CH.FILM

Last dance Schweiz 2022 – 90min.

Filmkritik

Lass mich los und lass mich tanzen

Filmkritik: Laurine Chiarini

15 Jahre nach ihrem ersten Film kehrte die Schweizerin Delphine Lehericey nach Locarno zurück, diesmal auf die Piazza Grande, mit der Geschichte von Germain, einem Witwer, der eine ganz eigene Art hat, die Verbindung zu seiner verstorbenen Frau am Leben zu erhalten.

«Es ist wie in dem Film Ratatouille: Jeder kann kochen», erklärt Delphine Lehericey die Parallelen zwischen Kochen und zeitgenössischem Tanz. Diese Disziplin, die für alle zugänglich ist, kann auch von den Eigenheiten jedes Einzelnen profitieren – ein Konzept, das der Regisseurin und der spanischen Choreografin La Ribot, die hier ihre eigene Rolle spielt, sehr am Herzen liegt.

Aufgrund eines poetischen und gegenseitigen Versprechens fühlt sich Germain verpflichtet, das zu Ende zu bringen, was seine Frau begonnen hat. Daher ersetzt er kurzfristig ihren Platz bei der Vorbereitung einer Aufführung einer zeitgenössischen Tanzgruppe. Die Beziehung der beiden jungen Liebenden war von Beginn an intensiv, so kommunizieren sie mit süssen Worten und tragen die Initialen des anderen immer bei sich. Kunst sublimiert Erinnerungen, verschönert Kommunikation und lässt sie über den Tod hinaus fortbestehen.

Eine weitere Schweizer Präsenz in den Credits ist der Schauspieler Kacey Mottet Klein. Dieser ist seit Ursula Meiers «Home» von 2008 deutlich gewachsen und spielt ein Mitglied der Truppe, den Coach und Vertrauten von Germain. Bemerkenswert ist auch die Anwesenheit von Déborah Lukumuena, die zuletzt mit Gérard Depardieu in «Robuste» zu sehen war. Die Geschichte handelt von einem Trauerfall. Die Erzählform hingegen ist die einer Komödie, die es versteht, die Distanz zu ihren Protagonisten richtig zu dosieren.

Die Regisseurin schafft es, aus einem schweren Thema einen lustigen und leichten Film zu machen, dem es nicht an Taktgefühl mangelt. Germains Kinder bringen ihn zur Verzweiflung, weil sie ihn selbst wie ein Kind behandeln: Die Truppe, ein neutraler Ort, an dem jeder akzeptiert und niemand verurteilt wird, wird ihm eine zweite Familie bieten. Last Dance ist gut geschrieben, vermeidet elegant dramatische Auswüchse, ist von 7 bis 77 Jahren zugänglich und hält uns einen liebevollen Spiegel vor, in dem jeder ein kleines Stück seiner Reflexion finden wird.

Übersetzung aus dem Französischen von Laurine Chiarini durch Nicole Janssen.

10.01.2023

4

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Kommentare

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beatseiler

vor 29 Tagen

Last Dance hat mich sehr überzeugt: er ist witzig und ausserordentlich unterhaltsam.


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