Call Me by Your Name Brasilien, Frankreich, Italien, USA 2017 – 132min.

Call Me by Your Name

Filmkritik

Der Schmerz des Erwachsenwerdens

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Die Verfilmung des Romans «Ruf mich bei deinem Namen» von André Aciman lief schon letztes Jahr am Sundance und bei der Berlinale. Das lange Warten auf dieses filmische Kleinod hat nun aber ein Ende: Endlich kann man sich in das Italien vergangener Tage entführen lassen, der eigenen Erinnerung nachhängen und dieses Werk genießen.

Norditalien im Jahr 1983: Der Student Oliver (Armie Hammer) verbringt den Sommer bei seinem Professor und dessen Familie. Dabei lernt er auch den 17-jährigen Sohn des Professors, Elio (Timothée Chalamet) kennen, der in einem multikulturellen Haushalt aufgewachsen ist, mehrere Sprachen spricht und gebildeter erscheint als es Jungs in seinem Alter sind. Oliver und Elio verstehen sich sehr gut. Nach und nach werden aus den flüchtigen gegenseitigen Berührungen mehr – auch wenn es dauert, bis beide sich einzugestehen bereit sind, dass sie einander lieben.

Natürlich geht es um die Beziehung zweier Männer, relevant ist dieser Umstand aber nicht. Denn Gefühle sind universell und werden hier so unglaublich authentisch und mitreißend dargeboten, dass man gar nicht anders kann, als sich in diesen Film zu verlieben. Es ist wunderbar gelöst, wie Oliver und Elio zuerst umeinander kreisen und sich dann langsam näher kommen. Das alles findet einen ersten Höhepunkt, als sie sich das erste Mal lieben. Eine wunderschöne Sequenz, die in keinem Moment übertrieben ist, sondern auch das Unbeholfene und Tapsige der Situation voll erfasst. Hier wird mit einer Ehrlichkeit erzählt, die man bei romantischen Filmen selten findet.

Call Me By Your Name ist ein Film über die erste Liebe, über die Schmetterlinge im Bauch, über die Unsicherheiten, über die Ängste und Begehrlichkeiten, über das Kennenlernen des anderen auf geistiger und körperlicher Ebene und über den Schmerz, den das unweigerliche Scheitern mit sich bringen muss. Denn wie oft ist die erste auch die große, ewige Liebe? Aber darum geht es nicht, weil es Teil des Erwachsenwerdens ist, auch mit dem Schmerz fertig zu werden und mit dem eigenen Leben weiterzumachen.

Armie Hammer und Timothee Chalamet spielen außergewöhnlich gut, aber auch Michael Stuhlbarg als Vater hat einen grandiosen Moment, als er seinem Sohn am Ende nicht nur beisteht und ihm gut zuredet, sondern auch akzeptiert, wie er ist. Regisseur Luca Guadagnino erzählt das alles mit einem unglaublichen Sinn für Schönheit, der die der Geschichte inhärente Traurigkeit nur noch mehr akzentuiert. Call Me By Your Name ist ganz großes Kino, das mit echten Gefühlen auch eine ebenso echte Reaktion beim Zuschauer hervorruft.

14.02.2018

5

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Kommentare

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gimir

vor 5 Monaten

Einfach grandios. Einder der besten Filme der letzten Zeiten. Poetisch ohne pretentiös zu sein.


julianne

vor 7 Monaten

Technisch war Dunkirk der beste Film des Jahres und gefühlsmässig mit abstand Call me by your Name was für ein Masterpiece ! Timothee und Armie Piece of art!! Nur ein Eisklotz hat Keine Tränen bei diesem Pice of Art !!


michaela_schweizer

vor 7 Monaten

ziemlich langwierig und langweilig. Schöne Landschaft, aber schlechte Aufnahmen.


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