The Silver Linings Playbook USA 2012 – 122min.

The Silver Linings Playbook

Filmkritik

Romantische Feelgood-Komödie

Patrick Heidmann
Filmkritik: Patrick Heidmann

Bradley Cooper als depressiver Enddreissiger, der wieder zu seinen Eltern zieht? Selten war ein Film des immer mal wieder umstrittenen Regisseurs David O. Russell (The Fighter) so intim, so lebensbejahend und - bei aller Ernsthaftigkeit - so lustig wie diese romantische Feelgood-Komödie.

Der Film beginnt damit, dass Pat (Bradley Cooper) von seinen Eltern (Robert De Niro und Jackie Weaver) nach einem gerichtlich angeordneten Aufenthalt in der Psychiatrie zurück nach Hause geholt wird. Von dort aus will er einen Neuanfang wagen und vor allem seine Ex-Frau zurückerobern, die verständlicherweise jeden Kontakt abgebrochen hat. Seinem Therapeuten misstraut er zwar fast so sehr wie den verschriebenen Medikamenten. Doch zumindest von der Zufallsbekanntschaft Tiffany (Jennifer Lawrence) erhofft er sich Hilfe. Die junge Frau, die ihrerseits psychisch alles andere als stabil ist, soll einen Brief überbringen und damit die Wiederannäherung einleiten. Als Gegenleistung besteht Tiffany darauf, dass Pat gemeinsam mit ihr an einem Tanzwettbewerb teilnimmt. Das führt anfangs zu jeder Menge Reibereien, nicht nur weil Pat wenig tänzerisches Talent hat. Doch nach und nach kommen sich die beiden ungleichen, aber doch verwandten Seelen immer näher.

Keine Frage: The Silver Linings Playbook ist der bislang persönlichste Film von David O. Russell. Auf die ganz großen Ideen und Krisen verzichtet er zugunsten einer kleinen, intimen Geschichte, die trotz aller Psycho-Dramen erstaunlicherweise federleicht wirkt. Wie zuletzt schon in The Fighter beweist der Regisseur viel Gefühl bei der detailreichen Zeichnung eines sehr spezifischen Milieus sowie der ihm innewohnenden Figuren und vertraut mit Nachdruck auf die temporeichen, amüsant geschliffenen Dialoge. Hervorragende Schauspieler tun ihr Übriges: Cooper war noch nie so überzeugend und De Niro seit Jahren nicht mehr so lebendig, während Lawrence sich nach Winter's Bone, X-Men: First Class und The Hunger Games erneut als die vielleicht Beste ihrer Generation erweist.

So macht The Silver Linings Playbook auf jeden Fall viel Spaß und weiß auch emotional durchaus zu berühren. Zum ganz großen Wurf fehlt der Komödie dann aber - aller genauen Beobachtungen zum Trotz - vielleicht doch das letzte bisschen Authentizität. Ganz so ausgefeilt und clever wie in diesem Drehbuch spricht in der Realität eben doch niemand, ganz so gut wie auf der Leinwand behauptet passen der Straftäter und seine mindestens 15 Jahre jüngere, extrem sprunghafte Partnerin womöglich doch nicht zusammen. Und vor allem sind im echten Leben schwere Persönlichkeitsstörungen einfach doch sehr selten der Stoff für leichtfüßige Wohlfühl-Romanzen.

16.01.2013

4

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Kommentare

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alex icon

vor 4 Jahren

Echt überraschend! Und Jennifer Lawrence hat sich einmal mehr bewiesen..


riexx75

vor 4 Jahren

wow, tolle leistung von jennifer lawrence, den film ist OK, sticht hervor durch tolle schauspieler


julianne

vor 4 Jahren

Einer der besten Filme aller Zeiten alle die das nicht so sehen null Ahnung!!!!! Einer meiner absoluten Lieblingsfilme und der wahre oscarwinner 2013!!!!!!!!!


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