Bohemian Rhapsody Grossbritannien, USA 2018 – 134min.

Bohemian Rhapsody

Filmkritik

Ein „Champion“ auf der Bühne

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

Auch wenn es Bohemian Rhapsody mit der Chronologie und den Fakten nicht immer so genau nimmt, überzeugt das Biopic mit seinem stimmigen Musikeinsatz und einem glänzend aufgelegten Hauptdarsteller.

Der Film zeichnet den Weg von Freddie Mercury und der Band Queen von den frühen 70er-Jahren bis 1985 nach. Mercury wird 1970 neuer Sänger der Band von Brian May (Gwilym Lee) und Roger Taylor (Ben Hardy). Wenig später komplettiert Bassist John Deacon (Joseph Mazzello) die Gruppe und 1973 erscheint das Debütalbum. 1975 gelingt mit "Bohemian Rhapsody" der Durchbruch. In den folgenden Jahren werden die Musiker mit Hymnen wie „Bicycle Race“ und „Don’t stop me now“ zu Legenden. Anfang der 80er-Jahre nehmen die Streitigkeiten zu. Es ist die Zeit, in der Mercurys Drogenkonsum massiv zunimmt und er in den Schwulenclubs seine Homosexualität auslebt.

Der Weg bis zur Verfilmung war ein langer. Pläne gab es bereits seit 2006, jedoch verzögerten kreative Differenzen zwischen den Verantwortlichen jahrelang den Drehbeginn. Letztlich fiel im September 2017 dann doch die erste Klappe. Gedreht wurde in London und in der Nähe der Kleinstadt Hemel Hempstead. Weltpremiere feierte der Film am 23. Oktober in der Londoner Wembley-Arena.

Bohemian Rhapsody ist ein über weite Strecken elektrisierender, rasant inszenierter Musikfilm, der von einem pulsierenden Soundtrack angetrieben wird. Alle grossen Hits sind zu hören, ausserdem wurden sie an dramaturgisch sinnvollen Stellen platziert. Des weiteren ist der Nostalgie-Faktor des Films sehr hoch, da die authentischen Kulissen und Requisiten die 70er- und 80er-Jahre glaubhaft auferstehen lassen.

Das Wichtigste: Alle Befürchtungen im Vorfeld hinsichtlich Mercurys Darstellung erweisen sich als unbegründet. Rami Malek verkörpert den 1991 verstorbenen Musiker durchweg überzeugend. Der 37-Jährige hat sich Habitus und Optik Mercurys angeeignet und kommt sowohl auf als auch abseits der Bühne sehr nah an das Original heran. Die Höhepunkte des Films sind die mitreissenden Konzertszenen, nicht zuletzt weil Malek das „Live-Erlebnis“ Mercury auch für jüngere Generationen erfahrbar macht – inklusive der tänzerischen Einlagen und theatralischen Gesten des Sängers. Etwas schade ist, dass die übrigen Bandmitglieder nur als Stichwortgeber fungieren und sehr eindimensional gezeichnet sind.

Zudem nimmt es Bohemian Rhapsody mit der wahren Entstehungszeit einiger Songs (unter anderem „Another one bites the dust“) nicht allzu genau – ebenso ärgerlich ist die fehlerhafte chronologische Einordnung bestimmter Ereignisse. So wusste Mercury 1985 noch nicht, dass er schwer krank ist (die AIDS-Diagnose erhielt er erst im Frühjahr 1987). Und auch seine Homosexualität offenbarte er seinen Eltern erst viel später als im Film dargestellt.

26.10.2018

3.5

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Kommentare

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Patrick

vor einem Tag

Dieser Film Rockt und er Rockt nur im Kino so Richtig.Rami Malek verkörpert Mercury so gut als wäre das Original(in ihm) vom Rock~Himmel entstiegen.

