Ritter aus Leidenschaft USA 2001 – 132min.

Filmkritik

A Knight's Tale

Filmkritik: Philippe Blumenthal

Wie passen neuzeitliche Dialoge zu altertümlichem Ambiente? Wieso skandiert das Publikum "We Will Rock You" vor einem Lanzenkampf hoch zu Ross und seit wann tanzen die adligen Rittersleut' zu David Bowie? Die Lösung ist, wenigstens gemäss Regisseur Brian Helgeland, einfach: "Unser Ziel war es, eine nahtlose Verbindung zwischen Damals und Heute zu schaffen."

Als sein edler Herr bei einem Turnier schwer verletzt wird und unter einem Baum seinen Lebensatem endgültig aushaucht, beschliesst sein Gehilfe William seine Stelle einzunehmen und zu kämpfen. Dabei schlägt er sich so achtbar, dass er sich mit Hilfe seiner beiden Freunde Roland (Mark Addy) und Wat (Alan Tudyk) sowie des Dichters Geoff Chaucer (Paul Bettany) aufmacht fortan als edler Rittersmann Turniere zu bestreiten. Sein Name soll Ulrich von Lichtenstein lauten - so steht es auch in seiner von Chaucer angefertigten Ahnentafel! Er kämpft sich von Sieg zu Sieg, dass die Lanzen nur so zersplittern, den Pöbel begeisternd und die bildschöne Edeldame Jocelyn (Shanyn Sossamon) bezirzend - ach wie emotional. Count Adhemar (Rufus Sewell) sieht dies freilich nicht so gerne und schmiedet Pläne den tapferen, aber eben nicht unbedingt adeligen Recken zu Fall zu bringen.

Brian Helgeland etablierte sich 1999 mit seinem Regieerstling "Payback" als publikumswirksamer Filmemacher, nachdem er bereits den Oscar für sein Drehbuch zu "L.A. Confidential" erhalten und ein weiteres für "Conspiracy Theory" verfasst hatte. Seine zweite Regiearbeit, "A Knight's Tale", ist - leider - eine komplette Abkehr von diesen mit Überraschungen und klugen Wendungen gespickten Filmen.

Die Story von "A Knight's Tale" ist simpel, fast zu simpel für eine Laufzeit von über 2 Stunden und im Mittelteil macht sich Langeweile breit. Zwar sind die Ritterturniere spektakulär gestaltet und das Zerbersten der Lanzen hat vor allem zu Beginn noch seinen Reiz, nur ficht Ritter von Lichtenstein dermassen oft und Helgeland filmt diese Szenen immer dermassen gleich, dass einem spätestens nach dem zehnten Kampf die visuelle Lust am Rüstungen zerbeulen vergehen kann. Heath Ledger, bei uns als Sohn von Mel Gibsons Charakter in "The Patriot" bekannt geworden, agiert, man möge mir den abgegriffenen Begriff verzeihen, hölzern wie seine Lanzen, Rufus Sewell ("Dark City") ist ein richtig böser Bösewicht, auch weil er halt so aussieht, und die weiblichen Schönheiten sind eigentlich nicht viel mehr als Staffage. Kein Wunder stiehlt Paul Bettany jedem die Show sobald er in einer Szene auftaucht, dafür braucht es freilich nicht allzu viel der Schauspielkunst.

"A Knight's Tale" wird sicher sein Publikum finden, sofern man keine authentische Aufarbeitung der doch so ehrenvollen Ritterspiele und keine Komplexität à la Excalibur erwartet. Die eingangs erwähnte Verbindung zwischen alt und neu funktioniert nur schlecht und wird erheblich überstrapaziert, wirkt aufgesetzt und schliesslich nur peinlich. Dialogwitz und einige köstliche Momente lockern die arg fade Geschichte immerhin noch etwas auf. Sun, Fun und Ritter kloppen, so lautet das Motto. Nichts mehr, nichts weniger.

19.02.2021

2

Dein Film-Rating

Kommentare

Sie müssen sich zuerst einloggen um Kommentare zu verfassen.

