Collateral Beauty USA 2016 – 97min.

Collateral Beauty

Filmkritik

Therapie auf seltsamen Wegen

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Wie verschenkt man ein Ensemble aus Schauspielgrößen? Eine Antwort liefert das wahrscheinlich gut gemeinte, aber verunglückte Melodrama Collateral Beauty, das seine kompetenten Darsteller mit einem schwachen Drehbuch abspeist.

Nach dem Tod seiner Tochter verwandelt sich der Werbemanager Howard (Will Smith) von einem begeisterungsfähigen Unternehmer in einen gebrochenen Menschen und bringt mit seiner Antriebslosigkeit auch die Firma in Bedrängnis. Seine Geschäftspartner Whit (Edward Norton), Claire (Kate Winslet) und Simon (Michael Peña) sorgen sich um ihren Freund und ihre berufliche Zukunft, weshalb sie eine Privatdetektivin (Ann Dowd) engagieren, die schon bald Erstaunliches herausfindet: In seiner Verzweiflung schreibt Howard wütende Briefe an die Liebe, die Zeit und den Tod und wirft die Sendungen sogar in öffentliche Postkästen. Einerseits möchten die drei Mitarbeiter ihrem niedergeschlagenen Kollegen helfen. Andererseits sehen sie in seinem merkwürdigen Verhalten die Chance, ihn geschäftlich zu entmündigen, um das angeschlagene Unternehmen verkaufen zu können. Kurz darauf entwickelt Whit einen Plan, bei dem die mittellosen Schauspieler Aimee (Keira Knightley), Raffi (Jacob Latimore) und Brigitte (Helen Mirren) als Verkörperungen von "Liebe", "Zeit" und "Tod" den Kontakt zu Howard suchen sollen.

Auch wenn besonders Claire und später Aimee das Vorhaben moralisch in Zweifel ziehen, fühlen sich ihre Einwürfe wie Alibi-Bekundungen an. Tatsächlich scheinen Regisseur David Frankel und Drehbuchautor Allan Loeb keine Probleme damit zu haben, dass der seelisch verwundete Howard zu einer Schachfigur in einem fragwürdigen Täuschungskomplott gerät. Schon auf dem Papier wirkt die Prämisse reichlich absurd, was dem durchaus ernsten Anliegen des Films nicht zugutekommt. Im Kern verhandelt „Collateral Beauty“ die schwierige Frage, wie man mit dem Verlust eines Kindes umgehen kann. Die Macher präsentieren uns allerdings eine Erbauungsmär mit vielen simplen Kalendersprüchen.

Die erzählerischen Rädchen greifen dabei schön sauber ineinander. Je weiter die Handlung voranschreitet, umso deutlicher tritt jedoch die plump-manipulative Konstruktion des Ganzen in den Vordergrund. Nebenfiguren werden mit halbherzigen persönlichen Problemgeschichten versehen. Und am Ende zelebriert das Melodrama in weihnachtlichem Ambiente einen Twist, dem es in jeder Hinsicht an Glaubwürdigkeit fehlt. Als Lichtblicke erweisen sich einzig die Auftritte von Altstar Helen Mirren, die Brigitte mit Charme und Augenzwinkern als leidenschaftlich-vorpreschende Schauspielerin verkörpert. Ein besserer Film wird deshalb aus Collateral Beauty aber noch lange nicht.

15.02.2017

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Kommentare

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Maratonna

vor 2 Jahren

Kein Film für junges Popcorn Publikum. Man kann die Story vielleicht für etwas konstruiert halten, aber in welchen Filmen ist sie es denn nicht? Will Smith spielt glaubwürdig und lässt einen nicht kalt. Für mich ein hervorragender Film, der nie langweilig wird oder ins absurde driftet. Ohne Schiesserei, ohne Verfolgungsjagd, ohne 3-D Effekte, ganz einfach mit sorgfältig durchdachten Dialogen und angenehmen Tempo, der zum Nachdenken anregt. Eine Bereicherung für das Kino und Abwechslung zum üblichen Mainstream-Schrott.Mehr anzeigen


DoPe

vor 2 Jahren

Zu 95 % trifft dieser Film, was in unterschiedlichen Formen mit einem passiert, wenn das eigene Kind stirbt. Ich kann mich nur lili101 mit ihrer Bewertung anschliessen. Manchmal ist das wirkliche Leben halt ein schlechtes Drehbuch. Mann und Frau trauern unterschiedlich, was hier auch eindrücklich geschildert wird. Das es vieles zwischen Himmel und Erde gibt, was wir nicht alles verstehen, lässt auch Hoffnung zu. Schlussendlich auch ein happy end, wenn man sich als Eltern wieder findet.Mehr anzeigen


magix

vor 2 Jahren

Eigentlich hatten wir auf einen emotionalen Film gehofft. Die Geschichte ist aber so platt erzählt, dass man sich gegenseitig anschaut und darüber staunt, dass solch gute Schauspieler ein solch schlechtes Drehbuch erhalten


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