Tag USA 2018 – 100min.

Catch me!

Filmkritik

Ein Spiel, bei dem man gerne mitmacht

Peter Osteried
Filmkritik: Peter Osteried

Manche Spiele haben es einfach in sich. Manche Filme aber auch. Zumindest für die Hauptdarsteller. Bei Catch Me! wurde mit vollem Körpereinsatz gespielt, weswegen sich Jeremy Renner bei einem Stunt den rechten Ellbogen und das linke Handgelenk gebrochen hat. Weitergedreht wurde trotzdem, das Budget schnellte aber in die Höhe, da man nun CGI-Arme benötigte, um Renners Verletzungen zu kaschieren.

Jedes Jahr im Mai lassen fünf Freunde ein ausgesprochen kompromissloses Fang-Spiel aufleben, bei dem sie Kopf und Kragen riskieren, nur um dem anderen auf die Schulter klopfen und „Du bist…!“ rufen zu können. Die Gelegenheiten können dabei extrem unpassend sein, so etwa eine Beerdigung. Aber das Spiel hat geholfen, dass sie über all die Jahre Freunde waren. Nun jedoch wollen sie den einzigen unbesiegten Spieler auch endlich erwischen. Wie gut, dass dieser im Mai Hochzeit feiert. Aber natürlich weiss er, dass seine Freunde kommen – und ist vorbereitet.

Hin und wieder gibt es Komödien, die sich vom Gros ähnlich gelagerter Stoffe abheben. Hier hat man die Geschichte von Freunden – ohne Hangover, dafür mit der fixen Idee, ein Kinderspiel bis zur letzten Konsequenz durchzuziehen. Würde man meinen, so etwas könnte sich nur Hollywood ausdenken, läge man falsch: Der Film basiert auf einer wahren Geschichte. Es gibt in den USA tatsächlich eine Gruppe von High-School-Freunden, die seit ewigen Zeiten Fangen spielen.

Die Handlung ist hauchdünn. Der Pitch für den Streifen muss extrem knackig gewesen sein. Aber das macht nichts, da Catch Me! dieses Nichts an Geschichte nimmt und daraus eine der lustigsten und abgefahrensten Komödien des Jahres macht. So viel Spass hatte man dieses Jahr nur bei Game Night, der auch nicht gerade Preise für die elaborierte Geschichte gewinnt. Aber wie diese Produktion punktet auch Catch Me! mit einem hervorragenden Ensemble, bei dem Renner sogar damit überrascht, dass er in einer Komödie ziemlich gut passt. Das hätte man ihm gar nicht zugetraut. Ihm zur Seite steht mit Ed Helms aber auch ein Vollblutkomiker.

Die Nebengeschichten bleiben etwas farblos, sie ziehen den Film aber nicht nennenswert runter, weil die Haupthandlung einfach zu mitreissend ist. Es gibt reichlich überdrehte, aber dafür umso amüsantere Action und zum Ende auch eine durchaus wichtige Botschaft. Die geht dann auch darüber hinaus, dass es eigentlich albern ist, wenn Erwachsene über Jahrzehnte ein Kinderspiel spielen. Denn der Film zelebriert Freundschaft, die über alle Widrigkeiten und Hindernisse, die das Leben so mit sich bringt, triumphiert, indem mit Hilfe dieses Spiels verhindert wurde, dass Freunde sich aus den Augen verlieren.

25.07.2018

4

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Kommentare

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blackeagle66

vor 13 Tagen

Dummerweise habe ich die überaus gute Kritik hier auf Cineman gelesen, bevor ich ins Kino ging. Dadurch bin ich wohl enttäuschter als ich es sonst wäre. Die Gags zünden höchst selten, die Charaktere sind zu einfädig und alles andere als authentisch. Der ewig nervende Ed Helms spielt wie gehabt seinen Hangover-Zahnarzt, am besten fand ich Mad Man Jon Hamm in untypischer Rolle. Aus der tollen Grundidee sehr wenig gemacht. Und, was hier als "wichtige Botschaft" am Schluss des Films dargestellt wird, ist die typische Moralinspritze einer Hollywood-Komödie, ohne die es die lieben Amerikaner offenbar einfach nicht machen können ...Mehr anzeigen


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