Login & Registrierung

Tatschi82

vor 8 Jahren

Ein sehr unterhaltsamer Film zum immer wieder schauen. Ich persönlich finde Heath Ledger ja wirklich toll, aber Paul Bettany ist noch toller; -).


tuvock

vor 17 Jahren

Der Film hat von allen was, Beginn von Werbung, Entstehung von Emanzipationsgedanken, Abenteuerlust, und das ganze ist vom Regisseur in eine sehr ulkige Schale gepackt worden. Ein Film den man sich des öfteren angucken kann. Die Story ist auf alle Fälle empfehlenswert, da sie von überall was hat, sie ist lustig und bietet sehr viel ansehnliche Stunts. So macht das Mittelalter endlich Spaß. Nicht nur halbverhungerte verweste Pestkranke am Weg zum Selbstmord, sondern auch durch Rockmusik unterlegte romantische Discotänze im Ballsaal der Herzogin.

Die Schauspieler wie gesagt spielen sehr überzeugend, sie haben auch den richtigen Gesichtsausdruck, nicht so ein Modernes verkorkstes Hausväterchen oder Mütterchen Image. Und durch die Location in der Nähe von Prag, das ja so wieso mittelalterlich aussieht, bekommt der Film einen eigenen wunderbaren rockigen Flair.

Der Film hat einen eigenartigen weisen Humor, den man schon oft vergeblich in Filmen gesucht hat, und so ist er auch für nicht Taube ältere Kinobesucher sehr geeignet.


92, 55 von 100Mehr anzeigen


tuvock

vor 17 Jahren

Also WILLIAM nimmt an jedem Turnier teil, und der abgereiste im Krieg kämpfende ADHEMAR erfährt davon und plant natürlich auch ins Turnier zu ziehen und seinen Erzrivalen zu besiegen. Da ist nämlich noch was vorgefallen, was ADHEMAR geärgert hat, und WILLIAM auch irgendwie, und dann will WILLIAM eine neue Rüstung und hat kein Geld, noch dazu hat GEOFFREY Geldprobleme, weil er dem Glücksspielteufel verfallen ist, und jetzt muß er mal 10 Goldtaler auftreiben um seine Schulden zu bezahlen. Da treffen sie auf die Schmiedin KATE. Und der Film geht super weiter.

Die Schauspieler sind Models, sie sind hübsch, vor allem die männlichen Schauspieler, und das nur für die weiblichen Zuseher, und einen geringen Anteil männlicher Zuschauer, dafür sind die Weiblichen Schauspielerinnen für einen Großteil der Männlichen Zuschauer sehr attraktiv, aber auch nur für den Teil der keine wütenden Freundinnen hat die auch Schwertkämpfe mit linken Händen austeilen, und dann hat man ein kleines Problem am Solar Plexus. Freundins Hand ist eben genau so stark wie ein Zweihandschwert aus dem Mittelalter.

Die Story ist wirklich irre, sie ist lustig, ironisch, nicht ernst gemeint, sie ist spannend, romantisch, und so ne Mischung zwischen „ Robin Hood – Helden in Strumpfhosen „ meets „ Ivanhoe der Schwarze Ritter „ versus „ Romeo und Julia „ meets „ Shakespeare in Love „ Die Story ist einfach ein Wahnsinn, und als man dann Queens „ We will Rock you „ hörte, zu einem Turnierkampf das die Leute im Frenetischen Applaus den Rittern zuschrien, während sie tanzend mit den Händen auf den Barrikaden tanzten, sind ein paar Leute aufgesprungen und haben geschrien, ja wir wollen euch auch rocken, und haben im Takt zur Musik die sehr Ohrwürmig sich in das Gehirn einschoß, dazugetanzt.
Im Hintergrund als Geräusch hörte man dann einige Solar Plexen knacken, von den Fäusten von auf Ruhe bedachten Freundinnen.

Das ganze der Film die Darsteller ist so eine richtige Hollywoodkonvention. Gut ist blond, böse ist schwarz. Der Film rattert auf Schienen wie eine Eisenbahn dahin und es kommt immer zu neuen Überraschungen. Das ganze macht auch Spaß anzusehen. Die Leute dort alle, das macht so irgendwie Bock, einen Reitkurs zu machen, und sich bei Ritterspielen zu beteiligen. Wenn man bedenkt, wie die Leute früher gelebt haben, was die alles gemacht haben, wie schwer die es im Leben hatten, wie viel Ärger, wieviel Armut, dazu der leicht verrückte Klerus, und am besten war es damals, das man wohl jede Frau rumgekriegt hat.Mehr anzeigen


Mehr Filmkritiken

Nomadland

A Quiet Place 2 - Abseits des Pfades

Wanda, mein Wunder

Mortal Kombat