Gomorrha - Eine Reise ins Reich der Camorra Italien 2008 – 137min.

Filmkritik

Macht, Geld, Blut

Pascal Jurt
Filmkritik: Pascal Jurt

"Gomorra" beginnt mit einer Kamerafahrt über einen segelförmigen Block in einem Stadtteil Neapels. In der Wohnsiedlung baden Kinder in einem kleinen Pool auf einem Dach. Ein paar Meter weiter überwachen Männer mit Maschinenpistolen das Areal, als ob es sich um einen Hochsicherheitstrakt handle.

Der italienische Regisseur Matteo Garrone hat in der verelendeten Gegend Scampia in der nördlichen Peripherie der Stadt drehen dürfen. In diesem Vorort wohnen offiziell 50'000, inoffiziell 30'000 Menschen. Ein mächtiger Clan, der die Gegend kontrollierte, spaltete sich 2004, was wiederum zu bösem Blut führte. "Gomorra" stützt sich auf verschiedene Episoden aus Roberto Savianos gleichnamigen Buch. Der junge Journalist Saviano, der inzwischen unter Polizeischutz steht, dokumentierte darin, wie sich die Macht der Mafia ökonomisch, geographisch und politisch ausbreitet. Saviano zeichnet in seinem Bestseller ein umfassendes Bild des Systems der organisierten Kriminalität, das sich nicht nur auf die territoriale Organisation der Camorra bezieht, sondern auf den Kreislauf, an dem alle beteiligt sind. In den Katakomben des Wohnblocks "Vela", der auch architektonisch an ein Gefängnis erinnert, kreuzen sich die Geschichten.

"Gomorra" erzählt vom Kampf ums tägliche Überleben anhand von fünf Handlungssträngen. Die Geschichte des dreizehnjährigen Toto - sein Vater sitzt im Gefängnis - der, als er sich für einen anderen Clan entscheidet, zwischen die Fronten eines Bandenkrieges gerät. Die Geschichte von Don Ciro, dem biederen Buchhalter der Mafia, der den Angehörigen inhaftierter oder toter Mitglieder täglich ihr Gehalt auszahlt. Auch er wird - trotz seiner schusssicheren Weste - noch in gehörigen Schlamassel geraten. Die Geschichte von Marco und Ciro, zwei jugendliche Taugenichtse, die ihrem Vorbild Tony Montana zu sehr nacheifern und einen mächtigen Mafiaboss übers Ohr hauen. Andere werden nur knapp überleben. So zum Beispiel der Schneider Pasquale, der Haute-Couture-Kleider imitiert. Sein Patron, der unter dem Druck der Camorra steht, drückt die Löhne der Arbeiterinnen, so dass selbst eben sein ergebener Couturier Pasquale ihn verrät.

"Gomorra" wagt einen unglamourösen, neo-neorealistischen Blick auf den italienischen Racketkapitalismus. Der im dokumentarischen Duktus gedrehte Film schafft es, die Microstoria mit der Kritik der politischen Ökonomie zu verbinden. Der Film, der mit einem Grossteil von Laien an den Originalschauplätzen gedreht wurde, erkundet ziemlich nahe die zerstörte Lebenswelt, verliert aber durch diese perspektivische Annäherung nicht den Gesamtzusammenhang aus den Augen. Nicht nur die Kontrolle der Mafia über die Textilindustrie, sondern auch die Abfallwirtschaft wird thematisiert. Die fünfte Geschichte, die "Storia di Franco e Roberto" soll aus Aktualitätsgründen hier nicht erzählt werden.

05.11.2008

3

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Kommentare

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andreasdu

vor 11 Jahren

der film hat so gut wie keine handlung. Es geht um viele kleine einzeleinblicke in das leben von menschen die aber keinen bezug zu einander haben. Außer das es ihnen fast durch die bank weg schlecht geht. ich finde den film enttäuschen und reine zeitverschwendung


olag

vor 11 Jahren

Der Film gewährt einem einen Einblick in heruntergekommene Vorort-Welt. Insgesammt ok, aber die Spannung fehlt während der meisten Zeit des Filmes


aras86

vor 11 Jahren

SEHR GUT!!!


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