Nerve USA 2016 – 96min.

Nerve

Filmkritik

Im Spielrausch

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

David Finchers The Game für eine rastlose Online-Generation – so lässt sich der auf einem Young-Adult-Roman basierende Techno-Thriller Nerve wohl am besten beschreiben. Emma Roberts und Dave Franco spielen darin zwei Teenager, die durch ein aufregendes Internet-Spiel zu Schicksalsgefährten werden. Stoff für einen schnittig inszenierten Reißer mit sozialkritischen Untertönen.

Risikobereitschaft ist für die schüchterne Highschool-Schülerin Vee (Emma Roberts) ein Fremdwort. Ganz im Gegenteil zu ihrer Freundin Sydney (Emily Meade), die mit ihrem Wagemut seit kurzem große Erfolge bei einem angesagten Online-Spiel namens "Nerve" feiert. Als Sydney Vee vor ihrem heimlichen Schwarm bloßstellt, beschließt die gekränkte junge Frau, allen zu beweisen, was wirklich in ihr steckt. Kurzerhand meldet sie sich auf der Plattform des illegalen Internet-Games als "Player" an und muss sich schon bald der ersten Herausforderung stellen, die ihr die zahlenden Zuschauer, die sogenannten "Watcher", vorgeben. Mit einem mulmigen Gefühl betritt Vee ein Restaurant, in dem sie einen Fremden küssen und das Ereignis filmen soll. Ihre Wahl fällt auf den attraktiven Ian (Dave Franco), bei dem es sich ebenfalls um einen "Nerve"-Wettkämpfer handelt. Der Beginn einer rauschhaften Nacht, in der die beiden Jugendlichen von einer Mutprobe zur nächsten eilen und immer größere Gewinne einstreichen, während das Spiel zunehmend bedrohlichere Ausmaße erreicht.

Was sich auf den ersten Blick wie ein beunruhigendes Szenario von morgen liest, ähnelt in gewisser Weise dem Pokémon-GO-Hype, der im Sommer weltweit losbrach. Geradezu süchtig kleben die "Watcher" im Film an den Displays ihrer Smartphones. Verfolgen gebannt, wie sich die unterschiedlichen "Player" schlagen und greifen mit ihrer Abstimmung über neue Aufgaben ganz konkret in den Verlauf des Online-Spiels ein. Themen wie der allumfassende Voyeurismus, die Aufgabe der eigenen Privatsphäre und die Sehnsucht nach schnellem Ruhm bilden das Rückgrat eines Thrillers, der den Zuschauer auf eine adrenalingetränkte Reise durch das in grelle Neonfarben getauchte New York entführt.

Angesichts des Inhalts muss es nicht verwundern, dass das Regiegespann Henry Joost und Ariel Schulman mit diversen visuellen Mitteln experimentiert. Die Standorte der "Player" sind vor der Skyline des Big Apple als farbige Säulen auszumachen. Von hinten schauen wir durch einen Laptop-Bildschirm hindurch. Und in schöner Regelmäßigkeit kommen Smartphone-Perspektiven zum Einsatz. Bei aller Verspieltheit bleibt der Bezug zu den Protagonisten stets erhalten, da zwischen Emma Roberts und Dave Franco eine charmant-mitreißende Chemie entsteht. Kaschieren können die Hauptdarsteller jedoch nicht, dass Nerve von Klischeefiguren bevölkert wird und mehr als einmal den Holzhammer auspackt, um Standpunkte klarzumachen.

14.09.2016

3

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Kommentare

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Janissli

vor 10 Monaten

Spannender und sehr moderner Film, über ein Thema das tatsächlich echt sein/werden könnte. Die Digitalisierung/Smartphonisierung als Mittel zum Spektakel. Hat am Schluss eine ziemlich Gedankenanstossende Botschaft "Auch wenn man physisch nicht vor Ort ist, kann man Einfluss nehmen und hat eine Verantwortung - Der Bildschirm schützt nicht vor Mittäterschaft". Hat bei uns in der Familie für viel Gesprächsstoff gesorgt.Mehr anzeigen


as1960

vor 3 Jahren

In "Nerve" spielen jugendliche in einem illegalen Online-Game um Geld, aber v.a. um kurzfristigen Ruhm, sprich um Followers. Die Aufgaben werden lebensgefährlich, und wenn sie merken, dass sie dem Spiel mit ihren ganzen persönlichen Daten ausgeliefert sind ist es schon fast zu spät. Der Thriller erzählt eine absolute zeitgemässe Geschichte, und vermag durch Bildästhetik und Tempo zu überzeugen. Leider wirkt dann der Schluss etwas gar unausgereift, um nicht zu sagen "schludrig". So könnte man sagen, der Film ist ein wenig wie das gezeigte Online-Game: Es geht um schnelle Effekte, um viel Follower aber ohne es zu Ende zu denken. Aber irgendwie passt das ja zur heutigen Gesellschaft. Fazit: Gute Film-Idee, aber man hätte mehr daraus machen können.Mehr anzeigen


moviegoer

vor 3 Jahren

Wirklich coooler Film für Alle digital natives!


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