Fast and Furious 6 USA 2013 – 130min.

Filmkritik

Boliden, Babes und blöde Sprüche

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Fahr oder stirb - ein Motto wie ein Mantra und das perfekte Destillat, was die Hochgeschwindigkeitsreihe betrifft. Alles andere ist frei von Relevanz. Zwar wird die Familie als höchstes Gut immer wieder beschworen, letzten Endes interessieren sich aber alle – Protagonisten und Zuschauer – nur für durchdrehende Reifen.

Owen Shaw (Luke Evans) steht mit seinem Team kurz davor, eine letzte Komponente für ein Programm zu stehlen, mit dem man einem ganzen Land den Saft abdrehen kann. Interpol-Agent Hobbs (Dwayne Johnson) braucht Hilfe und wendet sich an Dom Toretto (Vin Diesel), der keinen Grund hätte, dem Agenten zu helfen. Aber dann zeigt er ihm ein Foto: Von seiner tot geglaubten Freundin Letty (Michelle Rodriguez), die ein Teil von Shaws Team ist.

Mit den Wurzeln der Reihe – illegalen Rennen – hat dieser sechste Teil kaum noch etwas gemein. Zwar gibt es auch hier ein Rennen quer durch London, es verblasst aber im Vergleich zum Action-Crescendo, das der Film sonst zu bieten hat. Es ist jedoch nicht das einzige, was bei Fast and the Furious 6 extrem blass ist. Blass sind auch die Figuren, die Geschichte, der emotionale Gehalt. Immer dann, wenn der Film einen Gang zurückschaltet und versucht, mit Dialogen ein Mindestmaß an Charakterbildung zu betreiben, verfällt er dem totalen Stillstand. Die Sequenz, in der Dom nach dem Rennen erst mit Letty, dann mit Shaw und schließlich mit O'Connor spricht, ist lang – und langweilig. Lediglich ein paar besonders dümmliche Sprüche, die cooles Verve haben sollen, fallen auf. Nicht, weil sie funktionieren, sondern weil das eben nicht der Fall ist. Unfreiwilliger Humor ist Trumpf.

Bauernschlaue Weisheiten gibt es am laufenden Band. "Zeig mir, wie du fährst und ich sage dir, wer du bist", gibt Diesel zum Besten, ohne mit der Wimper zu zucken. Es ist eine Sache, solche Plattitüden zu schreiben, eine andere, sie mit ernsthafter Intonation von sich geben zu können. Mehr Schauspiel als das ist von Diesel & Co. hier aber gar nicht zu erwarten. Wer cool ist, der verzieht keine Miene. Ganz egal, was passiert.

Die Action-Sequenzen sind zwar gefällig, mittlerweile aber so jenseits aller Realität, dass nicht mal mehr versucht wird, die Illusion von Authentizität vorzugaukeln. Die Protagonisten sind unverwundbare Superhelden - es sei denn, jemand muss sterben, weil das Drehbuch einen emotionalen Beat verlangt. Nach Logik fragt man besser nicht, es wäre vergebens. Und das ausgerechnet bei einem Film, der mit der Nachklappe nicht nur den siebten Teil vorbereitet, sondern auch noch den dritten stärker ins Franchise eingliedert, auch wenn das einigermaßen ungelenk geschieht.

15.02.2021

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Kommentare

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sunshine280

vor 7 Jahren

sper Film tolle Story und Action


alainnunez

vor 8 Jahren

J'ai adoré


Barbarum

vor 8 Jahren

Fast 5 hat mir persönlich besser gefallen. Das ganz hat dort mehr Schmackes, die Story wirkte dichter. Doch wer nichts gegen übertriebene Action-Einlagen hat, ist auch hier genau richtig, und die Macher bringen auch hier, was das Zielpublikum verlangt und zwar Non-Stop, da wird sogar die Fahrt zu einer Entbindung zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen benutzt. Irgendwo zwischen 3 und 4 in der Bewertung. Ich will mal nicht so sein und runde auf.Mehr anzeigen


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