Artikel13. Februar 2023

Alles aus? – 7 sehenswerte Darstellungen der drohenden Apokalypse

Alles aus? – 7 sehenswerte Darstellungen der drohenden Apokalypse
© Universal Pictures Switzerland

Vor dem Hintergrund der sich verschärfenden Klimakrise und immer neuer Konfliktherde auf der Welt sind Weltuntergangserzählungen aktueller denn je. Auch Mystery-Experte M. Night Shyamalan befasst sich in seiner diese Woche erscheinenden Romanadaption «Knock at the Cabin», nicht zum ersten Mal mit der Gefahr einer Apokalypse. Ausgehend von diesem Kinowerk wollen wir andere Filme und Serien vorstellen, die zu einem Zeitpunkt einsetzen, da die prophezeite Katastrophe noch nicht eingetreten ist und eine Rettung noch möglich erscheint.

Ein Artikel von Christopher Diekhaus

1. «Das siebte Zeichen» (1988): Das Böse im eigenen Haus

Gerade im Thriller- und Horrorgenre sind unheimliche Untermieter häufiger anzutreffen. Nur wenige haben es allerdings so faustdick hinter den Ohren wie der mysteriöse Fremde (Jürgen Prochnow), der sich in «Das siebte Zeichen» bei der schwangeren Abby Quinn (Demi Moore) und ihrem Ehemann Russell (Michael Biehn) einquartiert. Verheerende Ereignisse rund um den Globus, ihre eigenen verstörenden Albträume und das seltsame Verhalten des Hausgastes lassen die junge Frau das Schlimmste befürchten: Handelt es sich bei dem Mann etwa um den Engel der Apokalypse?

Der von Carl Schultz inszenierte Mix aus Mystery-Streifen, Drama und Schocker transportiert eine angreifbare Botschaft, gibt sich dem Endzeitraunen manchmal vielleicht zu sehr hin. Daneben dreht der Film aber versiert an der Spannungsschraube und verdichtet geschickt kollektive Ängste, ohne in stumpfsinnige Brutalitäten zu verfallen. In seinen biblisch inspirierten Untergangsfantasien ähnelt das Ganze durchaus Shyamalans jüngstem Streich «Knock at the Cabin».

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2. «Melancholia» (2011): Zwei Schwestern und das Ende

Unkonventionell sind die Arbeiten des dänischen Regie-Enfant-terribles Lars von Trier eigentlich immer. Wenig verwunderlich also, dass auch sein Beitrag zum Endzeitkino ungewöhnliche Wege beschreitet. «Melancholia» erzählt von den Schwestern Justine (Kirsten Dunst) und Claire (Charlotte Gainsbourg), die unterschiedlicher nicht sein könnten und daher auch ganz anders auf eine mögliche Gefahr für die Erde durch einen vagabundierenden Planeten reagieren. Während Erstere, die von einer Depression geplagt wird, dem drohenden Untergang positiv gestimmt entgegenblickt, wird Letztere zunehmend von Panik erfasst.

Kunstvoll sinniert der Film über die Krankheit unserer Welt und die menschliche Verzweiflung, wobei von Trier seine eigenen psychische Verfassung als kreativen Motor benutzt. Selten war Kirsten Dunst so gut wie hier. Und nicht oft wird die herannahende Apokalypse in einen derart reduzierten Rahmen gesetzt. Wem klassische Die-Menschheit-ist-am-Ende-Werke zum Hals raushängen, sollte «Melancholia» unbedingt eine Chance geben!

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3. «The World’s End» (2013): Sauftour mit Offenbarung

Muss die Apokalypse eigentlich immer ernst und düster sein? Nein, meint zumindest Edgar Wright, der mit «The World’s End» einen der wohl schrägsten Untergangsfilme gedreht hat. Der auch am Drehbuch beteiligte Simon Pegg spielt hier den in einer Midlife-Crisis gefangenen Gary, der seine Jugendfreunde dazu bringt, eine Sauftour aus alten Zeiten noch einmal in Angriff zu nehmen. Dabei merken die fünf Männer schliesslich, dass ihre Heimatstadt von gefährlichen Androiden unterwandert wurde.

Kantige Protagonisten, clevere Spielereien mit Versatzstücken des Science-Fiction-Genres, keine platten Moralvorträge, schwungvolle Darbietungen und bissige Seitenhiebe, etwa auf das Franchise-Wesen – diese Parodie hat wirklich alles zu bieten, was den drohenden Zusammenbruch der menschlichen Zivilisation zu einer unterhaltsamen Angelegenheit macht. Ob mit oder ohne Bier!

