Wunderschön Deutschland 2020 – 131min.

Filmkritik

Wenn das Leben sich verändert …

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Karoline Herfurths Film hätte schon im Jahr 2020 in die Kinos kommen sollen, wurde der Corona-Pandemie wegen aber immer wieder verschoben. Nun gibt es den etwas zu lang geratenen Film zu sehen, der sich mit Fragen des Selbstwerts befasst.

Fünf Frauen, fünf Geschichten, wie sie mit ihrem Selbstbildnis und den Erwartungen der Gesellschaft umgehen. Da ist Sonja, Mutter zweier Kinder, die wieder arbeiten will, was das leben ihres Mannes in Chaos stürzt. Ihre Freundin Vicky, die unverbindlichen Sex ohne Liebe sucht. Frauke, die sich von ihrem Mann nicht mehr geliebt fühlt. Das Model Julie, das trotz härtester Disziplin nicht den Anforderungen des Business entspricht. Und die übergewichtige Leyla findet ihre Erfüllung im Baseball, einem Sport, in dem sie richtig gut ist.

Mehr als zwei Stunden Laufzeit sind etwas zu viel. An allen Ecken und Enden merkt man, wo man hätte verdichten und komprimieren können. Die ausufernde Laufzeit wäre gar nicht nötig gewesen, da sich manches auch wiederholt, obwohl der Zuschauer längst verstanden hat, was die Geschichte ausdrücken will.

Gefällig ist der erzählerische Ansatz, erst nach und nach zu zeigen, wie die Figuren miteinander verbandelt sind. Nicht jede(r) kennt jede(n), aber wir alle streifen am Leben von Menschen vorbei, die mit denselben Problemen zu kämpfen haben. Zudem ist es gut gelöst, wie die Hauptfiguren zueinanderstehen. Zwar mag die Geschichte um die liebesscheue Nora Tschirner hier etwas ungelenk eingefügt sein, im Zusammenspiel mit Maximilian Brückner bietet sie aber ein paar der besonders humorigen Momente.

«Wunderschön» ist keine reinrassige Komödie, aber auch kein tiefsinniges Drama. Eher schon ein Film, der ein wenig die Momentaufnahme verschiedener Leben zeigen will und wie sie sich im Wandel der Zeit entwickeln. Niemand steht für immer still, irgendwann ist alles anders. Die Herausforderung ist dabei, sich auf dem Weg nicht zu verlieren – und ebenso wenig den Menschen, den man an seiner Seite haben will.

Der Film ist durch die Bank gut besetzt, er deckt mit dieser Besetzung auch praktisch alle Gegebenheiten ab – von der jungen Mutter über ein Model und ein Mädchen, das sich seines Körpers schämt, bis zur älteren Frau, die einfach nicht will, dass das Leben schon vorbei ist. Es gibt viel Identifikationspotenzial, und das nicht nur für die Frauen, da auch die Männerrollen hier ihre Bedeutung haben. Alles in allem ein hübscher, nur leider auch ein klein wenig zu langer Film.

31.01.2022

3

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Kommentare

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audigirl

vor 2 Monaten

Der Film bringt einem wieder ins Bewusstsein, dass man in einer Beziehung arbeiten muss !! Man verändert sich in den Jahren, sowie die Interessen jedes einzelnen. Ich bin positiv überrascht gewesen über den Film. Ich persönlich hätte mir den Film nicht selber ausgesucht. Bin froh, hat mich meine Freundin gefragt.Mehr anzeigen


Julia

vor 2 Monaten

Da werden viele Klischees und Rollen "erfüllt". War aber unterhaltsam bis zum Ende.............


as1960

vor 3 Monaten

"Wunderschön" zeigt Geschichten wie Frauen mit den Erwartungen der Gesellschaft umgehen oder umgehen müssen. Das ist keine Neu-Erfindung des Kinos aber immerhin wird es charmant gemacht. Wobei es mir vorkommt, als ob Nora Tschirren und Emilia Schüle immer etwa dieselben Rollen in unterschiedlichen Filmen spielen, und das ist nicht der einzige Grund, weshalb der aktuelle Streifen etwas an Überlänge leidetMehr anzeigen

Zuletzt geändert vor 3 Monaten


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