Tim und Struppi - Das Geheimnis der Einhorn Belgien, Neuseeland, USA 2011 – 107min.

Filmkritik

Liebevolle Verneigung

Patrick Heidmann
Filmkritik: Patrick Heidmann

Steven Spielbergs erstem Film seit drei Jahren schlug anfangs Skepsis entgegen. Die Vorlage gehört zu den ikonischsten Comics aller Zeiten. Warum also sollte er nicht als klassischer Zeichentrickfilm, sondern als Performance-Capture-Adaption auf die Leinwand gebracht werden? Und noch dazu von einem Amerikaner, wo doch Hergés Tim und Struppi-Hefte europäischer kaum sein könnten?

Doch Fans dürfen aufatmen. Gleich der erste Auftritt des jungenhaften Reporters (Jamie Bell) ist eine augenzwinkernde und liebevolle Verneigung vor den ab 1929 entstandenen Comics. Und auf Spielbergs Zitierfreude, aber auch seinen Respekt gegenüber der Vorlage ist in diesem Film - er wurde von Tim und Struppi-Fan Peter Jackson mitproduziert und kombiniert Elemente aus drei Bänden - durchwegs Verlass.

Als Tim auf dem Flohmarkt ein altes Modellschiff ergattert, wird schnell klar, dass das Fundstück ein Geheimnis birgt. Viel Zeit herauszufinden, was genau hinter der "Einhorn" steckt, bleibt ihm nicht. Denn der zwielichtige Sakharine (Daniel Craig) scheut vor Mord und Entführung nicht zurück, um seinerseits in den Besitz des Schiffs zu gelangen. Zusammen mit seinem weißen Foxterrier gibt Tim sich aber natürlich nicht so schnell geschlagen. Erst recht nicht, als er mitten auf hoher See die Bekanntschaft des griesgrämigen, dauerbetrunkenen Kapitän Haddock (Andy Serkis) macht, der mit Sakharine auch noch die eine oder andere Rechnung offen hat.

In Anlehnung an seine eigenen Indiana Jones-Filme inszeniert Spielberg seinen neuen Film als rasantes Action-Abenteuer für die ganze Familie. Wilde Verfolgungsjagden und hochamüsante Slapstik-Einlagen, zu entschüsselnde Hinweise und kostbare Schätze - fast alles, was man aus den Comics kennt, wird geboten. Tim ist auch bei ihm das vergleichsweise gesichtslose Zentrum der Geschichte, um das herum die sehr viel facettenreicheren Nebenfiguren strahlen dürfen: Haddock als Gaglieferant, Struppi als heimlicher Held, aber auch die ungeschickten Detektive Schulze und Schultze oder die Opernsängerin mit Namen Castafiore.

Besonders liebevoll sind Detailfreude und Einfallsreichtum auf visueller Ebene. Da ist nichts zu sehen von dem "Tote Augen"-Syndrom, an dem andere Performance-Capture-Filme oft litten. Überhaupt nutzt Steven Spielberg die Möglichkeiten des Verfahrens für etliche beeindruckende Sequenzen - eine vom ausnüchternden Haddock erzählten Rückblende etwa, in der Realität und Erinnerung auf faszinierend nahtlose Weise ineinander übergehen. Die Frage, ob es ein herkömmlicher Zeichentrickfilm nicht auch getan hätte, wird dadurch nicht obsolet. Aber fast.

15.11.2011

4

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Kommentare

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tongmick2010

vor 9 Jahren

Wirklich cool... mal was ganz neues und nur schon die Stäubchen in 3D sind sehenswert. Super Unterhaltung auf der ganzen Linie...


KLAN69

vor 9 Jahren

Schade, dass solche sehr gute Filmumsetzung nicht öfters es gibt.
Bin gespannt auf den zweiten Film


papepipopupilon

vor 10 Jahren

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