Zuletzt geändert vor einem Tag


maennele

vor 3 Tagen

Sensationeller Musikfilm mit tollen Schauspielern! Oscar-würdiger Auftritt des Protagonisten und das goldene Männchen für die beste Filmmusik ist ein Muss! Und für alle, die sich darüber aufregen, dass der Film nicht die tatsächliche Geschichte wiederspiegelt: Dieses Movie läuft nicht unter dem Anspruch, eine Dokumentation sein zu wollen!!! Falsche Erwartungen führen halt meistens zu Enttäuschungen...Mehr anzeigen


Sync

vor 6 Tagen Spoiler

Ich bin großer Fan von Freddie Mercury und rate jedem, den Film anzusehen, aber bitte glaubt nicht, das hätte etwas mit Realität zu tun.
Schaut es euch an, und dann geht bitte alle wieder zu den Originalen zurück und denkt nicht, hier wird ein auch nur in Ansätzen realistisches Portrait dieses Genies geliefert.
Meine Kritik lautet folgendermaßen:

Also, ich versuche mal, meine Wahrnehmung des Films zusammenzufassen.
Mein Anspruch an ihn ist, dass er eine Hommage sein soll. Eine Hommage darf auch kritische Seiten aufzeigen, aber sie sollte liebevoll bzw. sensibel sein, und versuchen, das Wesen der Person zu erfassen. Ich finde, insbesondere die Fans haben das verdient. Und der Rest des Publikums auch.
Wenn das nicht gelingt, sollte wenigstens genug Raum übrig bleiben, dass man etwas erahnen kann, was das Wesentliche, im „Fall“ Freddie Mercury die Magie seiner Musik, seines Gesangs und seiner Performance wenigstens andeutet (insbesondere, aber nicht nur mit Queen (das Album Barcelona ist so großartig, danke Montserrat Caballé, R.I.P.!), natürlich, jeder von ihnen hat meinen Respekt, tiefsten Respekt habe ich auch vor John Deacon, großartiger Mensch, der auch viel zu kurz kommt, wie die anderen, aber bei Deacon sehe ich extrem viel human Genius, und davon sieht man quasi nichts.).

Also: Das finde ich in diesem Film nicht.

Meine Wahrnehmung von Freddie Mercury’s Magie ist, dass er in seinem Inneren eine Kraft hatte, die durch alle Dramen und Widrigkeiten des Lebens hindurch eine starke Lebensfreude und Lebensliebe versprüht hat, und ich bin überzeugt, dass das den Kern seiner Faszination ausmacht.

Ich weiß aus langen Jahren Freddie-Fan-Dasein, dass die Community seiner Fans unfassbar groß ist, bunt und voller freudiger Liebe ist. Wir alle spüren dieses gewisse Etwas. Dieses Mehr. Allein an seiner Statue in Montreux zu sitzen und all die unterschiedlichen Menschen zu beobachten, wie sie auf seine „Präsenz“ reagieren ist atemberaubend schön. So positiv. Und dabei so tief, so sensibel.

Er war ganz sicher auch zerrissen. Und in gewissem Sinne einsam. Aber er war nicht „needy“. Er war ein Macher, er hat all seine Energien dazu eigesetzt, um etwas positives und belebendes aus seinen Dramen zu erschaffen.

In dem Film sehe ich einen sozial vereinsamten Menschen. Das war er definitiv nicht. Alleine schon die Tatsache, dass Peter Freestone seit 1979 sein persönlicher Assistent war und bis zu seinem Lebensende bei ihm wohnte. Er kommt gar nicht erst vor, wohl weil man ihn dann nicht glaubhaft sozial vereinsamt hätte darstellen können.
Mary blieb ihm viel enger verbunden als dargestellt. Auch das sagt: Diese „Ich bin ja so einsam und bedürftig“ Nummer ist schlicht nicht wahr. Er hatte Verbundene, die man auch als Familie bezeichnen könnte, wenn man denn wollte. Also Käse. Von Grund auf. Nicht nur ein paar Detail-Ungenauigkeiten.

Das ist einfach nicht stimmig, im Sinne von, er wird zusammengestutzt, von einem sehr agilen, kreativen Menschen, der sehr intelligent, wenn auch hedonistisch, mit dem Leben umgeht, zu einem Typen, der eben ein paar gute Ideen hatte und dann das Glück hatte, dass er von der „Familie Band“ am vermeintlichen Ende wieder zurück genommen wurde, nach seinem Fehlweg mit seinem Soloalbum und seinen Ausschweifungen.

Auch wenn diese Timeline-Verzerrungen als Fan irgendwie weh tun, würden sie mich nicht so stören, wenn dann doch die Grundzüge der wahren Geschichte deutlich würden. Kein Problem.
Doch an diesen Verzerrungen werden charakterliche Abgründe festgemacht, bei denen ich deutlich bezweifle, dass sie so, in dieser Art, vorhanden waren. Es gab Abgründe, aber nicht diese „flachen“, oberflächlichen.