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4. «Noah» (2014): Russell Crowe als Gottes Werkzeug

Dass die Endzeit die Menschen schon immer umgetrieben hat, beweist die biblische Erzählung von Noah und seiner Arche, die er im Auftrag Gottes bauen sollte, um seine Familie und die Landtiere vor einer vernichtenden Flut zu retten. Darren Aronofskys sehr freie Version dieser Geschichte, die auf einer französischen Comicreihe basiert, erweist sich als spektakulärer Bilderreigen.

In dessen Mittelpunkt steht ein nicht gerade zum Sympathieträger taugender Protagonist, den Oscar-Preisträger Russell Crowe mit einer gewaltigen Portion Grimmigkeit verkörpert. Kritik entzündete sich vor allem an der politischen Agenda des Films, die zuweilen als fundamentalistisch eingestuft wurde. Mit seiner radikal ökologischen Botschaft ist «Noah» auf jeden Fall noch immer hochaktuell, sorgt die Frage, wie wir in Zukunft leben und mit der Umwelt umgehen wollen, doch für immer hitzigere Diskussionen.

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5. «The Umbrella Academy» (2019-heute): Superheldenfamilie mit reichlich Ballast

Ein exzentrischer Milliardär adoptiert im Jahr 1989 sieben unter höchst ungewöhnlichen Umständen geborene Kinder und formt sechs von ihnen zu einer Superheldentruppe. Als der alte Mann stirbt, kommen einige der über besondere Fähigkeiten verfügenden Geschwister zur Beerdigung zusammen und erfahren dabei, dass der Menschheit eine Apokalypse bevorsteht.

Die von Netflix in Auftrag gegebene Comicadaption «The Umbrella Academy» hebt sich nicht nur durch ihre manchmal ruppige Gangart vom üblichen Wir-retten-die-Welt-Zirkus ab. Auffallend ist auch, dass Actionelemente hinter den ausgefallenen Charakteren und den Dynamiken innerhalb der dysfunktionalen Familie zurücktreten. Untergangsszenarien spielen in den bislang veröffentlichten drei Staffeln jedes Mal eine zentrale Rolle, wobei dieser Aspekt recht wirkungsvoll mit dem Motiv des Zeitreisens verbunden wird.

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6. «Good Omens» (2019-heute): Engel und Dämon Hand in Hand

In der Serie «Good Omens», die auf dem gleichnamigen Fantasyroman von Terry Pratchett und Neil Gaiman basiert, raufen sich keine Superhelden zusammen, sondern ein Engel (Michael Sheen) und ein Dämon (David Tennant). Beide haben es sich in ihrem irdischen Dasein bequem gemacht und sind deshalb nicht im Geringsten an der Schlacht zwischen Gut und Böse interessiert, die nach der Geburt des Antichristen losbrechen soll. Ihre Bemühungen, der Apokalypse Einhalt zu gebieten, ziehen allerhand turbulente Verwicklungen nach sich.

Schon die Grundidee ist herrlich schräg, der Humor treibt wunderbare Blüten, Kuriositäten werden immer wieder gebührend ausgekostet, und die Schauspieler, allen voran die beiden Hauptdarsteller, sind mit Witz und Engagement bei der Sache. «Good Omens» ist eine kleine Perle im mittlerweile unübersichtlichen Seriendschungel – und soll im Sommer 2023 für eine zweite Staffel zurückkehren.

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7. «Don‘t Look Up» (2021): Wer braucht schon Wissenschaftler!?

Stell dir vor, du weisst, dass die Erde untergehen wird, und keiner will es hören. Der für seine rasanten, virtuos komponierten Filmsatiren bekannte Adam McKay schickt in «Don’t Look Up» ein Hollywood-Staraufgebot los, um Wissenschaftsleugnern und Faktenverdrehern den Spiegel vorzuhalten. Jennifer Lawrence spielt eine Doktorandin der Astronomie, die einen auf unseren Planeten zurasenden Kometen entdeckt. Ihr von Leonardo DiCaprio verkörperter Professor errechnet schliesslich das Datum des Einschlags, der die Menschheit auslöschen wird. Den Warnungen misst allerdings niemand Bedeutung bei.

Verglichen mit McKays vorherigen Kinoarbeiten «The Big Short» (2015) und «Vice» (2018) fällt «Don’t Look Up» sicherlich ab. Gleichzeitig vermittelt der Film aber viele kleine Wahrheiten. Wenn uns die Corona-Pandemie eines gelehrt hat, dann das: Manche Leute sind bereit, wissenschaftliche Erkenntnisse zu ignorieren und jede noch so abstruse Erzählung zu glauben, wenn sie sich damit nur etwas stärker fühlen können.

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