Putin's Witnesses Russische Föderation 2018 – 102min.

Putin's Witnesses

Filmkritik

Zeugen eines kontroversen Aufstiegs

Noëlle Tschudi
Filmkritik: Noëlle Tschudi

Vitaly Masky gewährt einen Einblick in Aufnahmen, wie sie noch nie zu sehen waren: Als Dokumentarfilmchef eines staatlichen Senders hatte er einen nahezu uneingeschränkten Zugang zu Präsident Wladimir Putin und den inneren Zirkeln der russischen Führung, sodass es ihm zwanzig Jahre später nun möglich ist, aus seinem eigenen Filmarchiv einmalige, nie gesehene und vor allem persönliche Einblicke in die Geschehnisse rund um die Machtübernahme des russischen Staatsoberhauptes zu Tage zu fördern.

Mansky liefert mit Putin’s Witnesses eine Dokumentation über den kontroversen Aufstieg des russischen Staatsoberhauptes Wladimir Putin und erlaubt den Zuschauern einen Blick auf noch nie zuvor gesehene Bilder aus dem Inneren höchster Führungsebenen, um den Übergang Russlands zu einem totalitären System verstehen zu können. Beginnend mit dem letzten Tag des vorherigen Jahrtausends, als Premierminister Wladimir Putin zum Präsidenten der Russischen Föderation aufstieg, zeigt er mit den Protagonisten Michail Gorbatschow, Boris Jelzin, sich selbst, Wladimir Putin und der russischen Nation in den Hauptrollen, wie Letztere zur stillen Zeugin ihres eigenen Schicksals wurde.

Was ist der russische Präsident für ein Mensch? Was sind seine Ziele, und wie konnte er sein derzeitiges politisches Amt antreten und sich in dieser Position behaupten? All diese Fragen drängen sich einem durch Manskys Dokumentation auf. Doch bedauerlicherweise liefert sie nur wenige Antworten. Stattdessen lässt Mansky sein Filmmaterial auf die Zuschauer wirken, und versieht das Gezeigte lediglich mit regelrecht hypnotisierendem Voiceover. Auffällig ist hierbei auch der Score des Films, der schwerfällig und bedrückend massgeblich zur unheilvollen Atmosphäre der Dokumentation beiträgt. Der Zuschauer wird in Putin’s Witnesses indirekt aufgefordert, deutlich hinzusehen und zwischen den Zeilen zu lesen. Gezeigt werden unter anderem Szenen von Putins damals gar von Mansky eingefäldeltem Treffen mit einer ehemaligen Lehrerin, die ihn zu diesem Zeitpunkt in ein besseres Licht hätte rücken sollen. Aber auch Momente bitterer Ironie: Beispielsweise eine Szene, in der er und seine Kollegen seinen Aufstieg in das Präsidentenamt feiern. Die allermeisten Anwesenden wechselten früher oder später in die Opposition oder verschwanden von der politischen Bildfläche.

Einblicke wie diese, aber auch persönliche Gespräche zwischen Putin und Mansky reihen sich in Putin's Witnesses aneinander wie Perlen an einer Kette. Problematisch ist dabei aber, das ebendiese Perlen nicht nur sehr selektiv ausgewählt zu sein scheinen, sondern dass es ihnen zu allem Überfluss oftmals an Aussagekraft mangelt: Zwar liefert Mansky den Zuschauern einige Fakten, die rückblickend beim Ansehen seines Filmmaterials alle Alarmglocken läuten lassen, doch die Beweislage, auf der er ein eigenes Urteil des Publikums zu provozieren versucht, ist oftmals sehr dünn. Kurz: Die Dokumentation ermöglicht den Zuschauern einen spannenden Blick auf noch nie gesehenes Filmmaterial von Putins Aufstieg und dessen Konsequenzen für die russische Geschichte, schöpft ihr Potential aufgrund der geringen Faktendichte und der überdramatisierten Atmosphäre nicht vollends aus.

10.10.2018

3

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