The Old Man and the Gun USA 2018

The Old Man and the Gun

Filmkritik

Im besten Sinne altmodisch

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Robert Redford suchte nach einer letzten Rolle, mit der er Spass haben konnte. Ein Film, der es wert war, sich mit ihm zu verabschieden, denn der über 80 Jahre alte Mime gab bekannt, dass er sich danach in den Ruhestand zurückziehen werde. Ein Film wie The Old Man and the Gun ist genau das richtige Projekt, um sich vor dem Publikum ein letztes Mal zu verbeugen.

Forrest Tucker ist ein alter Mann, der erst vor kurzem aus dem Gefängnis ausgebrochen ist. Nun verdient er sich den Lebensunterhalt wieder damit, Banken auszurauben. Allerdings würde er es nicht so beschreiben: Lebensunterhalt. Nein, das ist sein Leben – und er geniesst es in vollen Zügen. Zusammen mit ein paar genauso alten Kumpels raubt er Banken aus, aber auf eine höfliche, gewaltfreie Art und Weise. Auf der Flucht lernt er eine Frau kennen, die er ganz gerne mag. Aber seinen Lebensstil kann und will er auch für sie nicht ändern, während ihm die Polizei immer näher kommt…

Redfords letzter Film ist Clint Eastwoods (vielleicht) letztem Film The Mule nicht unähnlich. Beide basieren auf einer wahren Geschichte, beide erzählen von Gaunern im hohen Alter, auch wenn die Umstände doch sehr unterschiedlich sind. Inszeniert wurde das Ganze von David Lowery, mit dem Redford schon für Pete’s Dragon zusammengearbeitet hat. Lowery hat sich bemüht, einen Film abzuliefern, der nicht nur von den frühen 1980er-Jahren erzählt, sondern auch den Stil und Look der Filme jener Ära imitiert. Das Bild ist körniger, die Farben sind etwas zurückhaltender und der Schnitt deutlich ruhiger. Modern wirkt dieser Film nicht, das muss er aber auch nicht, weil er dafür reichlich Atmosphäre hat.

Er ist ein sympathisches, kleines Charakterstück, das trotz eines tollen Ensembles ganz und gar auf Redford zugeschnitten ist. Der Film zeigt einen Forrest Tucker, wie der Mann sich selbst vielleicht gerne gesehen hätte, wie er aber nur durch Redford entstehen konnte. Weil dieser ein Charisma und eine Ausstrahlung mitbringt, die grösser als das Leben ist. Genau das passt für diesen Gentleman-Gauner aber sehr gut.

The Old Man and the Gun hat zwar nicht wirklich das Zeug zum Meisterwerk und wird sicherlich auch keiner der grossen Redford-Klassiker werden, betont aber sehr schön, wieso der Schauspieler über so viele Jahrzehnte hinweg eine fruchtbare Karriere hatte. Für einen Schwanengesang ist dieser Film gut genug, und für Fans des Schauspielers eine schöne Gelegenheit, ihren Helden noch einmal in einer auf ihn zugeschnittenen Rolle zu sehen. Aber man weiss ja nie: Redford wäre nicht der erste Schauspieler, der vom Ruhestand zurücktritt…

15.05.2019

3.5

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Kommentare

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lisa nagy

vor 5 Monaten

Ich habe mich eineinhalb Stunden lang gefragt, ob noch etwas passieren wird. Leider nicht. Schade, dass dies Redfords letzter Film gewesen sein soll!


cinerat

vor 8 Monaten

Netter Film. Kann man schauen, muss man aber nicht.


nick74

vor 8 Monaten

Naja, habe mir viel mehr erwartet, war kaum sehenswert.


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