Yao Frankreich 2018 – 103min.

Yao

Filmkritik

Wiederentdeckung vergessener Heimatgefühle

Irene Genhart
Filmkritik: Irene Genhart

Um in Dakar ein Autogramm seines Lieblingsautors zu ergattern, reist ein zwölfjähriger Knabe quer durch Senegal. Philippe Godeaus Roadmovie ist auch eine Hommage an Frankreichs Superstar Omar Sy.

Der zwölfjährige Yao lebt mit seiner Familie in einem Dorf im Norden von Senegal. Der Sohn eines Schneiders ist ein begeisterter Leser. Sein grösster Held ist der französische Schriftsteller und Schauspieler Seydou Tall, dessen Familie ursprünglich aus Senegal stammt. Demnächst soll Tall in Dakar sein neues Buch vorstellen und da gibt es für Yao kein Halten: Er reisst von zu Hause aus und nimmt in der Hoffnung, ein Autogramm zu ergattern, die knapp 400 Kilometer unter die Füsse.

In seinen ersten Minuten, in denen Yao seinen Kameraden unter einem Baum eine von ihm gelesene Geschichte erzählt und später sorgfältig sein von einer Ziege angeknabbertes Lieblingsbuch flickt, ist Yao eine simple Hommage ans Lesen und Erzählen, das Buch. Auf den zweiten Blick aber ist der Film von Philippe Godeau (11.6) komplexer: eine feinfühlige Abhandlung über Kultur und Herkunft, welche die Befindlichkeit eines Menschen sein ganzes Leben lang bestimmen. Und nicht zuletzt ist Yao eine zauberhafte Geschichte der Begegnung eines schüchternen Knaben mit einem Mann, der in der grossen Welt als Star gefeiert wird.

Viel Mut, Erfindergeist und Durchhaltewille braucht Yao – er wird beeindruckend gespielt von Lionel Basse in seiner ersten Rolle – bis er zu Seydou Tall vordringt: Nicht nur der Weg ist weit, sondern Tall wird als Star auch gut abgeschirmt. Doch Tall, der selber Vater ist, hat Verständnis für den Dahergelaufenen. Er nimmt Yao vorübergehend in Obhut und begleitet ihn trotz übervoller Agenda wieder nach Hause.

Dieser Roadtrip, auf dem man da und dort freiwillig rastet, zwischendurch aber auch durch äussere Umstände aufgehalten wird, ist eine eigentliche Reise in das Herzen von Senegal: nicht nur durch die gewaltig schönen Landschaften (Kamera: Mathieu Vadepied), sondern auch zum Volk, den Menschen, die zum Teil weitab der grossen kulturellen Zentren und dem da allzeit herrschenden Stress in entspannter Verbundenheit mit Tradition und herkömmlichen Sitten leben.

Hier verschieben sich die Rollen, wird Yao für Tall zum Führer ins Land, das zumindest zum Teil seine Heimat ist: Er hat auch etwas Dokumentarisches an sich, dieser Film, in dem Frankreichs Superstar Omar Sy (Knock, Chocolat, Ziemlich beste Freunde), dessen Vorfahren auch aus Senegal stammen, den grossen Sadou Tall spielt, der in der Begegnung mit einem Knaben das Land seiner Herkunft wiederentdeckt.

19.07.2019

4

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Kommentare

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Patrick

vor 7 Tagen

Behutsames Roadmovie das liebenswürdig gespielt wird.Im Roadmovie fließt auch die Kultur von Westafrika(Senegal) mit ein,untermalt mit schöner Landschaftsaufnahmen und einem dazu passendem Soundtrack.


Yvo Wueest

vor 12 Tagen

Mit dem ruhigen, wunderbaren Senegal-Film "Yao" verbinden mich mehr als zwei Buchstaben meines Vornamens. Erinnerungen an berufliche Aufenthalte kamen auf, auch Bruchstücke aus der einzigartigen, schriftstellerischen Vermittlungsarbeit von Al Imfeld. Schweizer Publizist, Theologe und Übersetzer zwischen Schwarzafrika und Europa, besonders in seinem Buch "Afrika als Weltreligion: Zwischen Vereinnahmung und Idealisierung".
Darum gefiel unserer munteren Gruppe, darunter meine zwölfjährige Tochter, das langsame, stetige Eintauchen aus europäischer Hektik und Präpotenz in die afrikanische Gemächlichkeit. Die prächtigen Bilder über diese Reise ins eigene Hinterland, die wiederkehrende Symbolik des für die afrikanische Kultur elementaren Baumes -um zu ruhen, essen, palavern, tanzen und feiern- werden uns lange in Erinnerung bleiben.Mehr anzeigen


as1960

vor 12 Tagen

"Yao" ist ein sympathischer Roadmovie. Schauspieler und Schriftsteller ist von einem kleinen Jungen beeindruckt, der einen beschwerlichen Weg durch den Senegal hinter sich hat, um eine Widmung von dem Star zu bekommen. Omar Sy in der Titelrolle beschliesst den Jungen heim zu bringen, und entdeckt dabei seine eigene Heimat. Der Film setzt sehr auf den Charme von Omar Sy (von dem wohl auch einiges von sich selber in der Rolle steckt), bleibt aber leider etwas oberflächlich. Somit plätschert ein nettes Filmchen vor sich hin.Mehr anzeigen

Zuletzt geändert vor 12 Tagen


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