Die Verführten USA 2017 – 93min.

Filmkritik

Vom Leben gelangweilte Frauen

Patrick Heidmann
Filmkritik: Patrick Heidmann

Als eine von drei weiblichen Filmemachern (neben Naomi Kawase und Lynne Ramsay) wurde Sofia Coppola dieses Jahr in den Wettbewerb von Cannes eingeladen und kehrt damit an den Ort zurück, wo sie sich einst für Marie Antoinette Buhrufe abholte. Davon konnte bei The Beguiled nun keine Rede sein.

Auch dieses Mal erzählt sie eine historische Geschichte, basierend auf dem schon einmal mit Clint Eastwood verfilmten Roman von Thomas P. Cullian. Während des Amerikanischen Bürgerkriegs findet der verwundete Nordstaaten-Soldat Corporal McBurney (Colin Farrell) auf Feindesland Unterschlupf in einem vom Martha Farnsworth (Nicole Kidman) mit streng-religiöser Hand geführten Mädchenpensionat. Die jungen Frauen (darunter Elle Fanning und eine fantastische Kirsten Dunst) sind zunächst reichlich verunsichert angesichts der ungewohnten männlichen Gesellschaft, finden alsbald aber auch Gefallen daran. Die Strukturen innerhalb ihrer eigenen eingeschworenen Gemeinschaft verschieben sich dadurch allerdings unwillkürlich – und bald ist seine Kriegsverletzung McBurneys geringstes Problem.

Dass The Beguiled auf jeden Fall nicht zu Coppolas besten Filmen zählt, ist sicherlich richtig. Doch sehenswert ist ihr neues Werk allemal. Wieder erzählt sie in wunderschönen Bildern von Frauen, die vom Leben gelangweilt sind. Der Humor allerdings, mit der sie der Sache in der zweiten Filmhälfte einen zusehends blutigeren Touch gibt, und das Melodrama immer mehr zum erotisch aufgeladenen Pulp-Thriller macht, ist erfreulich unterhaltsam. Zumal der dezidiert weibliche Blick, den Coppola auf ihre Protagonisten wirft, in diesem Cannes-Jahrgang eine erfreuliche Abwechslung ist.

23.06.2017

4

Dein Film-Rating

Kommentare

Sie müssen sich zuerst einloggen um Kommentare zu verfassen.

Login & Registrierung

Patrick

vor einem Monat

Makaberes Südstaaten Moritat in berauschenden Bildern.Das Movie fängt an wie eine Hoffnungsvolle Love Story endet aber in einem Psycho-Thriller.Die Darsteller-Leistungen sind vom feinstem und man wird daher sofort in die Story hinein gezogen auch wens ziemlich gemächlich beginnt.

Zuletzt geändert vor einem Monat


paipai

vor 3 Jahren

Die Charaktere hatten nicht die gewünschte Tiefe für mich; man hätte die Gefühlsebenen (Leidenschaft, Eifersucht etc.) noch mehr zeigen müssen. Auch hätte das Finale besser sein können. Bleibt hinter meinen Erwartungen zurück. Der Trailer hat mehr versprochen als der Film halten konnte. Schade.Mehr anzeigen


selinaburri

vor 3 Jahren

Für mich zu flach.


Mehr Filmkritiken

W. - Was von der Lüge bleibt

Zwischenwelten

Antoinette dans les Cévennes

Clara und der magische Drache