The Favourite Irland, Grossbritannien, USA 2018 – 120min.

The Favourite

Filmkritik

Absurder Adel

Gaby Tscharner
Filmkritik: Gaby Tscharner

The Favourite scheint alles zu haben, was man sich von einem zehnfach Oscar nominierten Kostümfilm wünscht: drei talentierte Hauptdarstellerinnen, wallende Kostüme und süsse Häschen - undtrotzdem ist es nicht leicht, diesen Film zu mögen.

Im 18. Jahrhundert regiert die alternde und kränkliche Königin Anne (Olivia Coleman) auf dem englischen Thron. Ihre liebste Hofdame ist Lady Sarah Churchill (Rachel Weisz), deren Ehemann Lord Marlborough (Mark Gatiss) den Krieg gegen Frankreich führt und die ihren Einfluss auf die Königin zu ihren eigenen Zwecken ausnutzt. Als Lady Sarahs verarmte Cousine Abigail (Emma Stone) am Hof eintrifft und um eine Anstellung bittet, sind ihre Tage als Küchenmagd jedoch bald gezählt. Als die Königin auch ein Auge auf Abigail wirft, bricht ein bitterer Kampf um die Gunst und die Macht der Monarchin aus.

Historische Filme, die ein Stück Geschichte erzählen, das von Frauen geschrieben wurde, sind selten. Und nun sind mit Maria Stuart, Königin von Schottland und The Favourite gleich zwei solcher Filme im Kino. Eine Tatsache, die erst mal gefeiert werden sollte. Auch stellt sich The Favourite nicht nur als Kritikerliebling, sondern mit 10 Nominationen auch als Oscar-Favorit heraus. Super! Als feministische Filmkritikerin will man einen solchen Film lieben, aber leider liess er mich emotional unberührt und das Ausharren bis zum Ende ist eher mühselig.

Doch das Gute zuerst, Olivia Coleman und Rachel Weisz sind grossartig. Coleman zeigt keine Eitelkeit in ihrer Darstellung der Königin, die zwar krank, aber in erster Linie eine ignorante und verwöhnte Monarchin ist, die lieber im Rollstuhl fährt, als ihre Gicht oder Diabetes oder was immer ihre geschwollenen, offenen Beine verursacht, mit etwas Bewegung zu pflegen. Weisz spielt die machtlüsterne Lady Sarah mit diabolischer Untertreibung und trägt eine Narbe, die ihr ein Sturz vom Pferd einbringt, wie einen Ehrenorden im Gesicht. Emma Stone gibt zwar ihr Bestes, ist aber nach Aloha einmal mehr fehlbesetzt. Der britische Akzent der Amerikanerin ist kaum vorhanden und wenn sie und andere Figuren mit gepuderten Perücken moderne Ausdrücke wie „Okay” oder „No Pressure” von sich geben, reisst das den Zuschauer aus der Geschichte raus.

All die Verwirrung scheint jedoch Teil von Yorgos Lanthimos (The Lobster, The Killing of a Sacred Deer) surrealer Vision zu sein, die anstatt historischer Genauigkeit mit Regie-Kunststücken und Kamerakapriolen prahlt, die im immer wiederkehrenden Gebrauch einer Fischaugenlinse gipfeln. Was will uns der Regisseur damit sagen? Dass es sich im Königshaus wie in einem Aquarium oder einer Schneekugel lebt?

Lanthimos scheint eine Vorliebe fürs Absurde zu haben. Die Königin ersetzt ihre verstorbenen Kinder durch Häschen, am Hofball werden akrobatische Disco-Tänze vorgeführt und eine Szene, in der ein nackter Mann, der nur Make-Up und eine gepuderte Perücke trägt, mit Blutorangen beworfen wird, dauert viel zu lange und trägt zur Förderung der zentralen Geschichte um das Liebesdreieck zwischen den Frauen nichts bei. Aber, offenbar bin ich mit meiner Meinung in der Minderheit, denn Lanthimos wurde diese Woche für einen Regie-Oscar nominiert, während Bradley Cooper für A Star Is Born leer ausging.

25.01.2019

3

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Kommentare

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simon_claflin

vor 7 Monaten

olivia colman ist das einzig grossartige in dem film. die geschichte die hier erzählt wird ist einfach abstrus. ich dachte es sei eine satire, dafür nimmt es sich aber viel zu ernst und ist nur selten lustig. auch dacht ich es werde brutal oder zumindest schockierend auf irgend ne art (wenn man yorgos andere filme kennt), dafür wars dann viel zu brav. überhaupt hab ich mich gefragt wohnin der film mit dieser story will. ...und dann ist plötzlich fertig. ok :-) auch gut!Mehr anzeigen


samuel450

vor 8 Monaten

Die beiden Hauptdarstellerinnen verdienen auf jeden Fall Höchstnoten. In den Dialogen zeigen sie ihre Fähigkeiten und ihre Vielfältigkeit grandios auf. Deshalb ist es umso bedauerlicher, dass sie in eine dermassen schlechte Story sich wiederfinden müssen. Die Macher des Filmes wollten mit ihren Drehbuch anscheinend den ganz grossen künstlerischen Coup landen. Bei mir geschah aber genau das Gegenteil. Die Geschichte zeigte keine Wirkung oder irgendwelche Emotionen, ich empfand sie als steril und abgedroschen. Die beiden Sterne gibt es daher nur für die beiden Schauspielerinnen - die Geschichte hätte für mich keinen einzigen verdient.Mehr anzeigen


Patrick

vor 8 Monaten

The Favourite ist nur bei den Kostümen der Ausstattung und der Darstellerleistungen favoritisch.Bei der Story Flammt ab und zu Spannung auf,aber sie schwappt immer wieder in die gemächliche~langeweile ab.Das Filmende ist abrupt& skurril daher verlässt man verstört den Kinosaal.Olivia Colman hat überraschend den Oscar von Clenn Close (The Wive)weggeschnappt,ob das verdient ist oder nicht ,ist Geschmacksache.Was aber auf jeden Fall Oscarwürdig war,war die Siegesrede von Colman die war voller Emotionen das ist wohl auch das Beste was man über The Favourite schreiben kann.Mehr anzeigen


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