahe Dauergast in Hochglanz-Komödien (unter anderem: Brautalarm, «Gilmore Girls») die Rolle einer zynischen, unscheinbaren und gefallenen Frau braucht, um ihr Talent zum Strahlen zu bringen: Im auf wahren Begebenheiten basierenden Drama spielt sie die Rolle der Promi-Biographin Lee Israel, die in den 90er-Jahren aus einer Not heraus hunderte von Briefen von verstorbenen Schauspielern und Schriftstellern fälschte.

Die Schriftstellerin Lee Israel (Melissa McCarthy) hat sich im New York der 70er- und 80er-Jahre als Promi-Biographin durchgeschlagen. Doch irgendwann will ihre Agentin nichts mehr von ihr wissen – und ihrer Halbberühmtheit nicht wirklich zuträglich ist, dass die unscheinbare Katzenliebhaberin sich weder gut verkaufen kann, noch mit ihrer ruppigen Art bei Mitmenschen gut ankommt. Als ihr Geld nicht einmal mehr für die Miete und Medikamente für die Katze reicht, macht die Not sie erfinderisch: Sie fälscht kurzerhand Briefe von verstorbenen Hollywood-Stars und gefeierten Schriftstellern und verkauft diese an Kunsthändler weiter, die von den (von ihr erfundenen) Formulierungen ziemlich aus dem Häuschen sind.

Ziemlich zu Beginn des Films wird für den Zuschauer anhand einer Szene klar, um welche Persönlichkeit es sich bei Lee Isreal handelt: Die Schriftstellerin ist von ihrer Agentin zu einer Party eingeladen – verlässt die edle Veranstaltung aber kurz nach ihrer Ankunft wieder, jedoch nicht, bevor sie nicht die Gäste vor den Kopf gestossen, einen Drink gekippt und einen edlen Mantel von der Garderobe geklaut hat. Zu Hause angekommen, packt sie Shrimps aus, die sie zuvor an der Party hat mitgehen lassen und nun grosszügig an ihre Katze verfüttert. Es zeigt sich das Bild einer einsamen, ihre Sorgen in Alkohol ertränkenden Frau, die – zwar nicht gänzlich uninteressant – farblos und ungepflegt daherkommt. Nicht wirklich eine Rolle, bei dem einem als erstes Melissa McCarthy als passende Besetzung in den Sinn kommen würde – aber die 48-Jährige macht sich überraschend gut als gefallene Schriftstellerin, die ihrer Katze weitaus mehr vertraut als ihren Mitmenschen. Mit viel Feingefühl, Ironie und dem Gespür für das richtige Timing schafft sie es, dass ihre Figur trotz aller Marotten erstaunlich menschlich daherkommt – obwohl diese nicht wirklich viel für menschliche Wesen übrig hat.

Die einzige lebende Person, die Lee in ihr Leben lässt, ist der notorische Schwindler und Lebenskünstler Jack (Richard E. Grant), der sie zum Schluss hin auch bei ihren illegalen Machenschaften unterstützt. Der Film fokussiert dabei die meiste Zeit auf diese beiden Persönlichkeiten, die alle beide täglich mit Alkohol ihre Sorgen herunterspülen. Melancholische Zwischentöne dominieren diese auf den Memoiren der echten Lee Israel basierende Adaption, obwohl die Chemie zwischen McCarthy und Grant auch häufig für Lacher sorgt – manchmal eher unfreiwillig. Wenn das Duo Lee Israels Wohnung aufräumt, damit der Kammerjäger das stinkende Loch überhaupt betritt, kann es auch passieren, dass einem das Lachen mittendrin im Hals stecken bleibt. Obwohl oder vielleicht gerade, weil Lees Lage über weite Teile sehr aussichtslos dargestellt wird, ist Can You Ever Forgive Me für ein Biopic überraschend anders, authentisch und nichtsdestotrotz hoffnungsvoll. McCarthy zeigt als begabte, aber gescheiterte Schriftstellerin, dass man auch ungeschminkt und unscheinbar glänzen kann: Vielleicht hat es genau das gebraucht, um ihr Talent richtig zum Vorschein zu bringen.

11.02.2019

4

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Kommentare

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Patrick

vor 8 Monaten

Das Zusammenspiel von Melissa McCarthy&Richard E.Grant ist einfach Goldig und daher sind die Beiden zu recht für den Oscar.2019 nominiert.Die Story wird pfiffig&leichtfüssig erzählt Untermalt mit einem angenehmen Soundtrack.Melissa McCarthy ist wie schon Jennifer Garner gleich zeitig für den Oscar(Beste Darstellerin) und die Goldene Himbeere nominiert(der Preis für schlechte Darsteller/innen) in diesem Fall für die Filme:“Can you ever forgive me?“&“The Happytime Murders“.Das Movie ist insgesamt für 3 Oscars nominiert dazu kommt noch eine fürs Beste Drehbuch,und würde es eine für Tiere geben hätte die Katze eine vierte Nominierung auf jeden Fall verdient.Leider hat Melissa McCarthy eine Goldene Himbeere für die Hauptrolle für den Film“The Happytime Murderstime“ gewonnen.Aber die Goldene Himbeere Verleihung verfügt auch über eine Auszeichnung für gutes Schauspiel und die geht ebenso an Melissa McCarthy für ihre Rolle im Film Can you ever forgive me? und deshalb sollte man diese Verleihung mit Ironie betrachten.Mehr anzeigen

Zuletzt geändert vor 8 Monaten


Barbarum

vor 8 Monaten

Vordergründig geht es um Fälschung und Raub, vor allem aber ist es eine Geschichte über Einsamkeit, intelligent und gefühlvoll erzählt.


nick74

vor 8 Monaten

Melissa McCarthy finde ich toll, sollte mehr ernstere Rollen spielen (wie z.B. St. Vincent), als sich auf Klamauk zu konzentrieren. Ihre bissige Art und ihr Auftreten/Aussehen in diesem Film fand ich sehr gut. Jedoch fehlt der Geschichte etwas "drive", daher nur 4 Sterne.


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