Mank USA 2020

Filmkritik

Vor einiger Zeit, in und ausserhalb von Hollywood

Irene Genhart
Filmkritik: Irene Genhart

1940 wird Drehbuchautor Herman J. Mankiewicz in die Mojave-Wüste in Klausur geschickt, um für den jungen Orson Welles innerhalb von drei Monaten ein Drehbuch zu schreiben. David Finchers Film, nach einem Drehbuch seines Vaters Jack Fincher gedreht, ist eine grossartig-verrückte Hommage an das klassische Kino Hollywoods.

Herman J. Mankiewicz, der ältere Brüder des heute bekannteren Joseph L. Mankiewicz, hat in Hollywood schon bessere Zeiten erlebt. Doch zur Trunksucht und kritischem Zynismus leidend, hat sich der Drehbuchautor in den 1930ern unbeliebt gemacht. Das Angebot, für das Filmdebüt des Radio-Wunderkinds Orson Welles das Drehbuch zu verfassen, ist seine (finanzielle) Rettung. Dass RKO Pictures Welles bei der Themenwahl freie Hand lässt, ist Manks, wie ihn seine Freunde nennen, Glück. Dass Welles im Vertrag festhält, dass Mankiewicz als Autor im Film nicht genannt wird, später Grund für massive Auseinandersetzungen.

Vorerst aber schickt Welles, man schreibt das Jahr 1940, Mankiewicz mit einem nach einem Unfall gebrochenen Bein, der deutschen Pflegerin Freda und der Britin Rita als Schreibkraft auf die in der Mojave-Wüste liegende North Verde Ranch in Klausur. In 90 Tagen soll das Drehbuch fertig sein, nach 60 Tagen will Welles, um danach selber daran Hand anzulegen, den ersten Entwurf.

Mankiewicz beschliesst, sich beim Schreiben auf seine eigenen Erfahrungen mit dem Zeitungsmogul William Randolph Hearst abzustützen. Er war in den 1930ern öfters zu des Milliardärs pompösen Dinners eingeladen und der von Hearst protegierten Schauspielerin Marion Davies ist Mank nach wie vor freundschaftlich verbunden. Doch die Zeiten haben sich geändert. Marion ist älter geworden, Mank in Ungnade gefallen – und „Citizen Kane“ schliesslich eine grossartig sarkastische Abrechnung mit der ersten Liga Hollywoods.

„Mank“ beruht auf einem Drehbuch, das David Finchers Vater Jack nach seiner Pensionierung verfasste. Finchers bereits in den 1990ern unternommene Anläufe, dieses zu verfilmen, scheiterten. Doch nun liess Netflix Fincher freie Hand. Und Fincher realisierte, sechs Jahre nach „Gone Girl“, seinen vielleicht besten Film.

Dieser handelt, in der Hauptrolle den einmal mehr grossartigen Gary Oldman, zur Hauptsache davon, was Drehbuchautoren antreibt, nimmt zugleich aber auch das Funktionieren des System Hollywoods unter die Lupe. Schwarz/weiss fotografiert, sich zudem diverser alter filmischer Stilmittel bedienend und die in Drehbuch üblichen Angaben zu Ort, Zeit als Zwischentitel einblendend, ist „Mank“ eine grossartige Hommage an das klassische Kino Hollywoods.

16.11.2020

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