Der wunderbare Mr. Rogers USA 2019 – 107min.

Filmkritik

Ein guter Mensch

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Der wunderbare Mr. Rogers ist weniger ein Biopic über Fred Rogers, der in den USA als Moderator einer Kindersendung eine Ikone ist, als vielmehr die Geschichte des Mannes, der ihn interviewt hat. Man lernt viel über den 2003 verstorbenen Rogers, mehr aber noch über den Journalisten, der 1998 den vielbeachteten Artikel «Can You Say … Hero?» geschrieben hat und zu einem guten Freund von Mr. Rogers wurde.

Der Journalist Lloyd Vogel (Matthew Rhys) erhält den Auftrag, für das Magazin „Esquire“ ein kurzes Porträt von Mr. Rogers, dem bekanntesten Kinder-Show-Moderator der USA, zu schreiben. Vogel erwartet nicht viel, ist aber überrascht, als er am Set von Mr. Rogers‘ Show leibhaftig miterlebt, wie der Mann, den er nur aus dem Fernsehen kennt, wirklich ist. Im Interview interessiert sich Mr. Rogers mehr für Lloyd und stellt ihm Fragen. Es ist Mr. Rogers‘ echtes Interesse an Lloyd als Mensch, das diesen über seinen eigenen Lebensweg nachdenken und eine gewichtige Veränderung machen lässt.

Der Film dramatisiert das Geschehen. In Wahrheit heisst der Journalist Tom Junod – und er hat sich nicht mit seinem Vater (gespielt von Chris Cooper) auf der Hochzeit seiner Schwester geprügelt. Es gab nicht mal eine Hochzeit, aber für den Film entschied man, die Geschichte des Journalisten emotionaler zu machen. Das funktioniert, weil man durch seine Augen auch einen Blick auf Mr. Rogers erhascht, den Tom Hanks aussergewöhnlich gut spielt. Die Manierismen, die Bewegungen, die langsame Art zu sprechen – all das ist ganz und gar auf den Punkt.

Man mag kaum glauben, was für ein Mensch Mr. Rogers gewesen ist. Er scheint zu gut zu sein, als dass er so gewesen sein könnte, und dennoch gibt es zahlreiche Berichte, dass er genauso war: interessiert, warmherzig, freundlich, jedem Menschen gegenüber aufgeschlossen. Ein Heiliger, möchte man meinen. Aber das ist kein Begriff, den seine Frau, die als Beraterin für den Film tätig war, mochte. Denn hätte man ihren Mann als Heiligen gesehen, hätte das geheissen, dass man ihm nicht hätte nacheifern können. Dass er jedoch ein Mensch mit Fehlern war und jeden Tag daran arbeitete, so zu sein, wie er in diesem Film nun erscheint, ist ein Beispiel für jedermann. Wenn Mr. Rogers so sein konnte, dann kann das jeder – es sind nur leider die wenigsten.

Der Film ist inhaltlich schön, weil er nicht den Ansatz des Biopics wählt, er fasziniert aber auch in technischer Hinsicht. Es gibt Formatwechsel, die die Fernsehszenen noch stärker nachahmen, aber auch Auftritte von Mr. Rogers in echten Shows, bei denen man Tom Hanks in das alte Material integriert hat. So beeindruckend der Film aber auch technisch sein mag, es ist seine Menschlichkeit, die für wohlige Wärme sorgt.

10.06.2020

4

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Kommentare

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julianne

vor 5 Tagen

Ein extrem schöner Film über das Leben und die Menschlichkeit fantastic Darsteller Tom hanks wie immer worldclass !! Es war grossartig


Maratonna

vor 11 Tagen

Kein Film, den man sich ein 2. Mal anschauen will. Tom Hanks, naja, etwas angestrengt und nicht wirklich echt wirkend. Der Journalist Vogel überzeugte ein bisschen mehr. Aber sein Werdegang im Film ist doch ziemlich konstruiert. Das Ganze endet dann noch mit Kitsch hoch 3 inklusive Sauce.


thomasmarkus

vor 13 Tagen

America ad it's best. Die Szene, da der Moderator in der U-Bahn erkannt wird. Und eigentich alle ihn, und sein Lied (der wirkliche Mr. Rogers hatte auch Komposition studiert) mitsingen. Man möchte wissen, ob klein Donald zwar bis heute viel Fernseh guckte, aber vielleicht nie Mr. Rogers...


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