The Counselor Grossbritannien, USA 2013 – 117min.

The Counselor

Filmkritik

Dem Abgrund entgegen

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

Obwohl das Drehbuch-Debüt von Pulitzer-Preisträger Cormac McCarthy im Kern eine konventionelle Thriller-Geschichte erzählt und von Ridley Scott mit einem Staraufgebot in Szene gesetzt wird, bietet es alles andere als leicht verdauliche Mainstream-Kost.

Ein angesehener Anwalt (Michael Fassbender), den alle nur Counselor nennen, erfährt über den zwielichtigen Reiner (Javier Bardem) von einem lukrativen Drogendeal und entschließt sich einzusteigen, da er seiner Verlobten Laura (Penélope Cruz) ein ausschweifendes Leben ermöglichen will. Zwar warnt ihn Mittelsmann Westray (Brad Pitt) vor der Brutalität der mexikanischen Kartelle, doch der Counselor ist wild entschlossen, zu schnellem Geld zu kommen. Was niemand ahnt: Reiners geheimnisvolle Freundin Malkina (Cameron Diaz) verfolgt eigene Pläne und untergräbt den Transport der Ware.

Wie in McCarthys gefeiertem Roman No Country for Old Men, den die Coen-Brüder für die Leinwand adaptierten, spielt sich das Geschehen in The Counselor ebenfalls im texanisch-mexikanischen Grenzgebiet ab und handelt vor allem von der unersättlichen Gier des Menschen sowie der Macht des Schicksals. Das Motiv eines aus dem Ruder laufenden Verbrechens ist sicherlich so alt wie das Kino selbst. Und doch erfährt es hier eine interessante Variation. Anders als üblich, erhalten wir nur wenige Informationen über die Hintergründe des Deals und die genaue Rolle des Counselors. Stattdessen arbeitet das Drehbuch immer wieder mit Auslassungen, sodass sich einige Verwicklungen erst verzögert in ihren grausamen Ausmaßen erschließen.

Spannung bezieht der Thriller zunächst aus den wiederkehrenden Gesprächssituationen, in denen der Protagonist vor dem Einsteigen in das Drogengeschäft gewarnt wird. Als der Deal dann schließlich schiefläuft, entwickelt The Counselor trotz manch geschwätzig-philosophischer Abschweifung einen eigenartigen, aber eindringlichen Sog. Während andere Hollywood-Filme gegen Ende eine Erlösung von allen Qualen anbieten, treibt McCarthy die Ereignisse unausweichlich und äußerst brutal in die Katastrophe.

Wirkliches Mitleid mit den auftretenden Figuren unterbindet der Film, abgesehen von der unwissenden Laura, allerdings konsequent. Ob der karikaturenhafte Möchtegern-Gangster Reiner, der scheinbar abgebrühte Westray oder der arrogant auftretende Counselor - sie alle haben sich von der Gier verblenden lassen und sind für ihr Schicksal selbst verantwortlich. Eine bedrohliche und zugleich betörende Faszination geht hingegen von Cameron Diaz aus, die als raubtierhafte Femme fatale den letztlich hilflosen Männern haushoch überlegen ist.

16.12.2013

3

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Kommentare

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Blanca

vor 3 Jahren

Hier habe ich mir definitiv mehr erhofft, vor allem bei diesem Staraufgebot. für mich konnte dieser Film nie Spannung erzeugen, fand ihn grösstenteils sogar sehr langweilig. einige gute Szenen hatte er dennoch.


Gelöschter Nutzer

vor 4 Jahren

Für viele ist 'The Counselor' nicht das, was sie erwarten; das ist auch gut so. Es ist eine wilde Geschichte, von der keiner wirklich Ahnung bekommt, wie sie für alle gleichgestellten Protagonisten darin verläuft


virtale

vor 5 Jahren

Sehr langweilig und voraussehbar.


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