Voll Abgezockt USA 2013 – 112min.

Filmkritik

Wie man Lebenszeit stiehlt

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Was tun, wenn die Identität gestohlen und damit Schindluder betrieben wird? Das ist die Frage, mit der sich Identity Thief beschäftigt – allerdings nur anfänglich. Denn in Windeseile gerät das Werk zur konventionellen Roadtrip-Komödie, bleibt dabei aber immer im Rahmen des Erwartbaren.

Sandy Patterson wird die Kreditkarte gesperrt. Kurz danach wird er verhaftet. Aber er hat nichts getan. Wie sich herausstellt, hat jemand in Florida seine Identität gestohlen. Dumm nur, dass die Polizei nichts tun kann, da die Straftaten in einem anderen Bundesstaat begangen wurden. Da Sandys Job auf dem Spiel steht, entwickelt er einen kühnen Plan. Er will die Identitätsdiebin finden und sie von Florida nach Oregon bringen – doch das ist ein Road Trip, der alles andere als unproblematisch verläuft.

Identity Thief wirkt wie ein lustloses Remake von Due Date - und selbst der war nur ein Versatzstück altbekannter Buddy-Komödien. Die Ausgangslage ist unterschiedlich, der erzählerische Verlauf jedoch deckungsgleich. Allerdings ist das Skript frei von jedweder Inspiration. Darunter leiden auch die beiden Hauptdarsteller, die sich mühen, aber gegen die abgestandene Handlung keinerlei Chance haben. Melissa McCarthy ist am besten, wenn sie improvisieren kann. Hier wird ihr keinerlei Gelegenheit dazu gegeben. Jason Bateman wiederum ist im Grunde in solchen Komödien zuhause, aber normalerweise sind seine Figuren liebenswert. Hier ist er unsympathisch, dabei sollten Mitleid und Sympathien des Publikums auf seiner Seite sein.

Der Film ist sich zudem nicht sicher, was er eigentlich sein will. Versucht er sich anfangs an überbordende Humor, macht er plötzlich eine Kehrtwende hin zu übertriebener Sentimentalität - und das nicht nur, als das ungleiche Paar zu Freunden wird. Wenn McCarthys Figur auf die Tränendrüse drückt und ihre traurige Lebensgeschichte zum Besten gibt, dann stellt sich der Eindruck ein, als würde man sich in einem gefühlsduseligen Fernsehfilm befinden. Im Kontext der Geschichte funktioniert das nicht. Aber das gilt auch für andere Elemente des Films, so die Kopfgeldjäger, die hinter der Identitätsdiebin her sind, in narrativer Sicht aber keinerlei Zugewinn darstellen.

Ein paar Gags funktionieren durchaus, aber sie gehen in einem Meer der Banalität unter. Identity Thief ist ein Film nach dem Malen-nach-Zahlen-Prinzip. Er wagt nichts, er probiert nichts, er folgt einfach stur etablierten Regeln. Mit Müh und Not könnte das ordentlicher Durchschnitt sein, aber die Drehbuchdefizite sorgen für Enttäuschung auf ganzer Linie.

28.03.2013

2

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Kommentare

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Muratori01

vor 5 Jahren

War im kino, hatte witzige szenen, jedoch gibt es bessere lacher.. Einmal schauen ok


riexx75

vor 6 Jahren

unerwartet doch lustiger wie vorher gedacht


gefuehlsmensch

vor 6 Jahren

ein mittelmäßiger Lacher.


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