Halloween Kills Grossbritannien, USA 2020 – 106min.

Filmkritik

Das Böse ist nicht totzukriegen

Christopher  Diekhaus
Filmkritik: Christopher Diekhaus

David Gordon Green setzt dort an, wo sein 2018 veröffentlichtes «Halloween»-Kapitel endete und macht dem Titel des Nachfolgers alle Ehre: Gemordet wird in Haddonfield dieses Mal in deutlich höherer Schlagzahl und noch brutaler als zuvor.

John Carpenters Horrorthriller «Halloween – Die Nacht des Grauens», der 1978 das Licht der Welt erblickte, avancierte zu einem Klassiker des Genres und begründete, inspiriert vom italienischen Giallo-Kino, die Untergattung des US-amerikanischen Slasher-Films. In mehreren Fortsetzungen mutierte die Geschichte rund um den übermenschlichen Killer Michael Myners, die Verkörperung des ultimativen Bösen, allerdings zu einer ideenlosen Aneinanderreihung stumpfsinniger Gewaltakte fernab der clever-wirkungsvollen Spannungsdramaturgie des Originals. 2018 drehte Independent-Regisseur David Gordon Green die in einer Sackgasse feststeckende Reihe in eine neue Richtung und konzipierte seine Arbeit, alle bisherigen Entwicklungen im Franchise ignorierend, als direkte Fortsetzung von Carpenters einflussreichem Ursprungswerk. «Halloween» war zwar keineswegs fehlerfrei, machte aber so viel richtig, um vorherige Weiterführungen in den Schatten zu stellen.

«Halloween Kills» greift den Faden wieder auf und führt uns erneut in die Mordnacht des Jahres 2018. Während die schwer verletzte Laurie Strode (Jamie Lee Curtis), ihre Tochter Karen (Judy Greer) und ihre Enkelin Allyson (Andi Matichak) auf dem Weg ins Krankenhaus sind, wird der in Lauries brennendem Keller eingesperrte Michael von Feuerwehrleuten gerettet, die er zum Dank niedermetzelt. Der Auftakt zu einem blutigen Feldzug durch das beschauliche Haddonfield, dem noch mehr Menschen als im Vorgänger zum Opfer fallen werden.

Dass Greens Sequel, für das der Regisseur zusammen mit Danny McBride und Scott Teems das Drehbuch schrieb, ein grösseres Bild an die Wand malen möchte, beweist schon der Einstieg. Bevor wir Laurie, Karen und Allyson sowie Michaels abermalige Wiederauferstehung zu sehen bekommen, richtet der Film seinen Blick auf den am Ende von «Halloween» verwundeten Polizisten Frank Hawkins (Will Patton), der bei Michaels erstem Amoklauf gerade frisch im Dienst war. Wie eine stilsicher und geschickt auf Nervenkitzel getrimmte, das Original erweiternde Rückblende ins Jahr 1978 zeigt, schleppt er seit dieser schrecklichen Nacht ein schlechtes Gewissen mit sich herum.

Raum bietet «Halloween Kills» auch einer von Tommy Doyle (Anthony Michael Hall) angeführten Gruppe, die dem damaligen Myers-Massaker nur knapp entkommen konnte. Nostalgiker werden sich sicherlich über die Rückkehr einiger bekannter Figuren (und Schauspieler) aus dem Carpenter-Streifen freuen. Gerade weil der neue Film mehrere Stränge aufmacht, spielen Laurie, Karen und Allyson, die Protagonistinnen des Vorgängers, zumindest in der ersten Hälfte, jedoch eine untergeordnete Rolle. Ohne klare Bezugspersonen zerfasert das Geschehen ein wenig, was in einigen Phasen auch auf Kosten der Spannung geht. Green und seine beiden Koautoren wollen unter dem Strich etwas zu viel und setzen dem Publikum diverse unfertige Ideen vor. Die in Haddonfield um sich greifende Lynchhysterie ist beispielsweise ein vielversprechender Gedanke, der sich im Krankenhaus der Kleinstadt allerdings arg abrupt Bahn bricht. Auch der Hinweis auf Gefühle zwischen Laurie und Officer Hawkins wird eher mit Gewalt in die Handlung hineingepresst.

Beginnend mit dem Flashback in den Einstiegsminuten hat «Halloween Kills» eine Reihe den Puls nach oben treibender Suspense-Momente zu bieten. Aufgebrochen wird die Terroratmosphäre aber ein ums andere Mal von Einlagen, die ebenso gut aus einer Horrorparodie stammen könnten. Nicht wenige Charaktere verhalten sich, gemäss einem der ältesten Genreklischees, derart dämlich, dass man keine grosse Lust verspürt, ihnen die Daumen zu drücken. Selbst die härtere Gangart in den Mordszenen kann die Ausflüge ins unfreiwillig Komische nicht übertünchen, zumal Michaels Exzesse mitunter selbst comichafte Züge tragen. Handwerklich ist Green nichts vorzuwerfen. Die Bilder seines Films sind sorgsam komponiert. Und die Effektarbeit liegt klar über dem Durchschnitt. Inhaltlich und tonal ruckelt es aber stärker als in «Halloween» – mit dem Ergebnis, dass sich die Fortsetzung leider der fragwürdigen Qualität früherer Reihenbeiträge annähert.



19.10.2021

2.5

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Kommentare

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Taz

vor 7 Tagen

Netter Anfang, aber dann wird die erwartete Brutaloshow geliefert, die wir aus diversen Teilen der Reihe kennen. Natürlich, es ist hier das Mittelding der Trilogie, die nächstes Jahr abgeschlossen werden soll, wobei ja durchaus bezweifelt werden kann, ob der Kerl wirklich mal noch definitiv ins Gras beisst. Wirklich neues wird uns hier nicht gezeigt, aber die Härte ist teilweise schon etwas des Guten zuviel.Mehr anzeigen


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