Vor LifeAid waren Queen auf Tour. Dazwischen lagen gerade mal 2 Monate. Wozu diese Verzerrung? Brian May und Roger Taylor hatten vor Freddie Mercury Soloprojekte und -Alben. Warum tut man so, als hätte Mr. Bad Guy die Band fast zerstört? Wo ist die Logik? LifeAid war auch nicht durch das Album oder Paul Prenter gefährdet, sondern hatte sich aus ganz anderen Gründen verzögert, insbesondere weil die Organisatoren zweifelten, ob Queen eine richtige Besetzung wäre, weil sie in Argentinien aufgetreten waren und ich glaube Südafrika, die beide damals eben als politisch unkorrekt angesehen waren. Die Anfrage selbst kam deshalb auf den letzten Drücker. Warum das alles verdrehen und Freddies vermeintlicher Inkompetenz (Paul Prenter zu vertrauen) in die Schuhe schieben?

Die Diagnose AIDS soll erst 87, auf jeden Fall nach 85 festgestellt worden sein. Er war also bei diesem Konzert nicht in dieser dargestellten Zwickmühle zwischen bevorstehendem Tod und Leben. Auch hatte er dort nicht diese Stimmprobleme. Jim Hutton als der liebevolle Partner, den Freddie im Hauruckverfahren mal so eben seiner Familie vorstellt. Da wird einer Person unterstellt, dass sie in unsensibler Art und Weise alle überrumpelt, um ihr Ding durchzuziehen. Das mag er wohl auch mal getan haben, aber sicher nicht so platt, wie dargestellt.

Dass er ständig seine Bandkollegen disst. Die ihn nicht zurück dissen, sondern immer schön ausgleichend nett bleiben.
Ich will gar nicht behaupten, dass er ein lieber netter Bub war, der nicht ordentlich angeeckt wäre. Aber er war sicherlich intellektueller und feinfühliger, kein so plumper, flacher Hedonist, wie es dargestellt ist.
Dass die Bandmitglieder sich oft und immer wieder ordentliche „Cockfights“ geliefert haben, ist bekannt, aber im Film ist es irgendwie doch fast und gegen Ende immer nur er. Keiner der anderen ist ernsthaft beteiligt. Glaubwürdig? Denke ich nicht.

Noch ein Detail, das mich tierisch nervte.
Die Pressekonferenz.
Ja, er hatte diese „Fickt-euch-doch-Haltung“ gegenüber den Medien. Nicht umsonst.
Ich erinnere mich, wie ich mich in frühen Zeiten meines Fandaseins aufgeregt habe, weil der Typ, sorry zu faul um nochmal nachzuschauen, wer das war, Freddie in München interviewt hat, ich glaube 82,
da sagte Freddie etwas wie „You’ll probably get the last interview“. Das war auf einen langen Interviewtag bezogen und er war der letzte Interviewer. Das hat dieser Typ dann für eine sehr bekannte (und schöne) Doku benutzt, um glaubhaft zu machen, es sei das letzte Interview seines Lebens. Für mich ein heftiger Missbrauch, denn dieser Mensch hat einige Musikvideos mit Queen gedreht, war also mit ihnen verbunden, nicht irgend ein unbekannter Fritze. Geht für mich gar nicht.
Und in dieser Pressekonferenz im Film wird es dann so dargestellt, als wäre Freddie so angepisst, weil er seine Sexualität verstecken will. Und auf die Frage nach seiner Sexualität kommt das das berühmte „I’m just a musical prostitute, my Dear“ Dieses Zitat ist übrigens genau aus dem oben angesprochenen Interview. Mich pisst das an. Ehrlich. Weil zu flach, zurechtgestutzt zu Oberflächlichkeit und Ablehnung aufgrund vermeintlich eigenen „Fehlern“, die man nicht preisgeben will. Ja, die Sexualität war oft Thema, aber er hat das deutlich smarter gelöst. Diese Art der Konfrontation gab es nicht.

Insgesamt spielt ihn Rami, den ich übrigens wirklich sehr schätze, ich kreide es ihm nicht an!, immer irgendwie als Underdog, viel zu langsam (schaut euch die Interviews an) und viel zu wenig intellektuell (Drehbuch, nicht sein Fehler). Diese Band war insgesamt recht intellektuell, jeder auf seine Weise, aber doch eben kognitiv insgesamt ganz schön zackig. Das ist in den Interviews, die man wunderbar auf YT sehen kann, sehr deutlich.
Das kommt in dem Film gar nicht rüber. Im Gegenteil. Traurig.

