Als Hitler das rosa Kaninchen stahl Deutschland 2019 – 119min.

Als Hitler das rosa Kaninchen stahl

Filmkritik

Das Leben als Flüchtling

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

In ihrem Roman «Als Hitler das rosa Kaninchen» stahl verarbeitete die Autorin Judith Kerr ihre eigene Lebensgeschichte und lässt den Leser eindringlich spüren, wie es ist, wenn man die Heimat verlassen muss, alles Vertraute verliert und auf der Flucht ist. Im Jahr 1978 gab es schon einmal einen Fernsehfilm nach diesem Roman, intensiver geraten ist aber Caroline Links neue Verfilmung, die nahe an der Vorlage ist.

Vor der Wahl 1933, die Hitler and die Macht bringt, flieht der kritische Journalist Arthur Kemper mit seiner Familie aus Deutschland, da er gewarnt wurde, dass man seiner Familie und ihm die Pässe abnehmen wird. Um nicht zu viel Aufmerksamkeit zu erregen, dürfen sie nicht viel mitnehmen – und so muss die kleine Anna ihre rosa Stoffhäschen zurücklassen. Die Kempers kommen in die Schweiz, wo es sich zwar schön leben lässt, der Vater aber nicht in der Lage ist, seine Texte zu publizieren. Die Familie beschliesst darum, weiterzuziehen, doch auch in Frankreich ist das Leben alles andere als leicht…

Der Film ist mit seiner Thematik gerade heutzutage wichtiger denn je, weil er dem Zuschauer ein Gefühl dafür gibt, was es heisst, auf der Flucht zu sein. Geld wird knapp, Möglichkeiten werden knapp, der Lebensraum wird immer kleiner, und eine neue Sprache muss man auch erlernen. Die damit einhergehenden Herausforderungen werden adäquat umgesetzt und ganz und gar aus der Warte der kleinen Anna erzählt, die auf dem Weg in ein neues Leben ist.

Filme über die damalige Zeit gibt es viele, die meisten konzentrieren sich aber auf das Geschehen innerhalb Deutschlands, während man dies hier nur von aussen mitbekommt – nämlich dann, wenn der von Justus von Dohnanyi gespielte Onkel aus Berlin kommt und berichtet, was sich nach der Nazi-Machtergreifung verändert hat. Damit einher geht aber auch ein Gefühl der ständigen Bedrohung, die noch dadurch verstärkt wird, dass man als Zuschauer den weiteren historischen Verlauf kennt. Wenn die Kempers die Schweiz verlassen und nach Frankreich gehen, ist man unwillkürlich gespannt, ob es ihnen gelingen wird, aus diesem Land zu entkommen, bevor mit Beginn des Zweiten Weltkriegs Frankreich besetzt wird.

Vor allem punktet der Film aber, weil er zeigt, wie beschwerlich das Schicksal eines Flüchtlings ist – etwas, das in unserer heutigen Zeit viele wohl nur allzu gerne ignorieren. Der Film legt den Fokus darauf und zielt auf die Empathie des Zuschauers ab. Es bleibt leider nur zu befürchten, dass diejenigen, die darin einen Nachhilfekurs benötigen würden, Als Hitler das rosa Kaninchen stahl ohnehin ignorieren werden.

20.12.2019

4

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Kommentare

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REM

vor 23 Tagen

Das Uch gehörte zu meinen absoluten Favoriten als ich ein Kind war. Hab mir schon das e-book runtergeladen. Werde wohl auch den Film anschauen


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