CH.FILM

Berg der Steine Schweiz 2019

Berg der Steine

Filmkritik

Vergessene Stadt

Björn Schneider
Filmkritik: Björn Schneider

Seit Jahrzehnten führen Archäologen Ausgrabungen auf dem in Westsizilien gelegenen Monte Iato durch. Berg der Steine porträtiert ein nahe gelegenes Dorf, die Grabung selbst und ihre Teilnehmer.

Der rund 30 Kilometer von Palermo entfernt gelegene Berg war bereits in der Antike der Standort einer befestigten Stadt. Nachdem diese im Mittelalter zerstört wurde, siedelte sich niemand mehr auf dem Hochplateau an. Das Besondere an den Ausgrabungskampagnen ist das direkte Aufeinandertreffen der Wissenschaftler mit den Bewohnern des Dorfes San Cipirello, das in der Nähe des Bergs liegt. Die Wissenschaftler und ihre Arbeit stellen mittlerweile die Existenzgrundlage der Einwohner dar.

Die alljährlichen Grabungen auf dem Monte Iato dauern sechs Wochen. Exakt so lange begleitete das Filmteam die Experten des Archäologischen Instituts der Uni Zürich. Inszeniert wurde die Doku von Andreas Elsener. Der 27-jährige Züricher studierte Archäologie, Philosophie und Filmwissenschaft.

Als „vergessene Stadt im Herzen Siziliens“ bezeichnete eine Zeitung einst den antiken Ort Iaitas. Iaitas war der griechische Name jener Stadt auf dem Monte Iato, deren Überreste seit den frühen 70ern immer mehr zum Vorschein kommen. Regisseur Elsener brennt für die Themen Archäologie und Geschichte, das merkt man seinem gut recherchierten, informativen Film an.

Ein Film, der ebenso einen ausführlichen Blick zurück wirft. So vermitteln etwa die vielen Archivaufnahmen (sowohl Fotos als auch Videomaterial) einen authentischen Eindruck von den Anfängen der wissenschaftlichen Arbeiten. Und sie zeigen, wie sich die Grabungsstätte sowie die Arbeitsweise der Wissenschaftler verändert haben. „Früher war es ein Haufen von Steinen, heute gibt es etwas Schönes zu sehen“, sagt einer der Dorfbewohner.

Ausführliche Gespräche führte Elsener darüber hinaus mit früheren Wissenschaftlern sowie mit Angehörigen des aktuellen Ausgrabungsteams. Sie stehen auch im Mittelpunkt der entschleunigten Szenen von den Grabungen am Berg, die eine ganz eigene, atmosphärische Sogwirkung entfalten. Dort oben auf dem Mont Iato sind die Arbeiter hoch konzentriert, in ihrer eigenen Welt und ganz weit weg vom Stress und der Hektik unseres Alltags.

Wichtig ist der sich an ein interessiertes Nischenpublikum richtende Film auch deshalb, da er auf das gewaltige Armutsproblem der sizilianischen Gemeinden aufmerksam macht. Die Arbeitslosenquote liegt im Schnitt bei über 20 Prozent, zudem verlieren viele Orte aufgrund der Massenmigration junger Sizilianer immer mehr Einwohner. Das Dorf San Cipirello ist und bleibt eine Ausnahme, denn es profitiert wirtschaftlich erheblich von den Grabungen. Das wissen die Bewohner und sie sind dankbar dafür, das kristallisiert sich in den Interviews deutlich heraus.

26.04.2019

4

Dein Film-Rating

Kommentare

Sie müssen sich zuerst einloggen um Kommentare zu verfassen.

Login & Registrierung

alexanderwalter

vor 3 Monaten

Der Dokumentarfilm "Berg der Steine" porträtiert die Zürcher und die westsizilianischen ArchäologInnen, welche seit den frühen 1970er Jahren auf dem Monte Iato jährlich Grabungskampagnen durchführen. Dabei rücken mehr und mehr die Personen in den Vordergrund und eine halbvergessene Region wird den ZuschauerInnen näher gebracht. Dieser Mikrokosmos steht für beharrliches Bemühen um antike Kulturgüter und gegenwärtige Interkulturalität.
Andreas Elsener zeigt alles mit ruhigem Herangehen und geduldigem Hineintauchen: wunderbar!Mehr anzeigen


Mehr Filmkritiken

Der König der Löwen

Once Upon a Time... in Hollywood

Fast & Furious: Hobbs & Shaw

Blinded by the Light