Warum wird so viel Wert darauf gelegt, dass er Probleme mit seinen Zähnen hatte (ja, war wohl so) und gleichzeitig noch nicht einmal darauf geachtet, dass er braune, nicht blaue Augen hatte. Ein Detail, aber ganz ehrlich: Was soll das? Bestenfalls ein Detail, das uns andeuten soll, dass es hier nicht um die Realität geht, sondern eben sein Wesen in ein Filmchen gepresst wurde, der ihm nicht gerecht wird.

Es wäre überhaupt nicht nötig gewesen mit diesen Verzerrungen Drama herzustellen. Das Leben von Freddie Mercury, das ja weit über LifeAid hinaus ging, hätte Stoff für einen wunderbar dramatischen Film mit Tiefgang, Sinn und beeindruckenden Momenten gegeben, dazu muss man nicht so rumfantasieren. Hier wurde uns eine echte Verdummung vorgesetzt, sorry, ich bin wütend.
Das ist nur ein Ausschnitt meiner Kritikpunkte, der keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit hat. Dem ließe sich massig vieles hinzufügen.

Warum mich das alles so ankäst? Könnte mir das nicht einfach egal sein? Weil der Film doch Menschen glücklich macht? Nein. Denn, kurz gefasst wurde ein Mensch, der eine innere Stärke, Kraft und intrinsische Liebe besaß und ausgedrückt hat, in wunderbarer Form, gestutzt zu einem von vielen vom Leben hin und her geschaukelten Menschen, die halt ein bisschen mehr Talent und Glück hatten. Fail, in meinen Augen.

Wir brauchen gerade heute andere, bessere Inhalte. Denn wir müssen lernen unsere Leben zu gestalten, statt uns erschlagen zu lassen, vom „Schicksal“. Und Freddie Mercury war definitiv eine „Figur“, die dazu taugt.

DAS ist traurig.Mehr anzeigen

wolfgang_boy

vor 3 Tagen

Hi
Deine Rezession liest sich fast wie eine unerfüllte Inhaltsangabe eines Lebenslaufes ,wie du ihn gerne gesehen hättest.....Nur Eindruck,deshalb auch einschränkend ein "Fast".......Ich habe z.B schlimmeres erwartet.......Mir stellte sich schon vor 2 Jahren bei der anvisierten Spielfilmlänge von ca.2 Stunden die Frage :"Wie will man 25 Jahre Queen und dann noch 25 Jahre Freddie Mercury explizit in 120 min. in Form gießen....Das bei diesem Bandspektrum einiges auf der Strecke bleiben musste verstand sich von selbst.....Eckpunkte der Band durften nicht fehlen und sind wohl auch eher der Dramaturgie zum Spannungsbogen hin nicht in die entsprechende Chronologie zugeordnet worden.
Eines müßte aber jedem Klar sein. Es ist und sollte kein Fanepos werden. Das lese ich aber aus deinen Zeile heraus. An einer Dokumentation hätte ich auch mehr Sorgfalt erwartet .Da gibt es genug von ,mal mehr oder weniger Umfangreich und genau.
Dieser Film hat seinen Zweck erfüllt . Die Einspielergebnisse zeigen deutlich das darauf die Kinowelt förmlich gewartet hat. Die Kinosäle sind gefüllt mit Menschen von 14-70. Warum ?......Queensongs sind das was man ihnen schon vor Jahrzehnten prognostiziert hatte..."Zeitlos populär"... Radiosender kommen beinahe täglich nicht ohne sie aus In der Werbung wird Queen als Jingles verwendet und Sportevents kommen bis Heute nicht an der Musik vorbei...
Queen und F.Mercury haben ein echtes Erbe hinterlassen und nun kann die Jugend auch schauen Wer oder Was stand dahinter und wer waren diese 4 mit diesem beinahe Allrounder am Mikrofon ? Da sei es verziehen das vieles etwas Glatt und gebügelt auf der Leinwand rüber kommt ......Trotz des Wissens um die Lücken und Verzerrungen in Queens Schaffen und F.Mercurys Dasein,war ich nie enttäuscht...Das was ich sehen wollte oder Besser Hören,habe ich bekommen......Ein Gut gemachter ,etwas Frei in der erzählweise,aber nah dran mit einem Klasse Casting.Mehr anzeigen


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