Hostel USA 2005 – 94min.

Filmkritik

Die, die für Gewalt bezahlen

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Zur Mitte der 2000er-Jahre herrschte im Horror der Torture-Porn-Trend vor, begonnen mit «Saw», dann zementiert mit Eli Roth‘s «Hostel», in dem er nichtsahnende Touristen in einem osteuropäischen Hotel von Menschen zu Tode foltern lässt, die dafür bezahlen.

Rucksacktouristen werden in der Slowakei von Lockvögeln geködert und finden sich alsbald in misslicher Lage wieder – sie sollen zu Tode gefoltert werden. In einem exklusiven Club, dessen Mitglieder für dieses „Vergnügen“ bezahlen. Eli Roth war damals schon für deftigen Horror bekannt, mit «Hostel» legt er aber noch mal eine Schippe drauf, da er den Zuschauer mit seiner Position als Voyeur des Ganzen konfrontiert.

Wenn Eli Roth seine unschuldigen Rucksacktouristen in einem Menschenschlachthaus zu Tode foltern lässt, dann ist das oberflächlich natürlich ein Ansprechen niederster Instinkte. Ein Kritikpunkt, der vielen der so genannten Torture-Porn-Filme entgegengebracht wurde. Oftmals mag er greifen, bei diesem Film (und der ersten Fortsetzung) gilt er aber nicht gänzlich. Natürlich will der Autor und Regisseur mit den drastischen Bildern schocken, er bugsiert den Zuschauer aber auch in eine Lage, nicht unähnlich derer, die dafür bezahlen, Menschen zu Tode foltern zu können.

Der Zuschauer bezahlt, um das zu sehen. Das verleiht dem Ganzen eine Metaebene, die durchaus unangenehm ist, da sie den Zuschauer zwingt, über sich selbst nachzudenken – zumindest dann, wenn er den Horror nicht völlig oberflächlich goutiert, sondern zur Introspektion fähig ist. Darüber hinaus ist der Film narrativ interessant gestaltet. Er lässt sich Zeit, bis die Protagonisten ihrem Schicksal zugeführt werden. Das mag langatmig erscheinen, kommt aber mit einem sich konstant steigerndem Gefühl der Bedrohung daher. Aber: Kein Film für Zartbesaitete.

12.07.2022

4

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Kommentare

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temolus59

vor 9 Jahren

Yeh! genau das wollte ich schon lange mit meinem Chef machen! Einfach Geil!


ralfkoerber

vor 9 Jahren

In der Tat

Als ich " Hostel" das erste mal gesehen habe, war ich schockiert und stellte mir immer wieder eine Frage:

Welche dunkeln Fanatasien muss Quentin Tarantino haben, um solch einen Film zu drehen, der an Grausamkeiten kaum zu überbieten ist, wie auchdie Hostelfilme II und III.

Auch wenn die Handlung der Filme eher mittelmässig ist, so wird doch eines klar. Auch in der Realität wurden- und werden Menschen im Verborgenen gequält, gefoltert und ermordet. Ohne es sicher zu wissen, könnte ich mir durchaus vorstellen, dass man für viel Geld auch solche Grausamkeiten geboten bekommt.

In einer Welt voller Korruption, Hass, Neid, Missgunst, krimineller Energie usw. wäre dieses Szenario in der Realität nicht undenkbar.

Allgemein macht mir Sorgen, dass besonders diese Art von Filmen bei Jugendlichen auf reges Interesse stösst. Wir müssen uns nicht wundern, dass das Agressionspotential besonders bei jungen Menschen wächst, mit zunehmenden Konsum von grausamen Horrorstreifen, in dem es schon lange nicht mehr darum geht, wie gut die Handlung eines Filmes ist, sondern wie realistisch besonders die Folterungen- und Tötungen sind. Ganz schön traurig und wenn wir uns mal wieder wundern, weil irgendwo in Deutschland, USA- oder sonst wo auf der Welt wieder ein Massaker an einer Schule verübt wurde.

Statt uns immer mehr zu anonymisieren, sollten wir mehr miteinander reden und Sorge tragen für den anderen.
Besonders die Eltern sind gefragt, Aufklärungsarbeit zu leisten und sensibler zu werden, wenn sich ihr Kind durch den Konsum solcher Filme auffällig anders benimmt.

An dieser Stelle sei gesagt. Orientieren wir uns doch an den schönen Dingen des Lebens, denn die Realität ist grausam genug.Mehr anzeigen


xMysticGaMe

vor 10 Jahren

Ziemlich spannend die ganze Zeit. Sehenswert!


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