Anna Frankreich 2019 – 119min.

Anna

Filmkritik

Der KGB sucht das Topmodel

Gaby Tscharner
Filmkritik: Gaby Tscharner

Im Osten nichts Neues: Luc Besson transportiert die Zuschauer mit Anna, einem Film über eine russische Spionin, die ihre weiblichen und anderweitigen Waffen für den KGB einsetzt, zurück in die Zeit des Kalten Kriegs.

Anna (Sasha Luss), eine junge Waise, die sich in den 80er-Jahren in einer toxischen Beziehung irgendwie durchs Leben schlägt, wird vom KGB-Agenten Alex Tschenkov (Luke Evans), der von ihrer Schönheit und Kompetenz in Fremdsprachen beeindruckt ist, als Spionin rekrutiert. So beginnt Annas Karriere als KGB-Agentin, die fortan undercover als Supermodel arbeitet und zwischen den Pariser und New Yorker Fashionweeks von ihrer Handlerin Olga (Helen Mirren) als Killerin auf den Laufsteg des Lebens geschickt wird. Als der CIA-Vorsteher Lenny (Cillian Murphy) ihr Cover auffliegen lässt, muss Anna eine schwere Wahl treffen.

In seiner über 30-jährigen Karriere hat der französische Regisseur Luc Besson Klassiker wie Léon, der Profi, Das fünfte Element oder Nikita realisiert und die Karrieren von Jean Reno, Natalie Portman oder Milla Jovovich lanciert. Sein unverkennbarer, visueller Stil, der irgendwo zwischen cooler Modefotografie und übertriebener Comicbuch-Kunst liegt, ist beliebt und wurde viel kopiert. Und darin liegt auch die Crux. Anna fühlt sich wie ein Patchwork aus anderen, besseren Filmen an. Unter anderem auch solchen von Luc Besson selbst.

Nach dem Flop Valerian kehrt der Regisseur zu seiner bewährten Hauptfigur eines von Männern ausgebeuteten, schönen Racheengels zurück. Seine Zauberformel wurde jedoch in den letzten Jahren in Filmen wie Atomic Blonde oder Red Sparrow erfolgreich kopiert und in Fernsehserien wie «Killing Eve» sogar origineller genutzt. Anna bietet zwar Stil, hat aber nur wenig Substanz. Die Geschichte wird mit viel zu vielen Rückblenden erzählt, die es schwierig machen, den Abenteuern der Supermodel-Spionin zu folgen, was wohl von den fehlenden Inhalten ablenken soll. Sprüche wie “Ich arbeite für den KGB, Baby” wirken abgedroschen und eine willkürlich lesbische Romanze mit einem anderen Model trägt weder zum Ablauf der Geschichte noch zur Figurenentwicklung bei.

Die Geschichte einer Frau, die sich von der Unterdrückung der Männer, eines totalitären Regimes oder der Modebranche befreien will, hätte durchaus Filmstoff abgeben können. Aber Luc Besson, der letztes Jahr von 9 Frauen von sexueller Belästigung bis zur Vergewaltigung bezichtigt wurde (der Regisseur streitet jegliches verwerfliches Benehmen ab), macht aus den Frauenfiguren seiner Filme oft Fetische. Mal abgesehen von ihrem viel geäusserten Lieblingswort “Freedom” haben wir keine Ahnung, weshalb Anna auf ihren Rachefeldzug geht, ob sie das Töten wirklich hasst oder warum sie mit den Männern, die sie nicht umbringt, oft sexuelle Beziehungen hat. Die blonde Perücke, das schwarze Leder und der Ballermann machen aus Anna keine ermächtigte Frau, sondern bestenfalls eine überstrapazierte Männerphantasie.

08.07.2019

2.5

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