Bad Times at the El Royale USA 2018 – 141min.

Bad Times at the El Royale

Filmkritik

Ein Hotel der Albträume

Gaby Tscharner
Filmkritik: Gaby Tscharner

Der zweite Film des Autors und Regisseurs Drew Goddard (The Cabin in the Woods) ist ein stilvoller Thriller, in dem ein geheimnisvolles Hotel die Hauptrolle spielt, dessen unzähligen Wendungen in der Handlung aber enttäuschen.

Das Hotel El Royale im Erholungsort Lake Tahoe liegt mitten auf der Grenze zwischen Kalifornien und Nevada, was es in den 60er-Jahren, als das Glücksspiel in Kalifornien verboten war, zur Attraktion machte. Nachdem das Hotel jedoch seine Gambling-Lizenz verlor, blieben die Gäste weg. An einem regnerischen Tag im Jahre 1969 checken aber gleichzeitig ein Priester (Jeff Bridges), eine Sängerin (Cynthia Erivo) und ein Staubsaugerverkäufer (John Hamm) ein. Als auch noch ein mysteriöser Hippie (Dakota Johnson) auf der Flucht vor einem Sektenführer (Chris Hemsworth) ein Zimmer will, wird bald klar, dass keiner dieser Leute im El Royale ist, um Ferien zu machen.

Bad Times at the El Royale ist der zweite Spielfilm von Drew Goddard, der vor sechs Jahren mit dem Thriller The Cabin in the Woods nicht wirklich hohe Wellen schlug. Als erfahrener Drehbuchautor und Regisseur von TV-Serien wie «Alias» und «Lost» allerdings weiss er, wie er einen Schauplatz in Szene setzen kann. Das Hotel, ganz im Stil der letzten Jahrhundertmitte, ist die zentrale Figur des Films. Seine rustikalen Zimmer, halb auf kalifornischer, halb auf der Seite von Nevada, bergen dunkle Geheimnisse. Wer sich aber an The Cabin in the Woods erinnert, erkennt mehrere stilistische Mittel wie Kontrollräume und dunkle Überwachungskorridore, die Goddard in seinem neuen Film schamlos recycliert.

Ein Highlight ist der soulige Soundtrack, zu dem die phänomenale Stimme des Broadway-Stars Cynthia Erivo beiträgt, die Hits wie «This old Heart of mine» a capella hinschmettert. Der Film ist ein Mix aus Film Noir, Technicolor und David Lynchs TV-Serie «Twin Peaks», der mehr Stil als Substanz aufweist. Bad Times at the El Royale verliert an Glaubwürdigkeit, als Chris Hemsworth als eine Art Charles Manson-Verschnitt auftaucht. Seine Figur wirkt eher lachhaft als bedrohlich und, sind wir mal ehrlich, kein Sektenführer der 60er-Jahre hatte einen derart gestählten Oberkörper wie Thor.

Bad Times at the El Royale ist gespickt mit endlosen Monologen, die von den renommierten Schauspielern zwar gekonnt interpretiert werden, die aber nicht die Qualität haben, wie sie zum Beispiel von Quentin Tarantino oder Aaron Sorkin geschrieben werden. Der fast zweieinhalb Stunden lange Film erzählt dieselben Szenen aus mehreren Perspektiven, was die Geschichte nur schleichend vorwärts treibt. Und dann wird in der Mitte des Films eine Verschwörungstheorie eingeführt, die sich mit Hotelgästen befasst, die nie gezeigt oder namentlich erwähnt werden. Das führt dazu, dass sich diese Storyline vorwiegend in den Köpfen der Zuschauer abspielt, was vermuten lässt, dass unsere Phantasie besser ist als die des Filmemachers.

10.10.2018

3

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Kommentare

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as1960

vor 2 Stunden

"Bad Times At The El Royal" bedeuten vor allem schlechte Zeiten für den Kinobesucher. Fremde treffen sich zufällig in einem heruntergekommenen Hotel, und jeder hat ein Geheimnis... Das grösste Geheimnis dürfte wohl, sein warum die Schauspieler bei diesem Film mitmachen. Dialoglastig, aber mit banalem
"blabla" im ersten Teil. Und mehr Action im 2. Teil, wobei das überraschende an den überraschenden Wendungen ist eigentlich nur, wie überraschend belanglos das ganze daher kommt. Lichtblicke bieten nur Jeff Bridges und ein cooler Soundtrack.Mehr anzeigen


nick74

vor 3 Tagen

Habe ich sehr gut gefunden. Vergleich mit Tarantino finde ich fehl am Platz, der Film steht für sich allein, Ausnahme Hempsworths Auftritt als Bösewicht finde ich fehl am Platz, so wie Tatum in Hateful Eight.


muri

vor 3 Tagen

Die erste Hälfte ist langweilig, da immer wieder mit "Kapiteln" Schwung aus der Story genommen wird. Danach wirds etwas besser, aber viel Dialog und blutige Schiessereie machen halt noch keinen Tarantino. Somit bleibt das Ganze höchst durchschnittlich. Schade eigentlich bei den Stars...


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