100 Dinge Deutschland 2018 – 111min.

100 Dinge

Filmkritik

Gegen die Konsumgesellschaft

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

In 100 Dinge gehen zwei Freunde eine folgenschwere Wette ein. Folgenschwer ist auch die Entscheidung von Regisseur und Hauptdarsteller Florian David Fitz, seine Hauptfiguren unsäglich oberflächlich zu zeichnen und auf eine klischeehafte Lovestory zu setzen.

Paul (Florian David Fitz) und Toni (Matthias Schweighöfer) sind süchtig nach ihren Statussymbolen. So liegen sie im ständigen Wettstreit, wer der Coolere ist. Eines Tages lassen sie sich auf einer Party auf die Wette ein, wer länger ohne seine Besitztümer auskommt. Sie packen daraufhin all ihre Sachen für 100 Tage in eine Lagerhalle und dürfen jeden Tag nur eine Sache zurückholen. Für Toni und Paul stellen sich existenzielle Fragen: Was braucht es wirklich im Leben?

100 Dinge ist der dritte Film, bei dem Florian David Fitz Regie führte. Sein Debüt auf dem Regiestuhl gab er 2012 mit dem Drama Jesus liebt mich. 2016 folgte die Komödie Der geilste Tag, für den Fitz erstmals mit Schweighöfer zusammenarbeitete. 100 Dinge entstand im Frühling 2018 unter anderem in Berlin und Polen.

100 Dinge ist ein Film, der es gut meint und eine lobenswerte Botschaft parat hält. Das Problem ist, dass weder die Kernaussage des Films noch die Elemente, derer er sich bedient um selbige glaubhaft zu vermitteln, besonders originell gewählt wurden. Fitz übt Kritik an unserer Überflussgesellschaft und zeigt, dass Materialismus, Geltungssucht und Geld den Charakter verderben. Wichtige Erkenntnisse, die jedoch nicht gerade neu sind. Das wäre alles nur halb so schlimm, doch Fitz stattet seinen Film darüber hinaus mit unsympathischen Hauptfiguren und klischeeüberfrachteten Handlungselementen aus.

Für die rein auf Kommerz ausgerichteten Toni und Paul sind Markenschuhe und Gucci-Klamotten wichtiger als alles andere. Erst als sie mit nichts dastehen erkennen sie, dass in ihrem Leben etwas schiefläuft. Die beiden erscheinen somit nicht nur extrem naiv, auch die Fähigkeit zur Reflexion geht ihnen ab. Hinzu kommt, dass sie sich (mit Ende 30) immer noch in den Schoss der Oma legen und sich trösten lassen. All dies erschwert den Versuch, sich mit den Figuren zu identifizieren oder mit ihnen zu fühlen.

Leider verlässt sich Fitz zur Läuterung (vor allem von Toni) zudem auf eine überraschungsarme 08/15-Liebesgeschichte, die doch arg gekünstelt und wenig tiefgründig wirkt. Positiv an 100 Dinge ist, dass die vielen bekannten Nebendarsteller (unter anderem Katharina Thalbach) in sympathischen und teils extrem schrulligen Rollen überzeugen. Zudem greifen die flotten Akustikversionen von 80er-Jahre-Popklassikern die Stimmung des Films gekonnt auf. Inspirieren liess sich Fitz übrigens vom finnischen Regisseur Petri Luukkainen, der sich vor einigen Jahren tatsächlich zum radikalen Konsumverzicht entschied – und seine Erlebnisse in der Doku My Stuff festhielt.



05.12.2018

2

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Kommentare

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JASAKA

vor 4 Tagen

Als Komödie kaum Witzig


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